schlang ihren Arm um seinen Nacken – "wer k a n n Dir zürnen, wenn Du so freundlich bist?"
"So komm denn, Geliebte," flüsterte lächelnd der kapitän – "komm und lass jeden bösen, jeden unfreundlichen Gedanken in diesem Kusse schwinden. Wir haben von aussen drohenden Gefahren zu begegnen, lass uns wenigstens hier innen in Frieden und Liebe leben und Kräfte sammeln zu dem letzten entscheidenden Schritt, zu Sicherheit und Ruhe!"
* * *
Vor der wohnung des Capitains standen indessen, in ihre warmen Matrosenjacken gehüllt, Blackfoot und Bolivar, der Neger.
"Alle Wetter, Massa," sagte der Letztere, während er sich der lästig werdenden Mosquitos zu erwehren suchte – "ich möchte wissen, ob Massa Kelly noch 'was besorgt haben will heute Abend oder nicht."
"Hab' Geduld, Bursche," brummte der alte Bootsmann und knöpfte sich fester in seine Ueberjacke ein – "wirst doch warten können, wo U n s e r e i n e r wartet. – Der kapitän geht dem Weibchen erst ein bischen um den Bart herum – mit Frauenzimmern wird man nicht so gleich fertig wie mit Männern. Aber – 's ist wahr – es dauert verdammt lange – wenn ich nur erst wüsste, was er eigentlich wollte, nachher könnte man sich seine Berechnung schon selbst ein bischen machen."
"Ja – ja," lachte der Neger vor sich hin, "kapitän Kelly lässt Euch auch gerade wissen, was er will. – Das der Letzte zu so 'was – Bolivar kennt ihn besser – wenn er sagt, er geht stromauf – wette meinen Hals dann darauf, er ist hinunter, und wenn er sagt A r k a n s a s , so wäre Arkansas der letzte Platz, wo ihn Bolivar suchte."
Blackfoot sah den Neger von der Seite an, schob die hände in die Taschen und ging langsam auf und nieder.
"Bist D u schon einmal mit dem kapitän in Helena gewesen?" fragte er nach kurzer Pause.
Bolivar zog den breiten Mund von einem Ohr bis zum andern und nickte.
"Und weisst Du," sagte der Bootsmann, dem Neger einen Schritt näher tretend, "weisst Du, was –"
"Bst, Massa – for God's sake," flüsterte der Schwarze und streckte ängstlich die Hand gegen den Redenden aus, während er selbst einen scheuen Seitenblick nach der Tür warf – "Bolivar will lieber, dass er mit gebundenen Händen vor dem Staatsanwalt stände und Massa Blackfoot als Zeugen gegen sich hätte, als h i e r von Sachen reden, die den kapitän betreffen. – grosser Golly, wie er neulich einmal den Spanier bezahlt hat – Ohren ab – Nase ab – arme ab – und dann gut verbunden, aber sonst nackend in den Sumpf gestellt; – brrr, Bruckramann1 ist doch viel grausamer wie Neger."
Oben aus der Eiche, unter der sie standen, tönte ein schriller Pfiff, wie ihn der Nachtfalke ausstösst, wenn er seine Beute zu erfassen glaubte, und nun getäuscht wieder hinauf in sein luftiges Reich muss.
"Pest und Donner," fluchte der Neger und fuhr schnell empor – "das fehlt uns auch noch – jetzt kommen bei Gott die verdammten Pferde von Arkansas – nun gibt's Nachtarbeit. Ei, so wollt' ich denn doch –"
"Der kapitän hat sie lange erwartet," sagte Blackfoot – "Arbeit haben wir auch weiter nicht damit, unsere Leute sind schon drüben seit Sonnenuntergang."
"Schaffen wir sie denn gleich nach Mississippi hinüber?" fragte Bolivar.
"Nein – das dürfen wir nicht riskiren. – So wie das Land jetzt mit den verdammten Regulatoren in Aufruhr ist, hiesse das die Schufte da oben selbst mit der Nase auf unsere Fährten stossen. – Nur die beiden Pferde, die wir notwendig drüben haben müssen, nehmen wir durch den Sumpf, dass die Spuren aus dem land heraus in die Stadt führen; das besorgt Mowes, der ist in Melville bekannt wie ein bunter Hund und erregt keinen Verdacht mehr. Die anderen führen wir zu wasser nach Vicksburg."
"Wenn ich nur wüsste, was mit dem fremden Frauenzimmer da drin geschehen soll," brummte der Neger – "erst wird man hierher bestellt, und nachher ist's nichts."
"Drinnen ist Alles dunkel geworden," sagte Blackfoot – "vor morgen früh wirst Du auf keinen Fall gebraucht. Geh also bis dahin zu den Snags, und wenn wir die Tiere glücklich gelandet haben, wollen wir uns ein Stündchen hinlegen. Morgen wird's wahrscheinlich verdammt scharfe Arbeit setzen."
Von dem rechten Ufer der Insel schallten jetzt regelmässige, aber schnelle Ruderschläge herüber, und deutlich konnten die lauschenden Männer hören, wie das kommende Boot mit aller Macht gegen die dort ziemlich starke Strömung anarbeitete.
"Aha," nickte Bolivar grinsend – "in dem Boote steuert wieder Mr. Klugrabe – will immer gescheidter sein, als andere Leute, und hält jedesmal von Anfang an zu viel über – denkt's immer zu erzwingen und muss sich nachher wieder von der Sandbank heraufleiern."
"Sie müssen ziemlich oben an der Spitze sein," meinte Blackfoot.
"Ja – aber mit welcher Arbeit – so viel weiss ich – doch wahrhaftig da kommen sie schon – Wetter noch einmal, müssen die in den Rudern gelegen haben!"
Blackfoot hatte