noch links zur Seite blickend, das feurige Tier durch raschen Gertenschlag zu noch immer wilderer Eile antrieb.
So gern er sie aber gesprochen und um das Ungewöhnliche dieses einsamen Rittes befragt hätte, so war es auch wieder ein Gefühl, über das er sich selbst keine Rechenschaft zu geben wusste, und das ihn fast unwillkürlich zwang, sich vor der Jungfrau zu verbergen. Er trat rasch hinter eine niedere buschige Kiefer und erwartete natürlich, sie im nächsten Moment vorbeibrausen zu sehen. Da hielt durch plötzlichen Zügeldruck, der das feurige Tier fast auf die Hinterbeine zurückbrachte, Adele ihr Pony an, und James hörte zu seinem unbegrenzten Erstaunen, wie sie mit rascher, ängstlicher stimme seinen Namen rief:
"Mr. Lively – Mr. James Lively! Wo um des himmels willen sind Sie, Sir?"
Hätte James in diesem Augenblick eine zwanzig Fuss hohe Kluft hinabspringen müssen, um dem Rufe Folge zu leisten, er würde sich nicht eine Secunde lang besonnen haben. Was Wunder also, dass er mit Blitzesschnelle aus dem Dickicht vorglitt, und so plötzlich und unerwartet, wenigstens von Seiten des Pony, vor diesem stand, dass es entsetzt zurückfuhr und alle Anstalten machte, aus Leibeskräften empor zu bäumen, James aber warf seine Büchse hin und fiel ihm mit schnellem Griff in die Zügel, während Adele mit einem leise gemurmelten "Gott sei Dank" aus dem Sattel und in den ihr helfend entgegengestreckten Arm des jungen Farmers glitt. Ohne aber auch nur einen Augenblick zu zögern, warf sie den scheuen blick zurück, nach den rasch herbeieilenden Männern, und rief mit vor Angst fast erstickter stimme:
"Fort, Sir – um Gottes willen fort – nehmen Sie mein Pferd und fliehen Sie!"
"Miss Adele –" rief James ganz überrascht aus.
"Fort," bat aber diese – "wenn Sie – wenn Ihnen meine Ruhe nur etwas gilt – fort. – Mr. Cook ist gefangen – Helena in Aufruhr – jene Männer dort kommen, Sie zu fangen."
"Mich? – weshalb?"
"Mein Pferd – Heiland der Welt, es wird zu spät!"
"James, obgleich er in diesem Augenblick wirklich nicht wusste, ob er wache oder träume, begriff leicht, dass hier irgend etwas ganz Aussergewöhnliches und ihm wahrscheinlich Gefahrdrohendes geschehen sein müsse. Wenn auch sich selber keiner Schuld bewusst, erschreckte ihn doch Cook's Gefangenschaft; ein dunkler Verdacht durchzuckte sein Hirn, und als er auch noch die Fremden, wie er jetzt glauben musste in feindlicher Absicht, herbeieilen sah, fühlte er, dass er sich wirklich in Gefahr befinde. Adele hatte aber indessen schon für ihn gehandelt; schnell löste sie den Sattelgurt des Ponny, das ihr indessen, vor dem herbeigesprungenen Jäger scheuend, die andere Seite zugedreht hatte, und warf den Damensattel ab. – Die Verfolger waren nicht fünfzig Schritt mehr entfernt."
"Und Sie, Miss Adele, soll ich hier allein zurücklassen?" rief James unschlüssig – "das kann ich bei Gott nicht."
"Mir droht keine Gefahr!" rief die Jungfrau, "ich habe nichts – gar nichts zu fürchten – aber Sie – grosser Gott, es ist ja j e t z t schon zu spät."
"Nein, noch wahrlich nicht," lachte der junge Hinterwäldler, der bald erkannte, dass die herbeieilenden Männer unbewaffnet seien, während er rasch seine Büchse vom Boden aufgriff – "den will ich doch sehen, der –"
"Wenn Ihnen mein Frieden heilig ist," flehte Adele jetzt in wilder Verzweiflung, denn sie fürchtete das Schlimmste – "wenn Sie mich lieben – James, oh so fliehen Sie!"
Oh hätte sie ihn doch mit d i e s e n Worten aufgefordert, sich dem Feind e n t g e g e n zu werfen, James wäre dem Tod mit Freuden in die arme gestürmt – aber fliehen? Doch ihr flehender blick traf ihn – mit der Linken, in der er die Büchse hielt, legte er sich auf den rücken des Pferdes, schwang sich hinauf und griff jetzt erst in die Zügel.
"Halt da, Sir!" rief Porrel, der kaum noch zehn Schritt von ihm entfernt war – "halt – wir kommen als Freunde – Ihr habt nichts zu fürchten!"
"Fürchte auch nichts," brummte James und hielt sein Pferd noch immer eingezügelt – "wenn ich nur –"
"Glaubt ihnen nicht!" bat Adele in Todesangst, "fort – zu den Euren – fort!"
"Squire Dayton schickt mich nach Euch!" rief Porrel, sprang auf ihn zu und griff nach dem Zügel. – Adele, die den jungen Mann verloren glaubte, starrte mit wildem, verzweifeltem blick zu ihm empor.
"James!" hauchte sie und musste sich an dem Baum, an dem sie stand, aufrecht halten.
"Ich gehorche," rief da James und stiess mit dem Kolben seiner Büchse die Hand, die schon fast seinen Zaum berührte, bei Seite – "zurück da, Sir!" donnerte er dann den Fremden an, "sei's in Freundschaft oder Feindschaft – in einer Stunde bin ich in Helena;" – und während er den Zügel locker liess, bohrten sich seine Hacken in die Flanken des Pony, das mit flüchtigem Satz nach vorn sprang. – Im nächsten Augenblick flog es, von der ruhigen Hand des Reiters gelenkt, seitab