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person in Sicherheit bringt."

"Habt keine Angst," beruhigte ihn lachend Porrel, oder T o b y , wie er gewöhnlich von den Kameraden genannt wurde, "glaubt ja nicht, dass Ihr, wenn es wirklich an den Kragen ginge, beim letzten Tanze fehlen sollt. Ihr, die Ihr Euch jetzt noch versteckt halten müsst, bleibt in dem Chickentief, mit dem Ihr nun so schnell als möglich unter die Helenalandung hinabfahrt, ruhig liegen. Gelingt unser Plan und gehen wir mit den Bewaffneten von Helena wirklich gemeinschaftlich auf das Dampfboot, dann setzt Ihr Eure Segel, und mit diesem und etwas Rudern könnt Ihr, wenn auch nicht mehr zum Kampf, doch auf jeden Fall noch zur Einschiffung kommen. Gelingt er aber n i c h t , müssen wir, was ich uns übrigens nicht wünschen will, schon in Helena zuschlagen, so sind vier schnell hintereinander abgefeuerte Schüsse das Signal. Dann ist Alles entdeckt und nur Gewalt kann uns befreien; in dem Fall zögert aber auch nicht, wenn Ihr nicht abgeschnitten werden wollt. Die Maske haben wir nachher überhaupt abgeworfen, und Ihr braucht Euch nicht länger zu scheuen, an's Licht zu treten."

"Ich für meinen teil wollte fast, es wäre so weit," brummte Sander; "meines Bleibens ist hier nicht mehr, und ein Glück war's nur, dass sie in Helena den verwünschten Hosier verhafteten; der hätte mich sonst in eine böse Patsche bringen können. Was wolltet Ihr mit dem Burschen, der da so merkwürdig eilig durch den Wald sprengte?"

"Das war James Lively," erwiderte Porrel, "der hier im Kieferndickicht auf der Lauer gelegen und dieses Haus beobachtet haben muss."

"Nun da habt Ihr's" rief Sander erschreckt, – "das sind die Folgen dieses verdammten Zögerns, und wir, die wir unsere eigenen Physiognomien zum allgemeinen Besten haben müssen verdächtigen lassen, werden wohl noch zum guten Ende, während Ihr Anderen frei durchbrennt, in einer sauber gedrehten Hanfschlinge an's Licht gezogen werden. Tod und Verdammniss, so ganz in die hände dieses Kelly gegeben zu sein!"

"Nun, das hat die längste Zeit gedauert," beruhigte ihn Porrel – "dort kommt auch das Boot schon, jetzt zu Schiffe, Ihr Herren, James Lively wird, wenn er so schnell zurückkehrt, als er gegangen ist, die Hinterwäldler bald genug hier versammelt haben, dann lasst sie das leere Nest finden, und wir ziehen indessen in Helena unsere Mannen zusammen. Sind Eure Sachen gestern Abend noch hinunter auf die Insel geschafft, Torby?"

"Nein, gestern Abend nicht, wer Teufel sollte denn bei dem Nebel fahren?" erwiderte der Gefragte; "aber heute Morgen hab' ich sie abgeschickt, auf jeden Fall treffen wir sie dort, bis wir selbst hinunterkommen."

"Sollen wir denn aber so offen auf's Boot gehen?" fragte Sander – "wenn nun noch irgend ein Halunke hier versteckt läge und nachher in Helena unsern Schlupfwinkel verriete?"

"Da, hängt die Decken über," sagte Torby – "sie mögen Euch für Indianer halten, und nun rasch, mir ist's immer, als ob ich schon Hufschläge hörte."

Die Männer stiegen ohne weiteres Zögern in das dicht am Flatboot liegende kleine Segelboot hinunter, und Porrel eilte, von noch Mehreren der Leute aus dem "grauen Bären" begleitet, schnellen Schrittes nach Helena zurück.

* * *

Indessen hatte sich Jonatan Smart, der von dem Virginier die näheren Umstände über Cook's Verhaftung rasch erfragte, ohne Zögern mit diesem auf den Weg gemacht, um den Richter selbst darüber zur Rede zu stellen. Der war aber nirgends zu finden, und der Constabler erklärte, die angebotene Bürgschaft o h n e dessen Bewilligung auf keinen Fall annehmen zu können.

Dagegen liess sich nicht wohl etwas einwenden, das wusste Smart gut genug, und obgleich sich der Virginier höchst entrüstet verschwor, er habe unmenschliche Lust, der ehrsamen Gerichtsbarkeit in Helena arme und Beine zu zerschlagen, so hatte er doch an diesem Morgen selber gesehen, dass er sich mit denen, die gleichgesinnt waren, bedeutend in der Minorität befinde, und machte deshalb für den Augenblick seinem gepressten Herzen nur in einer unbestimmten Anzahl von Kernflüchen und Verwünschungen Luft.

Die beiden Männer waren unter der Zeit langsam die Strasse hinab und dem gefängnis zu gegangen, dem gegenüber, vor der seligen Mrs. Breidelford haus, sich noch immer einzelne Bootsleute und Kinder aus der Nachbarschaft herumtrieben, wenn auch die festverschlossenen Türen jeden ferneren Eintritt versagten. Da wurden sie plötzlich aus einem der oberen Jailfenster mit einem "Boot ahoi!" begrüsst, und Smart, der im Anfang glaubte, es sei Cooks stimme, erstaunte nicht wenig, hier auch seinen Freund von gestern, den jungen Indiana-Bootsmann zu treffen. Es war derselbe, der ihm das junge Mädchen gebracht, und den er schon lange, weil er sich gar nicht wieder hatte sehen lassen, stromab vermutete.

"Hallo, Sir!" rief er erstaunt aus, "was zum Henker macht denn Ihr hier hinter den Eisenstäben? Potz Zwiebelreihen und Holzuhren, was ist denn auf einmal in den Richter gefahren, der war doch sonst nicht so bei der Hand mit Leuteeinsperren."

"Gott weiss, auf welches Schurken Anklage ich hier sitze," rief der junge Matrose – "der Halunke hat