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aus. – Wer ist denn krank?"

"Der Deutsche, der sich erst vor Kurzem dort angesiedelt hat," sagte der Richter – "Brander heisst er, glaube' ich."

"Ahakaltes Fieber wahrscheinlichnun, das ist nicht so gefährlich. Doch ich höre das Pferd unten kommen; also, Ladies, ich werde mich jetzt ebenfalls empfehlen. Mr. Lively, gehen Sie auch mit, oder bleiben Sie noch bei den Damen?"

"Nein, bewahre" – sagte James schnell, und erschrak doch auch gleich darauf wieder über die Ungezogenheit – "Ichich wollte nur sagen, dass ich auch nach haus muss, es wird sonst zu spät. – Reiten wir e i n e n Weg, Mr. Dayton?"

"Schwerlich," erwiderte dieser, während er den linken Sporn anschnallte – "ich reite den Fusspfad, der nach Bailys hinüberführt. Es ist etwas näher."

"Da müssen Sie aber durch den Sumpf unten," sagte James. "Das ist ein Weg, wo man jetzt kaum am hellen Tage durchkommt."

"Hat nichts zu sagen," lächelte der Squire, "ich kenne da jeden Zoll Landes und habe mir erst neulich das überhängende Rohr ein bischen aus der Bahn gehauen. Also gute Nacht, Kinder, gute Nacht. Morgen früh, hoff' ich, trinken wir wieder zusammen Kaffee, und dann kann ich mich nachher recht ordentlich ausruhen."

"Ladies," sagte Lively und machte, ohne Adele dabei auch nur von der Seite anzusehen, eine tiefe Verbeugung vor Mrs. Dayton – "darf ich also den Eltern sagen, dass Siemorgen kommen werden?"

"D a s und noch viele, viele Grüsse an die Mutter," erwiderte Mrs. Dayton freundlich und reichte dem jungen Mann die Hand. Dieser drückte sie herzlich, liess sie aber in aller Verlegenheit auch gar nicht wieder los, da er im Geist jetzt ebenfalls eine Anrede an Miss Adele vorbereitete. Mrs. Dayton mochte jedoch eine Ahnung von dem haben, was James' Seele vorging, denn sie sagte lächelnd:

"Und darf ich also Adele auch mitbringen?"

James drückte ihr die Hand, dass sie hätte aufschrei

en mögen, fuhr dann aber schnell zurück und sagte, rot wie Blut:

"Miss Adele wird sich freilich draussen gewaltig

langweilen."

"Dann soll ich vielleicht hier bei Mrs. Breidelford

bleiben?" fragte das schelmische Ding.

"Miss –" stotterte James.

"Nun wird's, Lively?" rief Smart schon von der

Haustür aus – "Euer Pferd steht auch mit hier."

"Wir kommen also B e i d e , Mr. Lively – b e

s t i m m t " – lächelte Mrs. Dayton, und James, dem Nancy indess seinen lange gesuchten Hut gebracht hatte, sprang mit einem fröhlichen: "Gute Nacht zusammen!" die Treppe hinab und unten mit einem Satze in den spanischen Sattel des muntern Ponys, das ihn dort freudig wiehernd begrüsste.

Wenige Secunden später sprengten Dayton und Li

vely auf zwei verschiedenen Wegen fort. Smart aber drückte den Hut fest auf die Stirn, schob beide hände tief, tief in seine Beinkleidertaschen und schritt dann, höchst selbstzufrieden vor sich hinpfeifend, die Strasse hinab. Indessen ging er nicht gleich dem eigenen haus zu, denn die Ruhe der Stadt verbürgte ihm dessen Sicherheitsondern erst einmal nach der Flatbootlandung des Flusses, wo etwa zwölf oder dreizehn jener langen unbehülflichen Fahrzeuge angebunden lagen. Die Boote hingen nur an Tauen fest, breite Planken lagen aber vom land aus hinüber und vermittelten die Verbindung mit diesem. Dienten doch diese Boote auch als schwimmende Kaufläden, von denen die Bewohner der südlichen Staaten die Producte des Nordens zugeführt bekamen.

5.

Die nächtliche Fahrt. – Die Insel.

Der Mond schien hell und freundlich auf die rasch dahin strömende, undurchsichtige Flut herab, während nur dann und wann einzelne dünne Wolken die helle Scheibe für kurze Momente verdüsterten und ihre Schatten über die weite Niederung deckten. Leise gurgelte dabei das wasser unter den gewichtigen Booten, und die Strömung warf schmutziggelbe Schaumblasen gegen die Planken derselben an. Hier und da trieb ein von dem tückischen Nachbar seinem sichern, Jahrhunderte lang behaupteten Platz entrissener Baumstamm vorüber und streckte die langen Riesenarme wie hülfe suchend nach den ruhig neben ihm fortrauschenden Brüdern aus, und der Schrei des Loon gab manchmal, oft wie spottend, den rohen Jubelruf der Zechenden zurück, der noch immer aus einem der im inneren hell erleuchteten Boote und einem weiter oben gelegenen Trinkhaus erschallte. Oft sprang auch ein gewaltiger Catfisch aus seinem kühlen Element empor, und die glatte, silberfarbene Haut blitzte dann im Mondenlicht. – Sonst aber lag Ruhestille, unheimliche Ruhe auf der breiten Fläche des Stromes und stach nur um so schauriger Gesellen ab.

Smart schritt langsam am Ufer hin und hatte eben den hoch abgebrochenen Stamm einer jungen Sykomore erreicht, der hier von den Flussleuten benutzt wurde, die Bootstaue daran zu befestigen, als sich ihm die Gestalt eines andern Mannes näherte, den er augenblicklich als den vor wenigen Stunden geretteten Iren erkannte. Langsam kam dieser ihm gerade entgegen am Ufer heraufgeschleudert und schien dann und wann einmal die Boote mit einem misstrauischen Blicke zu betrachten.

"Ei, ei, O'Toole," rief da warnend der Yankee – "juckt Euch das Fell schon wieder und tragt