hingerückten Stuhl nieder.
"Well, Ladies und Gentlemen, freut mich ungemein, Sie Alle wohl zu sehen," sagte er dabei – "danke, Miss, danke – ich trinke keine Milch, lieber ein bischen Rum in den Tee."
Miss Adele hatte ihm die Tasse überreicht, und es war hierdurch, da sich die letzten Worte des Gesprächs gerade auf den Eingetretenen bezogen hatten, eine kleine Pause entstanden. Smart bemerkte das übrigens und wandte sich an Mrs. Dayton:
"Bitte, Madame, es sollte mir leid tun, wenn ich hier in etwas Ihre Unterhaltung unterbrochen oder gestört hätte – ich komme auch allerdings etwas spät, aber Squire Dayton –"
"Ganz und gar nicht, Mr. Smart – ganz und gar nicht," fiel ihm hier Mrs. Breidelford schnell in die Rede – "ich sprach nur eben von – ach, Du lieber Gott, von was sprach ich denn gleich – ja, mein unglückseliges Gedächtniss, Mr. Smart, mein unglückseliges Gedächtniss – schon mein lieber seliger Mann sagte immer – Louise, sagte er – Du hast Deinen Kopf in Deiner Jugend zu sehr angestrengt, Du hast zu viel gerechnet und gesorgt – ein allzu straff angezogener Bogen muss am Elche erschlaffen. – Das waren seine eigenen Worte, Mr. Smart. Ach. Breidelford, sagte ich dann, Du hast Recht – ich weiss es, ich kenne meine Schwäche, aber das Gedächtniss ist eine Gabe von Gott, und wem der es wieder nimmt, der darf sich nicht beklagen. Das wäre schlecht, Breidelford, sagte ich –"
"– lud mich so freundlich ein, dass ich, besonders nach dem, was heute vorgegangen, unmöglich Nein sagen konnte," fuhr Mr. Smart, ohne sich weiter irre machen zu lassen, in seiner einmal begonnenen Rede, und zwar gegen Mrs. Dayton gewendet, fort.
"Was ist denn heute vorgefallen?" fragte Adele schnell, – "war wieder ein Streit im Orte? – Wir haben das Lärmen und Toben gehört, aber weiter noch nichts darüber erfahren."
Mrs. Breidelford setzte die schon erhobene Tasse wieder nieder und horchte aufmerksam der jetzt erwarteten Mitteilung.
"Und hat Ihnen Squire Dayton gar nichts erzählt?" fragte der Yankee.
"Nicht das Mindeste," riefen die drei Ladies wie aus einem mund.
"Nun, er hat mir einen Dienst geleistet," sagte Jonatan Smart, "wie ihn ein Nachbar nur dem andern –"
"Aber, bester Smart," lächelte der Squire – "ich habe ja nur getan, was meine Pflicht als Friedensrichter dieses Ortes war."
"– zu leisten im stand ist," fuhr Jonatan fort – "er hat mir das Leben gerettet, indem er sich, die eigene Gefahr ganz ausser Augen setzend –"
"Die Burschen hätten es nie zum Aeussersten kommen lassen – Sie rechnen mir die Sache wirklich zu hoch an."
"– einer Bande zu Allem fähiger Bootsleute gerade entgegenwarf und sie davon zurückhielt, mich umzubringen und mein Haus niederzubrennen. Das ist das Kurze und Lange von der geschichte."
Der Richter sah wohl ein, dass er den Wirt ausreden lassen m ü s s e , und ergab sich lächelnd darein. Erst als dieser schwieg, erwiderte er dagegen:
"Das aber erwähnen Sie nicht, dass Sie vorher mit wirklicher Lebensgefahr, da sogar einer der Buben schon auf Sie abdrückte, das Leben des armen Iren gerettet hatten."
"Das muss ja schrecklich heute in Helena zugegangen sein," rief Mrs. Dayton entsetzt.
"Nicht schlimmer heute, wie alle übrigen Tage fast," sagte der Wirt achselzuckend, "Helena ist nun einmal in dieser Hinsicht berühmt oder, besser gesagt, berüchtigt."
"Gerade was mein lieber seliger Mann immer sagte, Mr. Smart – gerade dasselbe – Louise, sagte er, bleibe nicht in Helena wohnen, wenn ich einmal tot bin – ziehe fort von hier. Du bist zu sanft, Du bist zu schwach für solch wildes Leben und Treiben – Du passest nicht hierher in diese rohe Umgebung – der liebe Mann. – Und es ist wahr, ich habe es ihm auch noch auf dem Sterbebette versprochen, ich wollte fort. – Breidelford, sagte ich ihm, stirb ruhig – ich gehe nördlich, wenn Du einmal nicht mehr bei mir bist – aber, Du lieber Gott, eine arme alleinstehende Frau, die kann ja nicht, wie sie wohl gern wollte. Man will ja doch leben, und hier, wo ich einmal notdürftig meine Nahrung habe, werde ich wohl bleiben müssen, denn ich sehe nicht ein, ob, wie und mit was ich an einem andern Orte wieder beginnen könnte. fleissig bin ich, das muss mir der Neid lassen. Mein lieber seliger Mann sagte immer, Louise, sagte er, Du arbeitest Dich noch tot – Du bedenkst gar nicht, dass Du zum zarten Geschlecht gehörst. Später wirst Du es aber noch einmal einsehen – sagte er, wenn Du Deine Gesundheit ruinirt hast und wenn ich nicht mehr bin. Sie glauben gar nicht, Mrs. Dayton, wie der Mann Alles vorausgesehen und gesagt hat – eine wahre Prophetengabe war es, es könnte Einem jetzt beinahe noch die Haut schaudern, wenn man bedenkt, dass so etwas menschenmöglich ist. – Auch was mein Alleinwohnen anbetrifft, denken Sie sich nur, Mrs. Dayton, auch darüber hat