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n m o r e , sondern James Lively's reizendes kleines Frauchenflog die Treppe herab und ihnen entgegen. "Lieber, lieber Vater Livelyherzlich willkommenSchwager Cookdas ist schön, dass Ihr endlich einmal Euer Versprechen erfüllt habt."

Sie fiel dem Vater um den Hals und reichte dem jungen Farmer die Rechte hin. Obgleich der alte Mann aber mit dem herzlichen Kuss, den sie ihm auf die Lippen drückte, vollkommen einverstanden sein mochte, so blieb er doch immer noch wie verlegen stehen und sah sich ängstlich nach dem ruhig mit seinem Pferd davonschlendernden Mulatten um. Ja, er rief ihm sogar noch einmal mit lauter stimme nach und verlangte das Pony.

"Aber so kommen Sie doch nur herauf, Vater," bat Adele – "James wird auch gleich wieder da sein. Nancy mag Ihnen nachher bringen, was Sie brauchen."

Der alte Lively stand auf dem einen Fuss und hielt den andern dahinter versteckt. Adele sah zufällig hinunter und lachte laut auf:

"Hahahawieder keine Schuhenoch immer der Alteoh, Mr. LivelyMr. Lively!"

"Sie stecken wahrhaftig in der Satteltasche," beteuerte der alte Mann und blickte wehmütig hinter dem eben um die Ecke verschwindenden Dan her.

"Aber die wollenen Socken hat er unterwegs verloren," lachte Cook. "Wie wir aus Cherokee herausritten, schob er sie in den Hut, um sie nachher anzuziehen, und da sind sie ihm wahrscheinlich herausgefallen."

Der alte Lively drohte seinem nichtswürdigen Schwiegersohn mit der Faust, Adele aber fasste ihn unter dem Arm, gelobte ihm strenge Verschwiegenheit gegen Mrs. Lively, die ältere, und führte nun ihre lieben Gäste rasch in das Haus hinauf.

Hier musste übrigens Dan schon Lärm geschlagen haben, denn aus dem Garten sprang, zwar noch den linken Arm in der Binde, aber sonst wohl und kräftig, James herbei, und in dem saal oben begrüsste sie mit herzlichem Wort und Händedruck Mrs. Dayton. Sie ging ganz in Trauer gekleidet, und um den kleinen, feingeformten Mund hatte sich ein wehmütig ernster Zug gelegt, der dem bleichen, zarten Antlitz etwas ungemein Rührendes gab; Freude aber über die lieben, so lange herbeigewünschten und erwarteten Gäste rötete ihre Wangen ein wenig und verlieh ihren sanften Augen einen höheren Glanz.

Cook und Lively mussten jetzt erzählen, wie es all' den Lieben zu haus ging, was Mutter und die Kleinen machtenwie sich Bohs und die übrigen Hunde befänden, ob die und die Kuh noch recht wacker Milch gäbe und das und das Kalb noch immer den Melkeimer umstiesse, und tausend und tausend Kleinigkeiten über Farm und Haus, über Feld und Wald. Immer aber, wenn Einer der Beiden nur mit Wort oder Miene auf jene entsetzlichen Vorgänge in Helena zurückkommen wollte, lenkte Adele rasch ein und hatte so viele und wichtige fragen zu tun, so manche Kleinigkeiten und Schätze zu zeigen und bewundern zu lassen, dass Cook wohl endlich merkte, sie wollte die Sache nicht berührt haben, und nun auch seinerseits die dortin zielenden Aeusserungen des alten Lively parirte. Dieser aber, Winke und Blicke nicht achtend, arbeitete nur immer auf das neue Ziel wieder los, fing schon wenigstens zum zehnten Mal von Helena an und schien noch eine ganze Menge Sachen auf dem Herzen zu haben, die er unmenschlich gern los zu sein wünschte.

Endlich stand Mrs. Dayton auf, flüsterte Adelen leise einige Worte in's Ohr, küsste sie und verliess dann mit ihr das Zimmer.

"Sonun schiesst los!" sagte jetzt Cook zum Alten, der ihn verwundert ansah – "ist mir schon im ganzen Leben so ein alter Mann vorgekommen –"

"Aber, Cook," rief erstaunt Vater Lively – "ich will mein Lebenlang Schuh' und Strümpfe tragen, wenn ich weiss, was Ihr wollt!"

"Bester Vater!" sagte James und trat, seine Hand ergreifend, auf ihn zu, "nicht von Helena reden, wenn Mrs. Dayton dabei ist. Wir vermeiden es hier stets, und es erneut nur ihren Schmerz."

"Aber," entgegnete der alte Mann – "sie weiss doch –"

"Kein Wort von dem, was ihr, wenn sie nur eine Ahnung davon hätte, das Herz brechen würde."

"Was?" rief Cook erstaunt – "sie weiss noch nicht, dass Dayton der heimliche Führer der Piraten und ein Verbrecher war, wie ihn die Welt kaum wieder aufzuweisen hat?"

"Neinund soll es nie erfahren," sagte James – "Ihr erinnert Euch noch, dass sie an jenem unglückseligen Tage gleich auf die Farm hinausgeschafft wurde, und wie sie nach der Nachricht von ihres Gatten tod, den sie im Kampf gegen die Piraten geblieben glaubte, lange Wochen krank lag."

"Allerdings," erwiderte Cook, "und Ihr waret ja alle Beide damals so elend, dass Euch der Arzt mit Gewalt aus Arkansas fortschickte; wir glaubten aber immer, sie müsste die Wahrheit am Ende doch noch erfahren."

"Sie würde es nicht überleben," versicherte James, "und Adele wacht sorgfältig darüber, dass sie mit Niemandem spricht, der ihr das Schreckliche aus Unwissenheit oder Schwatzhaftigkeit verraten könnte. Auch die Zeitungsblätter sind deshalb für jetzt noch streng aus unserem haus entfernt gehalten, so dass ich eigentlich selbst nichts Genaueres über die damaligen Vorgänge weiss, obgleich