sein nasses Kleid – e r soll mich retten – retten aus der Hand des Teufels, der mich umschlossen hält, und e r – oh mein armes Hirn – wie es klopft und schlägt – wie es zuckt und brennt – ach! Dass Eduard fallen musste und nun sein Weib nicht rächen, nicht schützen kann vor den eigenen entsetzlichen Gedanken und Bildern."
Marie liess matt die arme sinken und neigte das Köpfchen auf die Brust herab, vor ihr aber stand das stolze schöne Weib, und eine Träne, ein seltener Gast, drängte sich ihr in das grosse schwarze Auge.
"Du sollst bei mir bleiben, Marie –" flüsterte sie dem armen kind leise zu – "sie sollen Dich nicht fort von mir reissen, – er d a r f es nicht," wiederholte sie dann leise und mir sich selber redend – "er d a r f mir die Bitte nicht versagen, und w e n n er's tut, wenn er wirklich schon alles das vergessen haben sollte, was er mir in früheren zeiten gelobt – gut – der Versuch sei wenigstens gemacht –"
"Ich will schlafen gehen," sagte die Unglückliche und strich sich die feuchten Locken aus der Stirn – "ich will schlafen gehen – mein Kopf schmerzt mich – meine Pulse schlagen fieberhaft – ich bin wohl krank – gute Nacht, Georgine."
Marie erhob sich und schritt der tür zu; Georgine aber, ob von plötzlichem Mitleid oder anderen Gefühlen bewegt, umfasste das arme Wesen, das sich kaum aufrecht erhalten konnte, und führte es durch eine in die linke Wand geschnittene und von einem prachtvollen Vorhang bedeckte Tür in ein kleines Gemach, das seiner Bauart nach schon in dem Waarenhause lag und nur durch eine dünne Brettwand von den grossen, hier zeitweilig aufgestellten Gütern getrennt wurde. Kaum hatte sich dort die arme auf ein Lager niedergelassen und mit weichen Decken gegen die kühle Nachtluft geschützt, als auch die Tür ihres Wohnzimmers sich öffnete und Kelly – den Hut in die hohe Stirn gedrückt – eintrat.
Georgine liess den Vorhang sinken und stand im nächsten Augenblick vor dem Gatten.
"Wo ist die Fremde?" war das erste Wort, das er sprach, und seine Augen durchflogen schnell den kleinen Raum.
"Ist das der ganze Gruss, den Richard heute Abend seiner Georgine bringt?" fragte diese halb scherzend, halb vorwurfsvoll – "suchen meines Richard Augen heute zum ersten Mal ein fremdes Wesen und fliehen den blick der Gattin?"
"Nein, Georgine," sagte Kelly, und die ernsten Züge milderten sich zu einem leichten Lächeln, "die Augen sind Deine Sclaven wie immer, die Frage galt nur der Fremden," und er streckte der Geliebten die Hand entgegen und zog sie leise an seine Brust. – "Guten Abend, meine Georgine," flüsterte er dann und drückte einen Kuss auf ihre Lippen – "aber – wo ist die fremde Frau – Du hast nicht recht getan, sie bei Dir aufzunehmen."
"Richard – lass mir das unglückliche geschöpf –" bat Georgine und schlang den weissen Arm um seinen Nacken – "lass sie mir hier – Du weisst, die Mädchen, die auf der Insel Hausen, sind nicht für mich – es ist rohes, wüstes Volk und sie hassen mich, weil ich nicht ihre wilden Freuden teile. Mariens ganzes Wesen verrät dagegen einen höhern Grad von Bildung, als man ihn sonst bei solch' einfachem Farmerskind vermuten sollte. Ich will sie bei mir behalten, vielleicht kann ich ihr in Etwas das wieder vergüten, was – Andere ihr genommen."
"liebes Kind," erwiderte Kelly und warf sich nachlässig auf die Ottomane – "das sind Geschäftssachen, und Du kennst unsere gesetz. So sehr ich das schöne Geschlecht ehre, so sehr muss ich doch auch dagegen protestiren, dass es sich da beteiligt, wo es an Hals und Kragen gehen könnte."
"Richard," sagte das schöne Weib und presste die kleinen Lippen fest zusammen – "Du tust mir n i e etwas zu Liebe – ich mag Dich bitten, um was ich will – Du hast eine Ausrede – nicht einmal nach Helena willst Du mich führen."
"Ich habe Dir schon gesagt, dass ich mich dort selbst nicht blicken lassen darf –" lächelte der Führer.
"Gut – so gestatte mir wenigstens die Gesellschaft eines einzigen menschlichen Wesens, das ich – ohne Abscheu ansehen darf."
"Eine grosse Schmeichelei für mich."
"Du bist unausstehlich heute."
"Du bist ärgerlich, Georgine," sagte der kapitän freundlicher als vorher, "aber sei vernünftig. Die Fremde k a n n nicht hier bleiben, wo ihr Sander gar nicht auszuweichen vermöchte."
"Also e r war jener Bube –"
"Ruhig – Du wirst vorsichtiger und milder in Deinen Ausdrücken werden, wenn Du erfährst, dass gerade e r es ist, der die Ausführung unserer Pläne beschleunigt. – Das zuletzt eingebrachte Boot entielt ein so bedeutendes Capital in baarem Geld – in Gold und Silber – dass ich jetzt entschlossen bin, Deinen bisherigen Bitten nachzugeben. Ich sehe ein, unsere Lage hier muss mit jedem Tage gefährlicher werden. Das geheimnis ist kaum noch ein geheimnis, und mir selbst scheint es rätselhaft, wie es so lange verborgen bleiben konnte. Wir wollen nach Houston und von da in das Innere von Mexiko – halte Dich also zu einem schnellen Aufbruche bereit