sogenanntes Bowiemesser, und die wollene, fest zusammengerollte Decke hing ihm, mit einem breiten Streifen Bast befestigt, über der Schulter.
Beide hatten sich augenscheinlich hier, wo sie ihr wild erlegt, nach der gehabten Anstrengung für kurze Rast in's Gras geworfen, und der Alte, während er sich auf den rechten Ellbogen stützte und der eben hinter den Bäumen versinkenden Sonne nachsah, brach jetzt zuerst das Schweigen.
"Tom," sagte er, "wir dürfen hier nicht lange liegen bleiben. Die Sonne geht unter, und wer weiss, wie weit wir noch zum Flusse haben."
"Lasst Euch das nicht kümmern, Edgewort," antwortete der Jüngere, während er sich dehnend streckte und zu dem blauen, durch die schattigen Zweige auf sie niederlächelnden Himmel emporblickte – "da drüben, wo Ihr die lichten Stellen erkennen könnt, fliesst der Wabasch – keine tausend Schritt von hier, und das Flatboot kann heute Abend mit dem besten Willen von der Welt noch nicht hier vorbeikommen. Sobald es dunkel wird, müssen sie beilegen, denn den Snags und Baumstämmen, mit denen der ganze Fluss gespickt ist, wiche Gott Vater selbst nicht im Dunkeln aus, und wenn er sich mit seinen ganzen himmlischen Heerschaaren an's Steuer stellte. Ueberdies hatten sie von da, wo wir sie verliessen, einen Weg von wenigstens fünfzehn Meilen zu machen, während wir die Biegung des Flusses hier kurz abschnitten."
"Ihr scheint mit dieser Gegend sehr vertraut?" sagte der Alte.
"Sollte denken," erwiderte Jener sinnend, "habe hier zwei Jahre gejagt und weiss jeden Baum und Bach. Es war damals, ehe ich Dickson kennen lernte, mit dessen Schooner ich später nach Brasilien ging. Der arme Teufel hätte auch nicht gedacht, dass er dort solch ein schmähliches Ende nehmen sollte."
"Das habt Ihr mir noch nicht erzählt."
"heute Abend tu ich's vielleicht. – Jetzt, denke' ich, schlagen wir ein Lager auf und gehen dann mit Tagesanbruch zum Fluss hinunter, wo wir warten können, bis unser Boot kommt."
"Wie schaffen wir aber das wild hinab? Wenn's auch nicht weit ist, werden wir doch tüchtig dran zu schleppen haben."
"Ei, das lassen wir hier," rief der Jüngere, während er aufsprang und seinen Gürtel fester schnallte – "wollen die Burschen Bärenfleisch essen, so mögen sie sich's auch selber holen."
"Wenn sie aber nun vorbeiführen?"
"Denken nicht dran," sagte Tom – "überdies weiss Bill, der Steuermann, dass er uns hier in der Gegend erwarten muss, im Fall wir nicht früher einträfen; also haben wir in der Hinsicht keineswegs zu fürchten, dass wir sitzen bleiben. Wetter noch einmal, das Boot wird doch nicht ohne seinen C a p i t a i n abfahren wollen!"
"Auch gut!" sagte der alte Edgewort, während er dem Beispiel seines jüngeren gefährten folgte und sich zum Aufbruch rüstete – "dann schlag' ich aber vor, dass wir die Rippen und sonst noch ein paar gute Stücke herausschneiden, das Uebrige hier aufhängen, und nachher dort links hinunter gehen, wo, dem Aussehen der Bäume nach, ein Bach sein muss. Frisches wasser möchte' ich die Nacht doch haben."
Diese Vorsicht war nötig, die Männer gingen deshalb schnell an die Arbeit, die kurze Tageszeit noch zu benutzen. Sie fanden auch den Quell und neben ihm eine ganz ungewöhnliche Menge von dürren Aesten und Zweigen, von denen freilich schon ein grosser teil halb verfault war. Das Meiste davon liess sich aber noch trefflich zum Lagerfeuer benutzen, und an der schnell entzündeten Glut staken bald die Rippenstücke des erlegten Bären, während die Jäger, auf ihren Decken ausgestreckt, der Ruhe pflegten und in die züngelnden Flammen starrten.
Die beiden Männer gehörten, wie auch der Leser schon aus ihrem Gespräch entnommen haben wird, zu einem Flatboot, das von Edgewort's oben am Wabasch liegender Farm mit einer Ladung von Whisky, Zwiebeln, Aepfeln, geräucherten Hirschschinken, getrockneten Pfirsichen und Mais nach New-Orleans oder irgend einem der weiter oben gelegenen Landungsplätze steuerte, wo sie hoffen konnten, ihre Producte gut und vorteilhaft zu verkaufen. Der alte Edgewort, ein wohlhabender Farmer aus Indiana und Eigentümer des Boots und der Ladung, führte auch eine ziemliche Summe baaren Geldes bei sich, um in einer der südlichen Städte, vielleicht in New-Orleans selbst, Waaren einzukaufen und sie mit in seine, dem Verkehr etwas entlegene Niederlassung zu schaffen. Er war erst vor zwei Jahren an den Wabasch gezogen und hatte früher im staat Ohio, am Miami gelebt. Dort aber fühlte er sich nicht länger wohl, da die mehr und mehr zunehmende Bevölkerung das wild verjagte oder vertrieb, und der alte Mann doch "dann und wann einmal", wie er sich ausdrückte, "eine vernünftige Fährte im wald sehen wollte, wenn er nicht ganz melancholisch werden sollte".
Tom dagegen, ein entfernter Verwandter von ihm und eine Waise, hatte vor einigen Jahren ebenfalls grosse Lust gezeigt, sich hier am Wabasch häuslich niederzulassen. Plötzlich aber und ganz unerwartet änderte er seinen Sinn, und als er zufällig den alten Dickson, einen Seemann und früheren Jugendfreund seines Vaters, traf, ging er sogar wieder zur See.
Damals schiffte er sich in Cincinnati an Bord des dort von Dickson gebauten Schooners ein,