Beider Ziel war aber für jetzt Helena, wohin Sander seine besonderen, allerdings geheimen Instructionen hatte.
"Die Pest über solches Reiten," brach endlich dieser das Schweigen, das sie bis dahin – zu sehr mit der Unebenheit des Bodens beschäftigt – beobachtet hatten – "Hals und Beine könnte man brechen, und das Schlammwasser schlägt Einem fast bei jedem Schritte über dem kopf zusammen. Dass mich auch der Henker diesen Weg führen musste; ich werde schön aussehen, wenn wir nach Helena kommen. Wo zum Teufel mag denn nur die verdammte Strasse liegen. Wir sind am Ende in all' diesem Gewirr schon drüber hin und ziehen nun gegen Westen in irgend eine schöne, noch nicht entdeckte Gegend."
"Habt keine Angst," lachte der Pilot in diesem Waldmeer, "die Helenastrasse muss wenigstens noch eine Meile weiter hin liegen. – Bedenkt doch nur, Mann, dass wir auf solcher Bahn haben Schritt für Schritt reiten und oft bedeutende Umwege machen müssen, um nur den Seen und Dickichten auszuweichen, die wir unmöglich durchschneiden konnten. Tröstet Euch aber, der Boden wird jetzt ein wenig besser; wir haben das Schlimmste hinter uns und können nun doch zum Mindesten neben einander hintraben und ein vernünftiges Wort mitsammen plaudern."
Sander schien von diesem einzigen Trost keineswegs sehr erbaut, denn er murmelte ein paar unverständliche und verdriessliche Worte in den Bart, machte aber endlich gute Miene zum bösen Spiel, presste die Flanken seines Tieres ein wenig und sprengte an die Seite seines Kameraden, der ihn mit einem halb lächelnden, halb spöttischen blick betrachtete.
"Ihr seht schön aus," sagte er und sein Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen – "wie eine Forelle oder eine ächte Cuba-Cigarre. – Es geschieht Euch aber recht, warum habt Ihr meinen Rat nicht befolgt und die Decke übergehängt."
"Dass ich die Fasern nachher in einer Woche nicht wieder losgeworden wäre, nicht wahr?" – erwiderte mürrisch der Angeredete. – "Nein, da bürsten sich die trocken gewordenen Schmutzflecken besser wieder ab. – Aber hol' der Böse den Ritt – erzählt mir lieber das Genauere von dem Dampfboot. Wir wollen also in corpore eins kaufen?"
"Nun ja, ich habe es Euch ja schon einmal gesagt. Das ist der gescheidteste Gedanke, den Kelly je gehabt hat. Potz Seelöwen und Eisbären, was für einen verdammt guten Spass das gäbe, wenn unsere Nachbarschaft einmal Wind von uns bekäme und nun plötzlich das ganze Nest mit Dampf abfahren sähe. Nicht mit Gold wäre der Witz zu bezahlen."
"Nein," murmelte sein Begleiter, "denn der Einsatz dagegen wären unsere Hälse. Das mit dem Dampfboot liesse sich aber auch noch ausdehnen. Unsere Geschützstücke nähmen wir natürlich mit unterwegs, ehe wir die mexikanische Küste erreichten, trieben wir ein wenig Seeräuberei. Jetzt im Sommer, wo im Golf fast stete Windstille ist, müsste die Sache herrlich gehen. Was wir an Schoonern und kleineren Fahrzeugen fänden, wäre unbedingt unser, ja wer weiss, ob wir nicht auch eins der Vereinigten-Staaten-Dampfboote entern und eine famose Beute machen könnten. Erst müssen wir freilich das Dampfboot haben."
"Nun, die Sache soll übermorgen, als am letzten Sonnabend im Juni, in öffentlicher Sitzung vorgetragen und beschlossen werden. Acht Tage später können wir dann ein Dampfboot an Ort und Stelle haben, und in zwei Tagen mehr sind wir im stand, es ganz nach unserem Wunsche nicht allein einzurichten, sondern auch zu stationiren."
"Es müsste natürlich nur von den Unseren bemannt werden."
"Das versteht sich, und eben diese Wahl der zu den verschiedenen Posten zu Verwendenden muss ebenfalls zu gleicher Zeit stattfinden, sonst gäbe es nachher Mord und Todtschlag. Es würde Jeder kapitän, Keiner aber Feuermann und Deckhand sein wollen."
"Der kapitän muss jetzt viel baares Geld liegen haben," sagte Sander nachdenkend – "es sind in letzter Zeit gewaltige Posten eingegangen. Wie viel ist wohl in der Kasse?"
"Ich weiss es nicht," erwiderte Blackfoot – "wahrscheinlich wird er doch am Sonnabend ebenfalls Rechnung ablegen. – Er hat aber wohl viel Geld nach Mexiko geschickt, wo er, wie mir gesagt ist, eine bedeutende Landstrecke für uns gekauft haben soll."
"Hat ihm denn die Gesellschaft den Auftrag dazu gegeben?" fragte Sander und wandte sich plötzlich nach seinem Begleiter um.
"Ich glaube kaum," sagte dieser – "doch wozu auch? Wenn e r es einmal für gut und nötig hielt, so können wir Anderen auch damit zufrieden sein. Aufrichtig gesagt ist's mir, nach der letzten geschichte am Fourche la fave und nach den keineswegs tröstlich lautenden Nachrichten, gar nicht mehr so heimlich am Mississippi, wie früher. Ich denke immer, es könnte uns einmal über kurz oder lang etwas Menschliches begegnen, und – das mag dem kapitän wohl auch so gehen; der Plan mit dem Dampfboot und dem angekauften Land ist deshalb auch ganz gut."
"Ja," sagte Sander, "gewiss – heisst das, wenn es von dem Gelde angeschafft wird, was der kapitän in seiner Verwahrung hat – sonst nicht. – Sonst erschöpfen wir unsere Privatkassen bis auf den letzten Cent und sind dann immer wieder auf die Gesellschaft oder – den kapitän angewiesen, der uns schon überdies zu sehr unter dem Daumen hält. Nun meinetwegen, i c h habe weder Kind noch