und die vier Bootsleute hoben gleichzeitig ihre Ruder hoch aus dem wasser, dass die glänzenden, daran hängenden Tropfen bis zu dem Bootsrand zurückliefen und hier die Ruderlöcher nässten. Es war der Steuermann, der den Befehl gegeben, und zugleich ein alter Bekannter von uns, der Narbige, der in Helena dem armen Iren bald so gefährlich geworden wäre. Auch die neun Männer an Bord – vier an den Rudern und fünf behaglich zwischen diesen ausgestreckt, bildeten die Mehrzahl Derer, die an dem Uferkampf gegen den Einzelnen einen so ungerechten Anteil genommen hatten.
Das Boot, nicht mehr so schnell durch die Flut getrieben, blieb doch noch hinlänglich im gang, um von dem Steuer, und zwar stromab regiert zu werden.
"Ich wäre lieber noch ein wenig weiter hinübergefahren," sagte der Eine jetzt, während er den Kopf hob und nach dem noch ziemlich fernen Land hinüberschaute.
"Und wozu?" fragte der mit der Narbe – "erstlich liefen wir Gefahr, auf den Sand zu rennen, und dann möchten sie auch oben in dem haus auf uns aufmerksam werden, und das ist Beides nicht nötig."
"Lassen wir die runde Weideninsel links oder rechts liegen?"
"Links."
"Da ist ja auch wohl das tiefste wasser?"
"Deshalb nicht, unser kleines Känguru würde schon über die flachen Stellen fortspringen. So arg ist's übrigens auch gar, auch wir haben an beiden Seiten der Insel bei jetzigem Wasserstand und an den seichtesten Stellen sechs Fuss und brauchen höchstens andertalb."
"Nun, mir recht – ich weiss mit dem Fluss nicht Bescheid, aber – wie lange fahren wir denn wohl bis hinunter?"
"Es mögen etwa vierzehn Meilen von Helena sein," meinte der Narbige. "Eine Meile weiter unten fangen wir wieder an zu rudern, gehen über den Fluss zurück und müssen den Landungsplatz in höchstens andertalb Stunden erreichen, vielleicht noch eher. Jetzt seid aber ruhig; hier am Ufer stehen einige Häuser, und je weniger Geräusch wir machen, desto besser ist's."
Das scharfgebaute Fahrzeug trieb noch eine ziemliche Strecke geräuschlos stromab, dann aber liessen, auf ein Zeichen des Führers, die Männer die bis dahin noch immer emporgehaltenen Ruder wieder in's wasser, der Bug kehrte sich wieder dem westlichen Ufer zu, und hin über die Flut schoss nun das Känguru, dass die kleinen Kräuselwellen vorn hoch emporspritzten und dann in langen wogenden Kreisen seitab strömten.
Die einzelnen Lichter am Ufer blieben weit, weit zurück. Jetzt näherte sich das Boot, der stärkern Strömung treu bleibend, mehr und mehr dem Ufer, ja glitt so nahe an dem düstern Urwald hin, dass die funkelnden Glühwürmer sichtbar wurden und der klagende Ton der Nachtvögel zu ihnen herüberschallte.
Hier lag eine Ansiedelung, und diese jetzt so geräuschlos als möglich zu passiren, waren die Ruder umwickelt worden – kein laut wurde gesprochen, und so dicht am land glitt das Boot vorüber, dass sie oft die Wipfel der durch Abbrechen des Ufers hineingestürzten Stämme berühren konnten. Da blieb eins der Ruder in einem vorragenden Aste hängen und fiel dem, der es hielt, aus der vergebens rasch danach greifenden Hand. Der Steuermann drückte jedoch das Hinterteil des Bootes schnell dem forttreibenden Holze zu und ergriff es eben noch zur rechten Zeit, konnte jedoch nicht verhindern, dass ein paar der Ruder gegen Bord schlugen und dadurch auf dem stillen wasser ein allerdings nicht unbedeutendes Geräusch verursachten.
Sie befanden sich jetzt gerade unterhalb des einen Hauses. Die Hunde schlugen dort an und liefen dem steilen Uferrand zu, von dem aus sie das vorbeischlüpfende Boot deutlich erkennen konnten.
"Hallo te boat!" rief eine laute stimme, die aus der kleinen Lichtung heraustönte. Gleich darauf sprang ein Mann in Hemdsärmeln auf einen halb über die steile Uferbank hinausragenden Sykomorestamm und schwenkte, zum Zeichen, dass er mit den Vorbeirudernden reden wolle, ein helles Tuch.
Dass sie gesehen waren, liess sich nicht mehr verkennen, der Steuermann gab auch ohne Zeitverlust und mit ruhiger stimme sein
"Was soll's?"
– zurück und liess dabei den Bug herumschneiden, dass er gegen die Strömung kam. Dabei rief er dem im Vorderteil Sitzenden zu, irgend einen Ast zu erfassen und da fest zu halten, bis er mit dem mann gesprochen hätte.
"Aber zum Teufel, Ned," flüsterte ihm der vor ihm Sitzende ängstlich zu – "bist Du denn gescheidt? Du willst es Denen am land wohl ganz in's Maul –"
"Stille, sag' ich," unterbrach ihn der Steuermann, "lasst mich nur machen. – Wir dürfen keinen Verdacht erregen."
"Wohin geht das Boot?" rief abermals die stimme vom Ufer aus.
"Stromab, bis Montgomerys Point."
"Noch Platz an Bord?"
Der Steuermann zögerte mit der Antwort – "Was zum Teufel mögen sie wollen?" – flüsterte er vor sich hin.
"Noch Platz an Bord für einen Passagier?" wiederholte der Erste.
"Alle Wetter – da gibt's 'was zu angeln," kicherte der eine der Ruderer – "sag' j a , Ned – um Gottes willen sag' ja; der Mann hat sicherlich einen vortrefflichen Koffer, den er los sein möchte."
"N e i n !" rief der Steuermann, ohne die Einflüsterungen weiter einer Sitte zu würdigen – "wir haben schon zu viel hier – wenn