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und danndann vergingen mir die Sinne. – grosser, allmächtiger Gottich m u ss wahnsinnig sein, denn wäre d a s – d a s Wahrheit, was mir nachher ein fürchterlicher Traum vorgespiegeltmein armes Hirn hätte es ja nicht ertragen, mein Herz wäre gebrochen in all' der Angst, in all' der Schmach und Schande." – Sie barg das lockige Haupt in den weichen Kissen, und ihr ganzer Körper zitterte von innerer Pein und Aufregung.

Georgine richtete sich halb in Ungeduld von ihrem Lager empor.

"Komm," sagte sie und hob leise den Kopf des schönen Kindes – "komm, Marieerzähle mir Alles, was Dir begegnet, bis jetzt habe ich nur, und selbst dies erst nach vielem fragen, Deinen Namen erfahren. – Seit ich Dich aus den Händen jenes rohen Gesellen befreite, hast Du fast nichts getan als geweint. Ich interessire mich für Dich, willst Du aber, dass ich Dir weiter helfen soll, so sei auch aufrichtig. Wie kamst Du inin ihre Gewalt?"

"So soll ich denn all' den noch frischen blutenden Schmerz erneuen? Soll die Wunde stacheln, die noch nicht zu brennen aufgehört?" sagte mit leiser, fast tonloser stimme die Unglückliche – "doch es seiDu schütztest mich vor der rohen Faust jenes BubenDu sollst in wenigen Worten Alles hören, was mich betrifft."

"Noch weiss ich nicht, wo ich bin," flüsterte sie nach kurzer Pause, während ihre Blicke wirr und staunend ihre Umgebung überflogen – "noch ist es mir fast, als ob ein Zauber mich gefangen, ein fürchterlicher Traum mich umnachtet haltedoch ich fühle, wie ich lebe und wacheich sehe das dämmernde Licht jener Lampeich kann den warmen Atem Deines Mundes an meiner Wange fühlenich bin erwachtdas Erwachen selbst nur war grässlich. Sich aber auch im vollen Besitze jedes Glücks zu wissen, das uns diese Erde nur zu bieten vermag, und dann auf einmalmit der Schnelle des vernichtenden StrahlsAlles, Alles zu verlierendas tut wehdas frisst sich tief in's Herz hinein. Doch Du wirst ungeduldig, oh, Du kannst die kurze Zeit nicht erwarten, die ich gebrauche, Dir meine Leiden zu erzählen, und ichich soll sie ein ganzes Leben lang mit mir fortschleppen bis zum grab. – Aber Du hast Rechtich bin nur ein töricht unwissend Kindklage nur über m e i n Elend und denke nicht daran, dass e r – e r , für den ich ja nur leben und lieben wollte, meinetwegen starb."

"Es sind jetzt wohl sechs Monate, dass er zuerst meines Vaters Haus betratsoll ich Dir sagen, wie wir uns kennen und lieben lernten? NeinDu würdest mich nicht verstehenDein eigener blick schaut so ernst und stolz auf mich niederDu würdest meiner vielleicht gar spotten. – Genugwir liebten unser schloss sein ganzes treues Herz mir auf und hatte das meine gewonnen, ehe ich nur selbst es ahnte, dass er darum warb. Auch die Eltern achteten ihnoh, er war so gut, so edelso frommsie segneten unsere Verbindungich wurde sein Weib. Indessen hatte er meinem Vater von dem schönen und herrlichen Süden erzählt, von dem Plantagenleben in Louisianasie fuhren Beide hinab, das Land zu sehen und zu prüfen, und Eduard erstand am Atchafalaya die Pflanzung eines alten Creolen, der gesonnen war, den Abend seines Lebens in Philadelphia bei Kindern und Verwandten zuzubringen. Vor wenigen Wochen kehrten die Männer zurückunsere Farm wurde verkauft, ja selbst unsere zahlreichen Heerden machte mein Vater zu baarem Gelde, und auf einem selbst erbauten Flatboot, wozu ihn Eduard eigentlich beredet, schifften wir all' unser übriges Eigentum ein, mit der Strömung des Mississippi unserer neuen, schönen Heimat zuzuschwimmen. Mein Vater wollte einen Mann annehmen, der unser Boot den Fluss hinabsteuern sollte, Eduard bestand aber darauf, das selbst zu tuner war, wie er sagte, mit jeder Sandbank, mit jedem Snag bekannt, und glücklich führte er uns auch den Wabasch und Ohio hinab und immer weiter den Mississippi nieder. Hier aber mochte ihn das tiefer und gefahrloser werdende wasser zu unvorsichtig machenvorgestern Abend, gerade über einer Insellief unser Fahrzeug auf den Sand, und hiergrosser, allmächtiger Gottich würde wahnsinnig, wenn ich das Alles noch einmal überdenken sollte!"

"Und Eduard?" fragte die Frau, während sie von ihrem Lager aufsprang und unruhig im Zimmer aufund abschritt – "Dein VaterDeine Mutter?"

"totAlle tot!" – seufzte die Unglückliche.

"Und Du?"

"ErbarmenErbarmendringe nicht weiter in michlass mir die Nacht, die meine Sinne noch umschlossen hältlass mir jene tollen blutigen Schatten, die mir wild und fieberisch das Blut durchrasen und in ihren sinnverwirrenden Kreisen die Erinnerung ertödtenlass sie mir, und wären sie die Boten des Wahnsinnslieber solieber totals zu denken, dasshahahada vorn ist er wieder, der tückische Kopf, der meinem Eduard gleicht. – Da taucht er wieder empor aus der Flut, und ichich strecke die hände nach ihm aus, ich ergreife