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rief erstaunt aus:

"Hawesbei Gott!" Im nächsten Augenblick stürzten aber auch schon zwei menschliche, fest zusammengeklammerte Gestalten von der nicht unbeträchtlichen Höhe des obern Decks herab in den aufgewühlten Strom, während von allen Seiten Boote abstiessen, die wütenden Kämpfer aufzunehmen.

Noch hatte der Van Buren die Landung aber keine zweihundert Schritte verlassen, als der Black Hawk, seine Decks mit Soldaten erfüllt, unter dem raschen Anschlagen der Glocke heranfuhr. Wohl standen auch die Matrosen vorn mit den Tauen bereit, sie an's Ufer zu werfen, aber kapitän Colburn, der das Schiessen gehört und den Kampf schon von Weitem mit dem Fernglas beobachtet hatte, schrie oben vom Pilotaus mit dem Sprachrohr sein

"What's te matter?" herunter. Die einzelnen, dem davonbrausenden Dampfboot nachgefeuerten Schüsse, das Winken und Schreien der am Ufer Stehenden und die umhergestreuten Leichen waren seine Antwort und liessen ihn mit dem, was er schon selbst über die Verhältnisse in Helena erfahren, nicht länger mehr in Zweifel.

"Give her hell, boys" rief er vom Deck herunter, – "feuert, dass die Kessel rot werden, den Burschen da vorn müssen wir einholenhurrah für old Kentukky!"

Rasch an den weiter oben liegenden Flatbooten vorbei glitt der Black Hawk, wie der Vogel, dessen Namen er trug; die Feuerleute schürten mit ihren mächtigen Eisenstangen in der Glut, die Soldaten und Mannschaften trugen Holz und Kohlen herbei, und die Maschine tat, ohne selber Gefahr zu laufen, ihr Aeusserstes. Aber der Black Hawk war ein altes, der Van Buren dagegen ein neues und fast das schnellste Boot des Mississippi. – Wie ein Pfeil schoss es eine kurze Strecke den Strom hinauf, dann fiel sein Bug plötzlich vor der Flut abvon Helena aus konnten sie das von Menschen gedrängte Steragedeck übersehenund Jauchzen und Jubeln scholl von dort herüber. Die Schnelle, mit der es die Flut durchschnitt, war entsetzlichder eingehemmte Dampf jagte die Räder in rasendem Wirbelschwung um ihre AchsenFett und Oel schleppten die Piraten herbei und warfen es unter die Kesselwährend sich zwei der Männer an die Ventile hingen, um selbst der unbedeutendsten Quantität Dampf den Ausgang zu verwehren. Es galt ja auch hier nicht allein dem Feind zu entgehen, sondern weiten Vorsprung genug zu gewinnen, um nicht Gefahr von anderen Booten fürchten zu müssen.

Aber wo war der Mann, der diese wilde, zuchtlose Schaar hätte in Ordnung halten können? Wer verstand die Leitung dieser Maschinen, um die Sicherheit ihrer Kraft zu bestimmen? Nur wilde, ungeregelte Flucht war der Gedanke der Piraten. – Die Maschine arbeiteteHolz lag noch an Bord, die Kessel glühten, die Bucketplanken der Räder peitschten die Flutvorn am Bug zischte der gelbe Schaum empor, und dortha, wie weit zurück hatten sie schon die Verfolger gelassen. Fast war die Landspitze erreicht, die sie ihren Blicken entzogund dort vor ihnen lag der weite ruhige Strom, der sie der Freiheit entgegentragen sollte. Noch leuchtete hoch und hell die Sonne am Himmel, und wenn sie unterging, wenn dunkle Nachtheiliger Gott, der Schlag, der das Innerste des stolzen Baues erbeben machte! – Weisser siedender Qualm stillte den Raum oder quoll aus den Seiten des Decks, und zum Himmel emporgeschleudert schossen zerstückte Leichname und Bootstrümmer, und stürzten nach kurzem schauerlichen Flug, schwerfällig und matt tönend, auf die zitternde Wasserfläche nieder. – Das halbe Boot war verschwunden, aber Verzweifelnde kämpften noch mit den Wogen, als der Black Hawk vorüberbrauste und auf derselben Stelle einschwenkte, auf welcher wenige Minuten vorher die Kessel des Van Buren gesprungen waren.

In Helena stieg, als sie von dort aus die Explosion des Piratenbootes erkannten, ein Jubelruf aus hundert Kehlen und mischte sich mit dem fernen Angstschrei und Todesröcheln der Verbrecher. – Die Feinde waren vernichtet, die Insel hatte der Black Hawk gestürmt, und was nicht im Kampfe seinen Tod fand, brachte er gefesselt an Bord. An der Landung von Helena aber suchten weinende Frauen und Mädchen unter den toten ihre Lieben und Freunde und ernste Männer trugen die verwundeten Kameraden in die nächsten Häuser hinauf.

Wer aber waren die Beiden, die noch immer mitsammen ringend dem wasser entstiegen? – das Volk sammelte sich um sie, und Manche wollten mit Hand anlegen und die Feinde trennen. Tom Barnwell, der Eine von ihnen, hatte aber sein Opfer zu fest und sicher gepackt, und wenn auch dieses in verzweifelter, wilder Wut gegen ihn ankämpfte, und Nägel und Zähne einschlug in das Fleisch seines ihm überlegenen Siegers, so schien der die Wunden kaum zu fühlen, viel weniger zu achten.

"Zurück!" rief er – "gleichen Kampf und Einer gegen Einender hier ist m e i n – bei dieser rechten Hand hab' ich's geschworen, dass ich ihn z w i n g e n will, mir zu folgen, und meine rechte Hand soll den Schwur halten, ob er den Arm auch bis auf die Knochen abnagte."

"Hallo, Tom," rief ihn hier ein Bekannter an, "will ihm die Beine ein bischen heben, dass er's bequemer hat."

"Zurück da, Bredschawzurück!" schrie aber der junge Bootsmann – "hinauf s c h l e i f e n will ich ihn, wenn die Bestie nicht mehr gehen kann, aber kein Mann weiter