er mir, noch eine Stunde vor seinem tod – ich sehe das liebe Herz noch mit seinem bleichen, eingefallenen Antlitz und den blauen Lippen vor mir liegen – Vieles gesagt und mich gewarnt, denn, Louise, sagte er –"
"Ich hoffe doch, dass jetzt Jemand bei Ihenn zu haus ist?" fiel hier Mr. Smart schnell und, wie es schien, mit besonderer Teilnahme in die Rede.
"Bei mir?" rief, von dem Ton und der Frage erschreckt, Mrs. Breidelford, während sie schnell von ihrem Sitz emporfuhr – "bei mir, Mr. Smart? Keine Seele ist zu haus, denn den Deutschen, den ich bis jetzt für die grobe Arbeit bei mir hatte, musste ich heute fortjagen, weil er einen Ton gegen mich – aber um Gottes willen, Sir – Sie machen ja ein solches bedenkliches Gesicht. – Es ist doch nichts bei mir vorge – Mr. Smart, ich beschwöre Sie, bei Ihrer männlichen Ehre –"
James Lively und Squire Dayton mussten ihre Stühle rasch zurückschieben, denn Mrs. Breidelford kam mit solcher Allgewalt hinter dem Teetische vorgefahren, dass sie ihr kaum aus dem Wege rücken konnten – Mr. Smart blieb jedoch ganz ruhig und sagte:
"Aengstigen Sie sich doch nicht nutzlos, Madame – das, was ich gesehen habe, hat ja vielleicht –"
"Was um aller lieben Engel im Himmel willen
h a b e n Sie denn gesehen?" rief Mrs. Breidelford, die übrige Gesellschaft kaum mehr beachtend, in Todesangst.
"– gar nicht so viel zu bedeuten, als Sie gegenwär
tig zu glauben scheinen," fuhr Smart in seiner Rede fort. –
"Herr – Mensch – Sie bringen mich noch zur Ver
zweiflung!" schrie Mrs. Breidelford mehr als sie rief ergriff mit der Linken ihr Bonnet, das sie sich in Missachtung jeder Façon und Mode auf den Kopf stülpte, wahrend sie mit der Rechten einen Knopf von Mr. Smart's blauem Frack zu erhaschen suchte. Diesem Angriff begegnete er jedoch dadurch, dass er ihre nach ihm ausgestreckte Hand erfasste und herzlich schüttelte.
"W a s haben Sie gesehen? So sprechen Sie doch
nur in des Teu – in des lieben himmels Namen!"
"eigentlich gar nichts von Bedeutung," erwiderte
Smart, noch immer die einmal gefasste Rechte der sonderbarer Weise so in Eifer geratenen Frau nicht loslassend. – "Als ich vor etwa einer Viertelstunde an Ihrem haus vorbeiging stand Jemand am hintersten Fensterladen und klopfte dort an. Wie wir uns nun so manchmal, wenn wir weiter nichts, tun haben –"
"Und was machte der Mann weiter?" fragte Mrs.
Breidelford ungeduldig.
"– um allerlei Sachen bekümmern, die uns sonst wenig interessiren würden, so blieb ich einen Augenblick stehen und sah, was dieser Jemand – von dem ich übrigens keineswegs gesagt habe, dass es ein Mann gewesen – im Gegenteil war es eine Frau – denn eigentlich wollte."
"Eine Frau?" rief Mrs. Breidelford erstaunt.
"Der Laden blieb verschlossen," erzählte der Yankee weiter, "und die Dame ging jetzt um das Haus herum – wobei ich mir ebenfalls die Freiheit nahm, ihr zu folgen – und probirte dort, an der Tür angelangt, nachdem sie auch hier wieder einige Male angeklopft – zwei verschiedene Schlüssel."
"Ei, die Canaille!" rief Mrs. Breidelford in höchster Entrüstung – "und schloss sie auf?"
"Es tut mir wirklich leid, Ihnen das nicht genau sagen zu können, Madame. – Ich sah in diesem Augenblick nach meiner Uhr und fand, dass ich schon eine halbe Stunde später hierher kommen würde, als ich dem Squire versprochen hatte, verliess also die Dame bei ihrer, wie ich jetzt allerdings hoffen will, vergeblich gewesenen Bemühung."
"Und Sie haben sie nicht gefasst und den Gerichten übergeben?" rief Mrs. Breidelford in unbeschreiblicher Entrüstung, während sie in wilder Eile ihren Mantel umwarf, ihre grosse Arbeitstasche ergriff und überall im Zimmer noch nach einem andern gegenstand umher suchte – "Sie haben nicht nach hülfe gerufen und die Diebin zu Boden geschlagen, die in friedlicher Leute Häuser bei Nacht und Nebel einbrechen wollte? – Sie haben –"
"Aber, beste Mrs. Breidelford," fragte Adele besorgt, "was suchen Sie denn noch – kann ich Ihnen nicht helfen?"
"Nein – mein Bonnet, beste Miss – mein Bonnet," sagte die Dame, während ihre Säcke von einem Ende des Zimmers zum andern flogen.
"Ist auf Ihrem kopf – werteste Madame," sagte mit freundlicher Verbeugung der Yankee.
"Gute Nacht, Mrs. Dayton, gute Nacht, Mr. Lively – ach! Squire, wenn Sie mir die Liebe erzeigen wollten, mit mir zu gehen" – rief jetzt Mrs. Breidelford – "Sie sind doch hier Friedensrichter, und wenn wirklich Diebe und Mörder –"
Der Richter machte eine Bewegung, als ob er der Bitte Folge leisten wollte, Smart schüttelte aber hinter Mrs. Breidelford's rücken so angelegentlichst und mit so komischem Ernste den Kopf, dass er, wenn das wirklich seine Absicht gewesen wäre, sie aufgab und nur, die Dame zu beruhigen, sagte:
"Recht gern würde ich mit Ihnen gehen, beste Madame, ich habe aber mit Herrn Lively noch ein wichtiges Geschäft, und zwar gleich jetzt, abzumachen, das