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e n n o c h jemals drohenwer weiss denn, ob sie nicht dadurch gerade etwas von Euch zu erpressen hofftso fragt sie nur ganz freundlich, ob sie noch einen kleinen Vorrat von den l a n g e n N ä g e l n hätte, die ihr Mr. D a w l i n g vor einigen Jahren verschafft. – Hört Ihrvergesst den Namen D a w l i n g nicht."

Sander nahm seine Brieftafel heraus und schrieb sich das Wort auf.

"Dawling," sagte er sinnend – "Dawlingwo habe ich den Namen schon einmal gehört? Was für eine Bewandtniss hat es denn mit den Nägeln?"

"Das kann Euch gleichgültig sein," brummte Blackfoot. – "Ich gebe Euch die Arznei, fragt nicht, wo sie herkommt, und gebraucht sie, wenn Ihr ihrer bedürft. – Aber hier ist der Wegso, nun können wir unsere Pferde einmal ordentlich ausgreifen lassen, wir kommen sonst zu spät nach Helena." Aus diesem grund vielleicht, oder auch, um den weiteren fragen seines Begleiters zu entgehen, drückte er seinem Tier die Hacken in die Seiten und sprengte rasch auf der nach Helena führenden Strasse hin, die diesen Ort zu land mit der Mündung des Whiteriver und dem darüber gelegenen Montgomerys Point verband. Sander folgte ihm. Während er aber seinem Tier den Zügel liess, beschäftigte er sich eifrig dabei, mit einer kleinen Taschenkleiderbürste seinen Anzug von den heraufgespritzten Schmutzflecken zu reinigen, sein langes weiches Haar zu ordnen und die durch den bösen Ritt total zerstörte Frisur so weit wieder herzustellen, wie ihm das bei der schnellen Bewegung eines galoppirenden Pferdes und nur mit der hülfe eines kleinen Hohlspiegels möglich war.

9.

Alte Bekannte treffen sich.

Mrs. Dayton hatte, ihr am vorigen Abend gegebenes Versprechen zu erfüllen, alle nötigen Anstalten getroffen, ein paar Tage über Land bleiben zu können. Es war auch, als Mr. Dayton etwas spät am Morgen und ziemlich erschöpft von dem langen Ritt zurückkehrte, beschlossen worden, gleich nach Tisch aufzubrechen und Livelys zu besuchen, mit denen Mrs. Dayton schon in früherer Zeit in Indiana befreundet gewesen.

Die kleine Familie hatte noch nicht lange ihr einfaches Mittagsmahl beendet, und der erst vor einigen Stunden zurückgekehrte Squire eben zwei wiederum für ihn eingetroffene Briefe gelesen und in die Brusttasche geschoben, als Pferdegetrappel vor der Tür gehört wurde und Adele an's Fenster sprang, um zu sehen, wer es wäre, der vor ihrem haus anhielt. Kaum hatte sie aber den blick hinabgeworfen, als sie auch überrascht ausrief:

"Mr. Hawesbei Allem, was da lebendig auf der Erde herumläuft! – Nein, so etwas ist noch gar nicht dagewesen!"

"Und wer i s t denn Mr. Hawes?" fragte Squire DayDa Du übrigens den Gentleman so gut zu kennen scheinst, so bist Du es auch vielleicht, derentwegen er uns hier aufsucht."

"Das ist sehr leicht möglich," sagte Adele unbefangen. – "Seine Frau war meine beste Freundin, Du musst sie noch von früher her kennen, HedwigMarie Morrisdes alten reichen Morris Tochter. Wissen möchte' ich aber, was ihn nach Arkansas bringt. Ich glaubte, er wäre schon lange in Louisiana auf seiner Plantage."

"Nun, da kommt er selbst und wird Dir das Rätsel wohl lösen," sagte Squire Dayton. Wirklich wurden auch im nächsten Augenblick die leichten schnellen Schritte auf der Treppe gehört, und gleich darauf trat nach kurzem Anklopfen und ohne fast das einladende "Herein" zu erwarten, derselbe junge Mann in die stube, den wir schon heute Morgen, freilich unter einem andern Namen, in der Mississippi-Niederung gefunden haben.

"Miss Adele!" rief er und schritt schnell und die Hand ihr entgegenstreckend, auf die Dame zu – "es freut mich herzlich, Sie so wohl und munter zu finden. Wahrscheinlich habe ich die Ehre, Mister und Mistress Dayton hier vor mir zu sehen?"

Squire Dayton und Frau verneigten sich, und der Erstere sagte freundlich:

"Unsere kleine Freundin hier hat Sie schon von draussen angemeldetMr. Hawes, wenn ich nicht irresie erkannte in Ihnen einen alten Bekannten –"

"Dann hätte ich ja kaum der kalten Einführung dieses Briefes bedurft," sagte der Betrüger mit einer leisen Verneigung gegen die junge Dame. – "Von Mr. Porrel, jetzigem Staatsanwalt in Sinkville, der so gütig war, nebst einem freundlichen Gruss Ihnen die Meldung zu machen, dass eine so unbedeutende person wie ich überhaupt existire."

"Ach, von Porrelhaben Sie ihn erst kürzlich verlassen?" fragte der Squire und nahm den Brief an sich. – "Es ist manches Jahr vergangen, dass wir einander nicht gesehen haben."

"Und doch spricht er noch mit vieler Liebe und anhänglichkeit von Ihnen. Er ist vor wenigen Wochen Staatsanwalt geworden und steht sich jetzt ziemlich gutbekleidet auf jeden Fall einen ganz einträglichen und höchst achtbaren Posten."

"Aber wie geht es Mistress Hawes, Sir? Was macht Marie und wo ist sie?" unterbrach ihn hier Adele. "Sie erwähnen ja kein Wort von ihr und ihren Eltern. Ich glaubte Sie auf Ihrer Plantage in Louisiana."

"Könnte ich dann schon wieder hier sein?" fragte Sander. "Neindie Pflanzung in