der eine Ladung nördlicher Producte nach New-Orleans führte, diese hier verkaufte, Fracht für Havanna einnahm und dann eine Zeit lang die südlichen Küsten Amerikas befuhr, bis ihn in Brasilien, wie Tom schon vorher erwähnt, sein böses Geschick ereilte.
Wenn nun auch erst seit Kurzem von seinen Kreuzund Querzügen zurückgekehrt, schien ihm die Heimat doch wenig zu bieten, was ihn fesseln konnte. Er war wenigstens gern und gleich bereit, den alten Edgewort wieder auf seiner Fahrt stromab zu begleiten, und bewies eine so gänzliche Gleichgültigkeit gegen alles das, was seinen künftigen Lebenszweck betraf, dass Edgewort oft den Kopf schüttelte und meinte, es sei hohe Zeit für ihn gewesen, zurückzukommen und ein ehrbarer ordentlicher Farmer zu werdender wäre sonst auf der See und zwischen all' den sorglos in's Leben hineintaumelnden Kameraden ganz und gar verwildert und verwahrlost.
Um nun aber die Einförmigkeit einer Flatbootfahrt wenigstens in etwas zu beleben, waren sie hier, wo der Fluss einen bedeutenden Bogen machte, mit ihren Büchsen an's Land gesprungen und hatten auch schon, vom Glück begünstigt, ein vortreffliches Stück wild erlegt. Das Boot, gezwungen, sich nach den Krümmungen des Flusses zu richten, verfolgte indessen unter der Aufsicht von fünf kräftigen Hosiers1 seine langsame Bahn und trieb mit der Strömung zu Tal.
"So lass ich mir's im wald gefallen," sagte endlich Tom nach langer Pause, indem er sich auf sein Lager zurückwarf und zu den von der darunter lodernden Glut beleuchteten Zweigen emporschaute. "So kann man's aushalten – Bärenrippen und trockenes Wetter – etwas Honig fehlt noch: solch junges Fleisch schmeckt aber auch ohne Honig delicat. Blitz und Tod! Manchmal, wenn ich so auf Deck lag, wie jetzt hier unter den herrlichen Bäumen, zu eben den Sternen in die Höhe schaute und dann das Heimweh bekam – Edgewort, ich sage Euch, das – Ihr habt wohl nie das Heimweh gehabt?"
"Das Heimweh? nein," erwiderte der alte Mann seufzend, während er seine Büchse mit frischem Zündpulver versah und diese, das Schloss mit dem Halstuch bedeckend, neben sich legte, "das nicht, aber anderes Weh gerade genug. – Sprechen wir nicht davon, ich möchte mir den Abend nicht gern verderben. Ihr wolltet mir ja erzählen, was in Brasilien mit Dickson, oder wie er sonst hiess, geschah." –
"Nun, wenn das dazu dienen soll, Euch aufzuheitern," brummte Tom, "so habt Ihr einen wunderlichen Geschmack. Aber so ist es mit uns Menschen, wir hören lieber Trauriges von Anderen, als Lustiges von uns selbst. Doch, meine geschichte ist kurz genug."
"Wir waren in die Mündung eines kleinen Flusses, San Jose, eingelaufen und gedachten dort, unsere Ladung von Whisky, Mehl, Zwiebeln und Zinnwaren – mit welchen letzteren wir einen besonders guten Handel zu machen erwarteten – an die Eingeborenen und Pflanzer zu verkaufen. Eine bezeichnete Plantage hatten wir aber an dem Abend nicht mehr erreichen können, befestigten unser kleines Fahrzeug deshalb mit einem guten Kabeltau an einem jungen Palmbaum, der nicht weit vom Ufer stand, kochten unsere einfache Mahlzeit, spannten die Mosquitonetze auf und legten uns schlafen.
Eine Wache auszustellen oder sonstige Vorsichtsmassregeln zu treffen, fiel Niemandem ein; nur hatten wir den Schooner etwas lang gehangen, damit er neben einen im wasser festliegenden Stamm kam und nicht dicht an's Ufer konnte. Sonst träumten wir von keiner Gefahr und hielten auch wirklich die Gegend für ganz sicher und gefahrlos. –
Ich weiss nicht, wie spät es in der Nacht gewesen sein kann, als Dickson, der dicht neben mir lag, mich in die Seite stiess und fragte, ob ich nichts höre.
Halb im Schlafe noch mocht' ich ihm wohl etwas mürrisch geantwortet haben, zum Teufel zu gehen und andere Leute in Ruhe zu lassen, auch wahrscheinlich wieder eingeschlafen sein, da fühlte ich, wie er mich bald darauf zum zweiten Mal, und zwar diesmal ziemlich derb, an der Schulter fasste und leise flüsterte: 'Munter, Tom! munter! Es ist nicht richtig am Ufer.' 'Hallo,' rief ich und fuhr in die Höhe; denn jetzt kam mir zum ersten Mal der Gedanke an die roten Teufel, die ja doch auch dort vielleicht eben solche Liebhabereien haben konnten, wie das wilde Volk bei uns. So sassen wir denn neben einander, Jeder unter seinem langen dünnen Fliegennetz, und horchten, ob wir irgend etwas Verdächtiges hören konnten. Da rief Dickson auf einmal: 'Hierher, Leute – da sind sie – die Schufte!' und sprang in die Höhe, während ich schnell nach meinem Messer griff und das verdammte Ding in aller Eile nicht finden konnte. Dickson aber musste sich mit den Füssen in dem dünnen Gazestoff, aus dem das Netz bestand, verwickelt haben. Ich hörte einen Fall auf das Deck und sah, als ich mich schnell danach umwandte, zwei dunkle Gestalten, die wie Schatten über den Rand des Bootes glitten und sich auf ihn warfen.
In dem Augenblick trat ich auf eine Handspeiche, die wir am vorigen Abend gebraucht hatten, und das war die einzige Waffe, die hier von Nutzen sein konnte. Mit Blitzesschnelle riss ich sie in die Höhe, rief den Anderen zu – wir hatten noch drei Matrosen und einen Jungen an Bord –, das Tau zu kappen, und schmetterte mit dem schweren Holz auf die Köpfe