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in die Büsche hinein, und war gleich darauf in dem dichten Unterholz der Niederung verschwunden.

"Miss Dunmore," sagte Porrel, der sich jetzt gegen das noch immer zitternde und erschöpfte junge Mädchen wandte, "ich begreife wahrlich nicht, was Sie veranlassen konnte, den Burschen da so dringend zur Flucht zu bewegen. Ihm droht keine Gefahr."

"Sie wollten ihn verhaften, Sir," rief Adele noch immer in höchster Aufregung – "man hat ihn des Mordes angeklagt!"

"Und sollte das etwa ein Beweis seiner Unschuld werden, wenn er, anstatt sich freizustellen, dem Richter e n t f l i e h t ?" fragte der Mann von Sinkville, und ein spöttisches Lächeln zuckte um seine Lippen. Adele schwieg bestürzt still. "Doch wie dem auch sei," fuhr er endlich fort, "der Squire ist, wie er mir versichert, schon auf der Spur der wirklichen Mörder, ich war eben hierher geschickt, das dem jungen Mann mitzuteilen und ihn von jeder Besorgniss zu befreien; Sie mögen jetzt selber urteilen, Miss, ob Sie ihm mit dieser Warnung, wenn Sie ihm in der Tat wohl wollen, einen Gefallen getan haben."

"Mr. Porrel," sagte Adele und errötete tief – "die bestimmte Nachricht, die jener Bootsmann brachte, der selbst hierher wollte, Mrs. Lively aufzusuchen –"

"Wollen Sie sich überzeugen, mein fräulein, ob ich die Wahrheit geredet," erwiderte Porrel, "so fragen Sie Squire Dayton selber. Cook, den man, wie ich gehört habe, heute Morgen allerdings, aber nur wegen Ruhestörungverhaftete, ist jetzt wahrscheinlich auch schon wieder frei, es lastet wenigstens kein Verdacht mehr auf ihm. – Bitte, Jim, legt doch einmal der jungen Dame hier den dort heruntergeworfenen Sattel aufsie wird sicherlich lieber reiten wollen, als in unserer Gesellschaft in die Stadt zurückzugehen."

Der Mann gehorchte schnell dem Ruf und führte bald James Lively's Pferd Adelen vor. Diese wandte sich erst in aller Verlegenheit gegen den Advocaten, als ob sie sich bei ihm entschuldigen wolle, aber sie besann sich bald eines Bessern, stieg rasch auf das Holz, neben dem das ungeduldig scharrende Tier stand, sprang in den Sattel und sprengte, unwillig über sich und die ganze Welt, in die Stadt zurück.

Porrel sah ihr mit leise gemurmeltem Fluche nach und ging dann, nachdem er seine Begleiter nach dem nicht mehr weit entfernten Chickentief gesandt und sie unterrichtet hatte, ihn so schnell als möglich zu dem Flatboote des "grauen Bären" herunter zu bringen, auf den kleinen Gastof zu, in dessen Tür er bald darauf verschwand.

Fussnoten

1 No bottom! – kein Grund! Der Ruf des Senkbleiwerfers, wenn er mit der Leine keinen Grund gefunden hat.

35.

Die Flucht der Männer des "Grauen Bären". –

Smart erzürnt.

Waren Mr. und Mrs. Dayton schon über den wilden Ritt Adelens erstaunt gewesen, so beobachteten die gegenwärtigen Insassen des "grauen Bären" mit kaum geringerem Interesse die sich in ihrer unmittelbaren Nähe ereignenden Vorgänge. Galt diese scheinbare Verfolgung des Einen, den sie durch die Büsche nicht erkennen konnten, i h r e r Sache, oder hatte die Begegnung so vieler Menschen auf der Countystrasse nur zufällig stattgefunden? Ihr böses Gewissen machte sie zittern, und von Allen stand Sander, als er unter den Männern Adele erkannte, mit bleichem Antlitz und ängstlich pochendem Herzen oben an dem kleinen, im zweiten Stock befindlichen Fenster, um von da aus sowohl die Vorgänge auf der Strasse zu übersehen, als auch, im Fall ihm wirklich Gefahr drohe, augenblicklich zu wissen, nach welcher Richtung hin er sich am besten retten könne.

Was hatte Adele Dunmore hier so allein zwischen die fremden Männer geführt? Und wer war es, der dort in tollen Sätzen durch den wildverwachsenen Wald davonsprengte? Einzelne dichtbelaubte Hikzu übersehen, aber nur um so mehr fühlte er sich beunruhigt, da ihm das Wenige, was er erkennen konnte, so rätselhaft schien.

Da wurde seine Aufmerksamkeit plötzlich von der Strasse abgezogen, denn einer der Fremden kam rasch auf das Haus zu. Sander war noch in Zweifel, wer es sein könne, denn die Männer trugen fast sämmtlich Strohhüte, und von oben herunter entzog ihm der breite Rand das Gesicht. Da öffnete sich die Haustür und liess den Klopfenden ein; er gehörte also auf jeden Fall zu den Freunden, Torby hätte ihm sonst nimmer den Eintritt verstattet, und rasch sprang der junge Verbrecher die Stufen hinab, um zu hören, was jener bringe.

Es war Porrel selbst, der hierher kam, den Auftrag ihres Führers auszurichten und den Kameraden in der Kürze zu melden, was in Helena geschehen, welcher Gefahr sie ausgesetzt gewesen, welche Vorkehrungen dagegen getroffen wären, und welchen Plan vor allen Dingen Kelly entworfen habe, nicht allein ihre Flucht zu sichern, sondern auch zugleich Rache an den Feinden zu nehmen.

"Aber, beim Teufel," rief da Sander ärgerlich aus, "weshalb kommt der kapitän nicht einmal selber hierherauf; er weiss, was er mir versprochen hat und weshalb ich mich jetzt in der Stadt nicht gut sehen lassen darf. Wenn die ganze Sache, was mit jedem Augenblicke geschehen kann, wirklich auseinanderbricht, dann sitzen wir nachher fest auf dem Sande, während er sehr behaglich im Trüben fischt und angelt, oder doch auf jeden Fall seine eigene wertgeschätzte