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' stehtund dann kannst Du meinetwegen auf Montgomerys Point und den jetzigen Handel dort schimpfen. Das wird dem Alten gut tun, dann glaubt er, ich habe Unrecht gehabt, und geht desto eher in die Falle. Er hat überdies eine Art Aversion gegen mich, für die er jedoch keinen Grund weisses ist so eine Art Instinct, glaube' ich. – Nun, ich bin nicht böse darüber, er hat alle Ursache dazu und wird, ehe zweimal vierundzwanzig Stunden vergehen, noch mehr bekommen."

"Was für Ursachen?" fragte Blackfoot.

"Lass gut sein," sagte Bill und leerte das vor ihm stehende Glas auf einen Zug. – "Das sind Dinge, von denen ein alter Praktikus nicht gerne spricht. Schweigen über eine Sache hat noch Keinem geschadet, Plaudern aber schon Manchem Unheil gebracht. Doch da kommt Mrs. Breidelfordnun, Frauchen, noch böse? Ich hatte gerade den Kopf voll, als ich in's Haus trat, Blackfoot hier hat aber Alles wieder in Ordnung gebracht."

Mrs. Breidelford war keineswegs die person, die lange mit Jemandem gegrollt hätte, der, wie sie wusste, ihr manchen Nutzen bringen sollte und auch schon manchen gebracht hatte. Sie hielt denn auch die ihr zur Versöhnung abverlangte Hand nicht zurück und sagte nur:

"'S ist schon gut, Bill, ich weiss ja, dass Ihr's nicht so böse meint, grob war's freilich immer. Aber was um Gottes willen habt Ihr Euch denn da für einen erschrecklichen Bart stehen lassen? Der sieht ja grausig ausdie Kinder müssen vor Euch davonlaufen. Nein, geht Bill, den müsst Ihr Euch wieder abrasiren, Ihr seid ohnedies nicht so hübsch, dass Ihr einen Stock zu tragen brauchtet, die Mädchen abzuwehren. Da fällt mir dabei ein, was mein seliger Mann immer sagteLouise, sagte er, es gibt Gesichter in der Welt –"

"Aber, gute Mrs. Breidelford," unterbrach sie hier, freundlich ihren Arm ergreifend, Blackfoot – "Sie wissen, um was ich Sie gebeten habe, und ich sitze nun vergebens eine volle Stunde hier und warte darauf. Ich muss wahrhaftig fort, denn erstlich wird Kelly sonst ingrimmig böse, und dann haben w i r Beide hier ein Geschäft mit einander abzumachen, das ebenfalls keinen Aufschub leidet, alsowenn es Ihnen irgend möglich wäre –"

"Hat der Mensch eine Eile," sagte die Dame und fing an, nach Etwas zu suchen, das unter einer Unzahl geheimer Falten und Röcke entweder auf Nimmerwiederfinden versteckt oder verloren war. Mrs. Breidelford's Hirn musste selbst eine solche Vermutung kreuzen, denn sie fing plötzlich an, sich ganz schnell und ängstlich überall zu betasten, und ein erschrecktes – "Na, weiter fehlte mir nichts," teilte ihre Lippen. Der fragliche Gegenstand, was es auch immer war, gab sich aber endlich ihrem Griffe kundihre Züge heiterten sich wieder auf, ein tiefer Seufzerdie dem Herzen entnommene Lasthob ihre Brust, und sie brachte, nachdem sie untergetaucht und einen der zahlreichen Röcke beseitigt hatte, eine alte braunlederne tasche mit Stahlbeschlägen zum Vorschein. Diese öffnete sie mit einem kleinen daran hängenden Schlüssel und nahm eine Anzahl von Banknoten wie sorgfältig in Papier gewickelte Geldstücke heraus. "Sohier, Ihr Vampyrder Ihr einer armen, allein stehenden witwe das Letzte abnehmt, was sie an baarem Gelde besitzt –" sagte sie dabei – "hier, Ihr unersättlicher Einkassirer, der so regelmässig jeden monat kommt, wie Vollmond und Neumond, und n o c h brummt, dass er nicht genug hätte –"

"Ja, ja," lachte Blackfoot – "Euch wär's schon recht, wir lieferten Euch bloss die Waaren und bekümmerten uns weiter nicht darum, was Ihr dafür bekämet. Das glaube' ich; Ihr solltet Euch aber wahrhaftig nicht beklagen; denn wenn irgend Jemand Nutzen daran hat, so seid I h r es, und sitzt noch dazu warm und sicher in Helena, während wir draussen in Nacht und Gefahr unser Leben verbringen –"

"Warm und s i c h e r ?" rief Mrs. Breidelford scharf – "Ihr schwatzt, wie Ihr's versteht. – S i c h e r ; als ob nicht gestern Abend so ein schlechtes geschöpf versucht hätte, hier, während ich nur in die Nachbarschaft gegangen war, ein paar Freunde zu besuchen, die mich eingeladen hatten, bei mir mit Nachschlüsseln einzubrechen."

"Was? bei Euch?" rief Blackfoot schnell – "sollte das nur um zu s t e h l e n geschehen sein?"

"N u r um zu stehlen, Mr. Blackfoot? Ich dächte, da wäre für eine arme, allein stehende witwe gar kein n u r weiter dabei. N u r um zu stehlen, jetzt bitte ich Einen um Gottes willen, was verlangt Ihr denn sonst noch von einem Diebe oder Einbrecher, Sir? – Aber mein lieber seliger Mann hat mir das schon immer gesagtLouise, sagte er, Du hast zu viel VertrauenDu bist zu gutDu wirst noch teure Erfahrungen in Deinem Leben machen, Du wirst noch viel betrogen, noch viel gekränkt werdensagte er, das liebe Herz, was jetzt in seinem kalten grab liegt. Aber ich kenne das