nach dem hintersten rechten Stuhlbein und versuchte mit allem möglichen Eifer die Politur herunter zu kratzen, dann holte er mit der Linken das mächtige seidene Tuch aus der tasche, um es gleich darauf wieder sorgfältig zurückzuschieben. Kurz, James befand sich so wohl, wie ein Hecht auf dem Sande oder ein Hase auf dem Eise, und wenn er auch manchmal den blick scheu zu dem schönen, muntern Mädchen emporwarf, so durfte er doch nur dem Schelmenauge begegnen, als sich auch sein Antlitz in der prachtvollen Farbe eines gesottenen Hummers wieder niederbog. Dann, wie in einem wilden Fluchtversuch, griff er tief, tief unter den Stuhl, wo früher sein Filz gestanden, den aber später, auf einen Wink Mr. Dayton's, die junge Mulattin weggenommen und hinten auf das Clavier gestellt hatte, und sass nun in voller Verzweiflung auf dem weich gepolsterten Stuhl wie auf glühenden Kohlen.
James Lively war übrigens sonst keineswegs so verschämt und blöde. Im wald aufgewachsen, gab es keinen besseren Jäger und Landmann im ganzen County als ihn. Mutig dabei bis zur Tollkühnheit, hatte er vor Kurzem erst den Einzelkampf mit einem Panter gewagt und gewonnen, und im Boxen die Besten überwunden. Aber im wald musste er auch sein, wenn er all' diese Fähigkeiten entwickeln sollte. In Damengesellschaft getraute er sich nicht den Mund zu öffnen, und wenn er auch – wie Mrs. Breidelford – vollkommen seine Schwäche kannte, so wäre es ihm dennoch nicht möglich gewesen, eine Scheu zu überwinden, die ihm Zunge und Glieder lähmte. So auffallend wie heute hatte sich diese Befangenheit übrigens noch nie gezeigt. Sie schien sogar durch Adelens leise Anspielungen ihren höchsten Grad zu erreichen, als sich Squire Dayton in's Mittel schlug, auf den jungen Mann zuging und ihm mit einem freundlichen "Gott zum Gruss, Mr. Lively – was macht der Vater und wie steht's daheim mit der Farm?" plötzlich wieder Mut und Selbstvertrauen in's Herz legte.
Die Worte, die ganze Anrede, die Beziehung auf die heimische, ihm bekannte Umgebung wirkten wie ein wohltätiger Zauber auf den Waldbewohner. Er sprang auf, holte tief Atem, ergriff schnell die dargebotene Rechte und antwortete, als ob ihm eben eine Centnerlast von der Brust gewälzt wäre:
"Danke, Squire – Alle wohl – so ziemlich wenigstens – die braune Kuh wurde gestern krank, und darum bin ich eigentlich hierher in die Stadt gekommen – aber – ich hatte noch 'was Besonderes" – und er warf einen scheuen Seitenblick nach den Frauen, während wieder hohe Glut sein Gesicht überflog – "ich – ich weiss nur nicht –"
"Ist es etwas, was mich allein betrifft?" fragte der Squire.
"Bitte, junger Herr, geniren Sie sich nicht," fiel hier, ohne weitere vorherige Warnung, Mrs. Breidelford wieder ein – "glauben Sie ja nicht, dass wir, weil wir Ladies sind, etwa ein geheimnis nicht eben so sicher und gut bewahren könnten wie Männer. Im Gegenteil, Mr. Lively – gerade im Gegenteil. – Ich zum Beispiel weiss zwar, dass ich ein bischen viel rede, es ist nun einmal meine Schwäche, und wofür hat uns denn eigentlich der liebe Gott Mund und Zunge gegeben? Was aber Geheimnisse anbetrifft, so hat da schon mein lieber seliger Breidelford immer gesagt, obgleich man sich eigentlich nicht selbst rühmen sollte, doch das liebe Herz liegt ja jetzt kalt und starr im grab – Louise, sagte er immer – Louise, Du bist zu verschwiegen, Du bist wahrhaftig zu verschwiegen. – Zehn Inquisitionen brächten Dir das nicht über die Zunge, was Du nicht hinüber haben wolltest – ich glaube, Du bissest sie Dir eher in Stükken – sagte Mr. Breidelford, aber –"
Ein rauschendes Allegro von Adelens flüchtigen Fingern schnitt hier wiederum Mrs. Breidelford's Faden ab, und Lively, der bis jetzt vergebens gesucht hatte, Squire Daytons Frage zu beantworten, gewann wenigstens Zeit, Atem zu holen.
"Nein, Squire," sagte er und schob, da er in diesem Augenblick gar nicht wusste, wohin er mit seinen Händen sollte, diese aus lauter Verzweiflung in die Taschen, aus denen er sie aber, das Unschickliche solchen Betragens wohl fühlend, so schnell wieder herausriss, als ob er heisse Kohlen darin gefunden hätte – "nein, Squire – Mutter meinte nur – Vater fügte – ob Sie und – und die Ladies dort nicht Lust hätten oder – so gut sein wollten, morgen ein bischen zu uns herauszukommen und – so lange Sie wollten und so lange es Ihnen bei uns gefiele, draussen zu bleiben. Mutter meinte –"
Adele horchte hoch auf; Mrs. Breidelford aber, obgleich diese Einladung wohl keineswegs ihr gegolten hatte, nahm die Beantwortung schnell auf sich, und ohne einem der übrigen Anwesenden auch nur die mindeste Zeit zu lassen, erhob sie sich ein wenig von ihrem platz und rief, den jungen Mann dabei mit etwas niedergebogenem kopf und über die Brillengläser hin in's Auge fassend:
"Oh, Mrs. Lively ist gar zu gütig, Sir, gar zu gütig, und wenn sich auch allerdings in jetziger Zeit, wo der Fluss wieder zu steigen anfängt und Waaren in Hülle und Fülle stromab kommen, die Geschäfte häufen, so müssen doch schon einmal ein oder zwei Wochen gefunden werden, um seine Nachbarn aufzusuchen und mit ihnen im guten alten Einverständniss zu bleiben. – Mr