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denn sie hatten den Yankee schon früher als einen entschlossenen und, wenn gereizt, auch gefährlichen Mann kennen gelernt, mit dem wenigstens kein Einzelner Streit auf eigene Faust zu beginnen gedachte.

Der Constabler, der indessen mit ernsten, aber zugleich freundlichen Worten die wilde Schaar zu beruhigen suchte, teilte dabei dem Virginier mit, er habe schon mit einem hiesigen Kaufmann gesprochen, der sowohl für Cook als auch für James Lively Bürgschaft leisten wolle, und Mills verschwor sich hoch und teuer, das sei der einzige vernünftige Mensch in ganz Helena, und er wolle verdammt sein, wenn er von jetzt an bei irgend jemand Anderem als bei ihm seinen Tabak kaufe.

Als Porrel die Stadt wieder betrat, fand er den Richter, der ihn schon ungeduldig an der Dampfbootlandung erwartet zu haben schien.

"Alles besorgt!" rief ihm der Sinkviller entgegen und deutete auf den Strom hinaus, über dessen Fläche eben mit geblähten schneeweissen Segeln, den scharfen Ostwind in die straff gespannten arme fassend, das kleine schlankgebaute Fahrzeug heranglitt und seine Bahn gerade dem platz zu zu nehmen schien, aus dem sie standen. "Der Kahn dort birgt unsere Musterexemplare, für die wohl Arkansas einen ganz hübschen Eintrittspreis geben würde, um sie nur sehen zu dürfen. – Wir können jetzt alle Augenblicke losschlagen."

"Ja," sagte der Richter und schaute finster vor sich nieder, "und uns hier, und was wir in unserer Nähe haben, bringen wir in SicherheitAndere aber, die wir zurücklassen, sind verlorenwir können nicht fort."

"Alle Teufel!" rief Porrel erschreckt, "das wäre ein schöner Spassder junge Lively ist, durch Eure Verwandte gewarnt, entflohen, und wir werden die ganze Waldbande in noch nicht einer Stunde auf dem Halse habenlängerer Aufschub ist bei Gott nicht mehr zu erhaltenwer fehlt denn jetzt noch?"

"Eben bekam ich einen Brief von Memphis," sagte der Richter – "ein reitender Bote hat ihn durch die Sümpfe gebrachtdrei von unseren Kameraden befinden sich da oben in grösster Gefahr, und nur mein erscheinen dort kann sie retten."

"Wegen der drei darf doch nicht das Ganze zu grund gehen!" rief Porrel unwillig.

"Nein," sagte der Squire, "aber unsere Pflicht ist es, für sie, so lange das noch in unseren Kräften steht, wenigstens einen Versuch zu machen."

"Doch wie?"

"PorrelIhr kennt unsere Pläne und wisst, dass ihr Gelingen ganz in unsere hände gegeben ist. Bin ich im stand, mich auf Euch zu verlassen? Wollt Ihr die Unseren führen jetzt in den leichten Kampf und nachher der Freiheit entgegen? Wollt Ihr die Beute an Bord des Dampfbootes schaffen, die Gelder, die Euch Georgine bei Vorzeigung dieses Ringes übergeben wird, in Verwahrung nehmen, und bis dahin, wo ich Euch an dem verabredeten Orte in Texas treffe, halten, oderwenn ich untergingeverteilen?"

"Was habt Ihr vor?" fragte Porrel erstaunt – "Ihr wollt nicht mit?"

"Ich allein kann Die, deren Sicherheit bisher meine Pflicht war, noch retten," fuhr Dayton, ohne die Frage direct zu beantworten, fort – "noch hat Niemand eine Ahnung, wer ich sei oder dass ich überhaupt in solcher Verbindung stand; dieses Dampfboot geht in wenigen Minuten stromaufheute Abend schon bin ich in Memphismorgen kann der Rest der Unseren auf dem Weg nach Texas sein."

"Und was nützte das?" erwiderte Porrel – "Hunderte sind noch oben in den verschiedenen Flüssen und Flussstädten verteiltdie Alle müssen dann zurückbleiben, und haben sie nicht dasselbe Recht, als die in Memphis?"

"Sahet Ihr heute Morgen den alten Baum fällen, der hier am Ufer stand?" fragte ihn Dayton.

"Jawas hat der mit meiner Frage zu tun?"

"Er ist allen stromabkommenden Booten das Wahrzeichen vom Bestehen der Insel," entgegnete ihm der Richter – "sehen sie den Stamm nicht mehr, so wissen sie, dass die Inselcolonie entweder untergegangen oder es für jetzt doch nicht möglich ist, dort zu landen, und fahren vorüber."

"Hmverdammt vorsichtig," brummte Porrel und blickte halb überzeugt, halb misstrauisch den gefährten an. Es war ein eigener Verdacht, der in ihm aufstiegwollte der kapitän sie im entscheidenden Moment verlassen? Des Richters Aussehen bestätigte das Alles, und er sagte:

"Hört – S q u i r e – soll ich das, was Ihr mir da eben mitteilt, den L e u t e n erzählen, wenn sie nach Euch fragen, und wollt Ihr mir offen sagen, was Ihr vorhabt, oderist die geschichte für mich mit erdacht?"

Der Squire sah ihn einen Augenblick unschlüssig zögernd an, dann streckte er dem Freunde rasch die Hand entgegen.

"Nein," rief er – "nicht für Euch, PorrelEuch werde die lautere Wahrheit. I c h w i l l f o r t – will dies Leben, wie diese Schaar verlassenIhr, Porrel, mögt der Vollstrecker meines letzten Willensmein E r b e sein!"

"Und Euer Weib nehmt Ihr mit?" fragte der Mann von Sinkville. Der Squire nickte schweigend mit dem kopf.

"Aber Georgine –"

"Lest den Brief!" sagte