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Sir? Brauchen mich morgen früh notwendig – o ja wohl, Sir, soll wohl wieder einem armen unglücklichen Mädchenunglücklichen Mädchen den Kopf verdrehen und das Herz brechen? Ah! Schöne Beschäftigung das! Ausserordentliche schöne Beschäftigung, aber damn meich wünschte der Dame erst vorgestellt zu werden, Gentlemen. Es gibt Momente, Gentlemen –"

"kommt, Sander!" sagte Blackfoot und nahm ihn ohne weitere Umstände beim Arm – "wir sind Beide müde und wollen zu Bette gehenDonnerwetter, Mann, bedenkt, dass Ihr sonst morgen verschlafene und trübe Augen habt, und bei den D a m e n leicht Verdacht erregen könntet, Ihrhättet g e s c h w ä r m t ."

"Ahcertainement, mom cher Black f u t t – certainement" – lallte der junge Stutzer – "en avant dennzu Bett wirwir Herzensbezwinger wirGott Amor soll leben, Black f u t t – Gott Amor soll leben und jedes schöne Gesichtjede Engelsphysiognomie; aberDu nimmst mir das nicht übel, Blackfoot, wie? – à bas mit allen solchen Teufelsfratzen, wie Ihr Zwei, Du und Peter, zwischen Euren beiden Ohren herumtragt – à bas sag' ichmöchte nicht aus solchem Angesicht herausgucken, und wenn die Haut Millionen zu verzehren hättemöchte bei Gott nicht."

"Schon gut," knurrte Blackfoot, und ein boshaftes lachen zuckte um seine Lippen – "es können nicht Alle solche – L i e b c h e n sein wie Ihr. – Aber kommtich bin müdewir wollen uns hinlegenvielleicht gibt's morgen früh wieder Arbeit." Und ohne weiter eine Antwort des immer noch mit sich selbst Redenden und Gesticulirenden abzuwarten, zog er dessen Arm fest in den seinigen und schritt der eigenen Schlafstelle zu. Er wollte den trunkenen Kameraden erst, durch seine eigene Gesellschaft beruhigt, eingeschlafen wissen, damit dieser nicht auf's Neue dem Becher zuspräche und für morgen ganz untauglich würde.

Fussnoten

1 Memphis, eine der Hauptstädte in Tennessee, an der Mündung des Wolfriver, hundertunddrei englische Meilen oberhalb Nr. "Einundsechzig" – Napoleon, ein kleines Städtchen an der Mündung des Arkansas, siebenundsechzig Meilen unter der Insel.

7.

Georgine.

Ein kleines, wunderliches Gemach ist es, in das ich jetzt den Leser einzuführen wünsche.

Hätte ein Mann in diesem raum nach langem unruhigen Fieberschlaf zuerst die Augen geöffnet und hier vor den erstaunten Blicken eine Menge von Sachen gesehen, wie sie ihm seine Träume nicht abenteuerlicher gebracht, er würde sich von eben solchem Traume noch fort geäfft, und alles das, was ihn umgab, für neues, noch tolleres Blendwerk als das frühere gehalten haben. Unter keiner Bedingung hätte er sich aber an d e r Stelle geglaubt, an der er sich wirklich befand: auf einer kleinen weidenumwachsenen Insel, mitten im Mississippi. – Und es war auch wirklich ein wunderlicher Platz.

Alle Zonen, alle Künste schienen sich hier vereinigt zu haben, einen Raum zu schmücken, den sie mit dem zehnten teil der Sachen, die er entielt, in ein Prachtzimmer verwandelt hätten, der aber so, durch Schmuck und Zierrat überladen, eher dem Waarenlager einer der grösseren östlichen Städte, als dem stillen Aufentaltsort häuslicher Zurückgezogenheit glich.

drei Seiten des Zimmers waren von einer prachtStellen liessen sich die glühenden Farben ihrer silberund azurdurchwirkten Arabesken erkennen; mächtige Spiegel, prachtvolle Oelgemälde, Bronze- und Elfenbein-Figuren, schwere silberne Leuchter und kostbare Waffen bedeckten fast ihre ganze Fläche. Ebenso eigentümlich, ebenso mit Zierraten überladen zeigte sich die vierte, rechte Wand, die, nach alledem, was man von ihr sehen konnte, in dem Geschmacke einer Schiffskajüte hergerichtet sein musste; die kleinen viereckigen, mit Messingplatten eingefassten Fenster, mit schmalen Mahagonistreifen dazwischen, verrieten wenigstens etwas Derartiges. – Allerlei indianische Kostbarkeiten, wie Waffenschmuck und Kleidungsstücke, verboten jedoch auch hier jedes weitere Forschen. Breitfaltige Tropengewächse streckten dabei ihre saftigen Kronen bis zur Decke hinan und überschatteten die Fenster, während das blasse Licht einer unter der reich verzierten Decke angebrachten Ampel seinen dämmernden Schein über den kleinen Raum warf.

Es war ein Reichtum der Ausstattung, der nicht wohltat, eine Ueberladung von Schmuck und Pracht, die das Auge, das vergebens einen Ruhepunkt suchte, eher beleidigte als erfreute.

Mitten in all' dieser Herrlichkeit nun lag ein junges Weib in weissen, losen Gewändern, die vollen, schöngeformten Glieder auf den üppigen Divan gestreckt, der, in wirklich morgenländischer Pracht und mit weichen schwellenden Kissen bedeckt, von Wand zu Wand lief. Vor ihr aber, auf einem niedern Tabouret, kauerte eine andere Gestalt, die ihr Antlitz in den Händen barg und in tiefem entsetzlichen Schmerz fast aufgelöst schien.

"Er wird wiederkommen, Kind," tröstete sie die Frau und legte die feingeformte weisse Hand leicht auf den Scheitel der Weinenden, "er wird wiederkommen, beruhige Dich nur, Du liebes, wunderliches Kind. – Sieh, vielleicht sucht er Dich, selbst in diesem Augenblicke, allentalben, und das Echo gibt ihm leider vergebens Deinen liebenängstlich gerufenen Namen zurück."

"wiederkommen?" rief zitternd das junge Mädchen und hob das tränenvolle Angesicht zu der Beschützerin empor – "wiederkommen? Nienietief unten im Strome liegt ervon tückischer Kugel getroffenich sah ihn stürzenich hörte den Fall in's wasser,