."
"Und die Insel?"
"Mag unter Anderer Leitung meinetalben fortbestehen."
"Werden sie Dich aber Deines Führeramts entlassen?"
"Vielleicht gehen sie mit –" sagte der kapitän, augenscheinlich zerstreut – "doch – wie dem auch sei – die Dirne darf nicht hier bleiben – Verrat v o r der Zeit könnte uns Alle verderben."
"Was wollt Ihr mit ihr tun?" fragte Georgine besorgt.
"Bolivar soll sie – nach Natchez begleiten – bist Du das zufrieden?"
"Du m u ss t Deinen Willen durchsetzen –" murmelte die Frau, und zog ärgerlich die schönen, kühn geschnittenen Brauen zusammen – "früher war Deine Liebe anders – glühender. – Du kanntest kein Glück, d a s ausgenommen, das Du an meiner Seite fandest. – Ich fürchtete einen Wunsch auszusprechen, denn Du achtetest selbst nicht Todesgefahr, ihn zu erfüllen – jetzt aber –"
"Georgine, sei vernünftig," bat Kelly und zog sie, ihre Hand erfassend, leise zu sich nieder, "Du wirst doch begreifen, dass ich nicht unser Aller Sicherheit, unser Aller Leben einer einzigen halb wahnwitzigen Dirne wegen auf's Spiel setzen darf. Könnte ich immer hier sein, gern wollte ich dann Deinem Wunsche willfahren – ich würde selbst über unsere Sicherheit wachen, aber so –"
"Du willst wieder fort?"
"Ich m u ss – dringende Geschäfte rufen mich in früher Stunde morgen nach Montgomerys Point, vielleicht nach Vicksburg."
Georgine legte ihre Hand auf seine Schulter und blickte ihm lange und forschend in das ihr ruhig, ja lächelnd begegnende Auge.
"Und w e s h a l b willst Du immer fort von mir? Weshalb kannst Du jetzt nicht, wie früher? – Richard – Richard – wenn ich Dich f a l s c h wüsste –"
"Aber, Kind – Du phantasirst wahrhaftig. – Die Wahnsinnige hat Dich angesteckt."
"Wahnsinnige?" – flüsterte Georgine düster vor sich hin – "der Mann, der ihr Liebe log – Richard, wenn ich ahnen könnte, dass Du falsch wärest – Du, dem ich mein Leben – das Leben meiner Eltern geopfert habe – bei allen Geistern der Unterwelt, ich würde Dein Teufel. An Deine Fersen solltest Du mich gebannt sehen, und Rache – Rache, wie sie noch kein Weib genossen, müsste ein Verbrechen sühnen, für das die Erde keinen Namen hätte."
"Georgine," flüsterte der starke Mann und legte seinen Arm liebkosend um ihre Hüfte – "Du bist ein töricht – eifersüchtig Kind. Wem zu Liebe schaffe und arbeite ich denn jetzt? Wem zu Liebe habe ich denn mein Leben dem Gesetz verfehmt – wessen Liebe war die Ursache, dass ich – das erste Blut vergoss? Sieh, Deine Eifersucht verzeih' ich Dir – sie ist ein Zeichen eben dieser Liebe – aber Du bist auch ungerecht. Du darfst mich nicht nach den anderen Menschen beurteilen, wie sie Dir täglich im Leben begegnen. – Du weisst, ich bin nicht wie sie – Du wärst mir sonst nicht gefolgt – aber Du musst mir auch vertrauen. – Du musst mir auch glauben, wenn ich Dir meine Gründe nenne." dass
"Gut," rief Georgine und sprang von dem Lager empor – "ich will Dir vertrauen, aber einmal lass mich erst wieder hinaus in die Welt – einmal lass mich mit den Menschen verkehren, mit denen Du verkehrst – dann will ich Dir folgen als Dein treues Weib, wohin Du immer nur begehrst – aber d a s – d a s erfülle mir."
"Und gerade das," lächelte der kapitän, "ist Etwas, das mehr Schwierigkeiten hat, als Du Dir wohl träumen lässt."
"So willst Du nicht?" rief Georgine schnell.
"Wer sagt Dir das?" fragte Kelly und heftete seinen blick fest und prüfend auf sie. – "Georgine," fuhr er nach kurzer Pause leise fort – "Du bist misstrauisch gegen mich geworden. – Es ist Jemand zwischen uns und unsere Liebe getreten."
"Richard! –" rief Georgine.
"Und wenn es nur ein S c h a t t e n wäre," fuhr der kapitän, ohne die Unterbrechung zu beachten, fort – "auch Du bist nicht mehr wie sonst – was sollte der Mestize neulich am Ufer? Ich begegnete ihm gerade, als er das Land betrat, und sandte ihn zurück – war er bestimmt, mich zu bewachen?"
"Und w e n n er es wäre?" rief Georgine stolz und heftig.
"Ich dachte es," lächelte der kapitän – "armes Kind – also traust Du wirklich Deinem Richard nicht mehr? Nun gut – der Gegenbeweis soll Dir werden. – Schicke den Knaben, wann Du willst, an's Land – er soll freien Ausund Eingang haben, und mag Dir sagen, wie er mich dort gesehen; bist Du damit zufrieden?"
"Und die Fremde?"
"Sander begleitet mich," sagte Kelly sinnend mit sich selber redend, "nun gut, sie mag bei Dir bleiben, bis Blackfoot zurückkehrt – dann aber widersetze Dich auch nicht länger einer Massregel, die nur zu Deinem wie zu unser Aller Besten gegeben ward. Zürnt Georgine nun noch ihrem Richard?"
"Du böser – lieber Mann –" rief das schöne Weib und