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, dass wir die Unseren früh genug zurückziehen, und nachher bleibt uns immer Zeit, die Gefangenen zu befreienwenn das überhaupt nötig ist. Vielleicht sind wir sogar im stand aufzubrechen, ehe sie Allle hier eintreffen, desto leichtere Arbeit haben wir dann. Auf jeden Fall müssen wir suchen, Einen von ihnen, den jungen James Lively, hierher zu bekommen, ehe er uns die g a n z e wilde Schaar auf den Hals hetzt undauch mehr vielleicht sieht, als gerade nötig ist. – Er liegt in dem kleinen, dem 'grauen Bären' fast gegenüber befindlichen Kieferndickicht versteckt, um von dort aus das ihm verdächtige Haus zu beobachten. Bringt ihn wo möglich in Gutem mit her, geht aber das nichtei, dann auch mit Gewalt. – Es ist derselbe, dessen Messer in dem haus der Ermordeten gefunden wurde."

"Gut!" sagte Porrel und rieb sich freudig die hände, "vortrefflich, da gibt's doch endlich einmal ein ordentliches Dreinschlagen, wo man nicht mehr süss und freundlich zu sein braucht. Tod und Teufel, das Leben hatte' ich sattnun weiss man doch, woran man ist, und braucht nicht mehr in steter Angst und Not zu leben. Also Good byemeinen Auftrag richt' ich aus, sorgt Ihr nur auch dafür, dass wir, wenn das Memphis-Paketboot kommt, die Unseren alle beisammen haben."

Und rasch eilte er die Strasse hinab, wo er bald ein paar seiner Freunde an sich rief und mit ihnen um die Ecke der seitabführenden Gasse verschwand.

Der Squire schritt indessen langsam und sinnend der eigenen wohnung zu.

* * *

"Wer war der Knabe, der da eben das Haus verliess?" fragte Squire Dayton, als er in die Tür trat und, auf der Schwelle stehend, nach einem jungen Burschen zurücksah, der jetzt flüchtigen Laufes die Strasse hinabeilte. "Was wollte er, und von woher kommt er?"

"Gott weiss es, Massa," sagte Nancy, die ihrem Herrn zugleich einen eben für ihn eingetroffenen Brief überreichte – "noch gar nicht so lange ist's, da kam er hereinging zu Missus hinauf, blieb ein paar Augenblicke oben, und wäre dann beinahe die Treppe wieder heruntergefallen. Unten setzte er sich auf die Stufen da hin und weinte, als ob ihm das Herz brechen wollte. Weil ich mich vor ihm fürchtete, schickte ich den neuen Nigger zu ihm, den Massa gestern mitgebracht hat. Von dem wollte er aber gar nichts wissen, steckte den Kopf fest unter die armeer schämte sich wahrscheinlich, weil er weinteund rührte und regte sich nicht. Erst als Bolivar wieder fort war, stand er auf, drückte sich den Hut fast bis in die Augen hinein und verliess rasch das Hauskeine zwei Minuten, ehe Massa kam."

"Sind die Damen oben?" fragte der Squire jetzt, ohne des fremden Burschen weiter zu gedenken.

"Miss Adele ist nach Mr. Smarts gegangen," erwiderte Nancy – "Missus ist aber oben, soll ich –"

"Lass nur," sagte der Squire und stieg langsam die Stufen hinauf – "käme Jemand und früge nach mir, so mag er hier im Zimmer warten. – Ich bin gleich wieder unten."

Der Friedensrichter Helenasder blutige Piratenhäuptling des Mississippibetrat das Gemach seines braven, unschuldigen Weibes, das keine Ahnung hatte, welche Verbrechen die Brust barg, die ihr Liebe gelogen und ihr reines Herz an sich zu fesseln gewusst hatte.

Das Zimmer war leerHedwig sass während Adelens Abwesenheit oben am Bett der armen Marie. Dayton aber blieb an der Tür stehen und liess die Augen sinnend in dem kleinen friedlichen Raum umherschweifen, wo er Alles, Alles besass, was ihn zum Glücklichsten der Menschen hätte machen können, Alles, was das Herz eines braven, rechtlichen Mannes mit Stolz erfüllen musste. Aber der Ehrgeiz hatte die scharfen, giftigen Krallen in seine von wilden Leidenschaften durchwühlte Brust gehauen, – kalte Berechnung allein leitete seine Handlungen, und das Heiligste opferte er rücksichtslos dem eigenen Ich. Wohl gibt es Tausende, wie er warMenschen mit eisernem Herzen, die eben so kalt und entsetzlich in das Leben hineingreifen und alles Andere rücksichtslos unter die Füsse treten, wenn sie nur für sich jede Lust, jede Befriedigung ihrer Wünsche erlangen können; aber der kecke, tollkühne Mut fehlt ihnen, den der Piratenhäuptling in so entsetzlichem Masse besasssie strecken die spitzigen, behandschuhten Finger vorsichtig aus, dass sie nirgends anstossen, und nur dann, wenn sie sich vollkommen unbeachtet wissen, zeigen sie sich in ihrer wahren Gestalt. – Und die Welt ehrt siedas Gesetz schützt sie, denn "es ist ihm gegen sie ja nichts bekannt geworden," aber dennoch fluchen ihnen zahllose Unglückliche, die sie elend gemacht, die Verwünschungen der Wittwen und Waisen heften sich an ihre Sohlen, und Schätze und Reichtümer, in verzweiflungsvoller Stunde an fromme Stiftungen hinausgeschleudert, können nicht die feige Angst der letzten Augenblicke betäuben.

Anders war es mit dem Führer jener gesetzlosen Schaarseine Rechnung mit dieser Welt hatte er abgeschlossen und ruhig und fest sein Facit gezogen. Er scheute weder den Tod, noch achtete er das Leben, deshalb aber war er gerade so entsetzlich, so fürchterlich geworden, denn die gesetz der Menschen konnten ihn nicht mehr schrecken, Glaube