aber – wo find' ich ihn?" rief der Virginier zurück.
"Fort da – weg mit dem Burschen – habt Acht auf Euch – damn you – schlagt ihn zu Boden," tobte es indessen von allen Seiten, und während die Einen den Farmer mit sich auf die Strasse zogen, verhinderten die Anderen den Virginier, ihm zu folgen, so dass, ehe er im stand war, sich Bahn zu brechen, die Tür des County-Gefängnisses hinter dem jungen Mann in's Schloss fiel.
Der Virginier schritt, da er sah, dass jeder weitere Versuch vergebens sein würde, die Strasse hinunter, während sich die Uebrigen teils um das Haus der witwe schaarten, das der Constabler eben verschloss, teils auf dem platz selber zusammentraten und das Geschehene mit einander besprachen. – Mit seinem Auftrag war er aber gar nicht zufrieden. "Hm," brummte er vor sich hin und schob die hände in die Taschen "jetzt soll ich Jimmy Lively warnen – da werde' ich nach Livelys hinauslaufen können. – Zum Henker auch – ob man denn hier nicht irgendwo ein Pferd kriegen könnte. – He, Bob!" rief er dann einen Bekannten an, der auf der andern Seite der Strasse dem eben beschriebenen Schauplatz gerade zueilte – "wer borgt Einem wohl in der Stadt ein Pferd, wenn man keins hat?" "Smart," lautete die allerdings lakonische Antwort, und der Angeredete, der sich weiter gar nicht nach dem Frager umschaute, eilte rasch vorwärts. "Smart? – so?" murmelte der Virginier und sah dem Laufenden nach – "verdammte Eile – kommt auch noch zur rechten Zeit – Smart, muss einmal zu Smart gehen und hören, was er sagt. Dass der Henker übrigens das Reiten hole – bin noch in meinem Leben auf keinem so vierbeinigen Dinge gesessen, ausser einmal, wo's mich aber schon abwarf, eh' ich nur recht aufgestiegen war." Und mit leise in den Bart gebrummten Flüchen schritt der Lange dem Union-Hotel zu, dort sein Glück zu versuchen.
Fussnoten
1 Das Opossum, die amerikanische Beutelratte, stellt sich, wenn angegriffen oder auch nur berührt, augenblicklich tot und lässt Alles über sich ergehen; es ist daher ein in den Backwoods sehr häufiges und allgemeines Sprüchwort für Jemanden, der sich verstellt, zu sagen: "Er spielt Opossum". 2 Eine häufige Benennung dieser Fahrzeuge.
33.
Squire Dayton beschliesst, mit seinem weib aus
Helena zu fliehen.
Squire Dayton war, während sich das übrige Volk zerstreute, mit Porrel und einem teil seiner Verbündeten zurückgeblieben, und stand, die arme fest verschlungen, mitten auf dem breiten platz, der Mrs. Breidelford's Haus von dem gefängnis trennte. Er wusste recht gut, dass sich jetzt – vielleicht heute noch – nicht allein s e i n Schicksal, sondern auch das aller Uebrigen entscheiden musste, und tollkühne Pläne waren es, die für den Augenblick sein Hirn durchkreuzten. Sollte er hier der Gefahr ausgesetzt bleiben, verraten und vielleicht einmal überrascht und gefangen zu werden? Sein blick schweifte wild über die wogenden Menschenmassen hin –, oder sollte er sich – der Macht, die er jetzt um sich versammelt sah, vertrauend – im letzten entscheidenden Streich den Feinden entgegen werfen? Noch war ihm Zeit gegeben, das, was er an Schätzen angehäuft, in Sicherheit zu bringen, der nächste Augenblick vernichtete vielleicht schon alle Hoffnungen und Pläne. – Porrel, der eben erst von Sinkville eingetroffene Verbündete, mochte ahnen, was in seiner Seele vorging, er schritt und flüsterte dann, indem er leise seine Schulter berührte:
"Nun, Sir – beschliesst rasch, was Ihr tun wollt, unsere Augenblicke sind gezählt."
"Wisst Ihr?" fragte Dayton und schaute fragend zu ihm auf.
"Ich weiss Alles," entgegnete mürrisch der Fremde, – "Sander, der Euch oben im 'grauen Bären' sehnsüchtig erwartete, hat mir wenigstens das Wichtigste mitgeteilt."
"Wo ist Simrow?" fragte der Squire rasch, – "habt Ihr nichts von ihm gesehen?"
"Die Pest über den Burschen," rief der advokat, "ich habe ihm nie getraut!"
Dayton sah ihm überrascht und misstrauisch in's Auge.
"Wahrscheinlich spielte er ein falsches Spiel," fuhr Porrel, ohne den blick zu beachten, fort, "so viel ist gewiss, er hatte sich, als der alte Benwick kaum begraben war, bedeutender Capitalien ganz g e g e n seinen Auftrag bemächtigt und wollte damit fliehen. Ein paar Georgier setzten ihm nach, holten ihn ein und – schossen ihn glücklicher Weise gleich nieder."
"Und das Testament?" fragte Dayton mit fest zusammengebissenen Zähnen.
"Man soll allerlei darüber munkeln," grollte der Sinkviller, "ich glaube, es wird das Beste sein, wenn wir uns nicht weiter um die Sache bemühen."
"Sind denn a l l e Teufel heute auf einmal losgelassen?" rief der Richter, mit dem fuss stampfend. "Mord und Tod! Es ist ja fast, als ob uns das Schicksal selbst zum letzten entscheidenden Schritt treiben wollte."
"Verzögert d e n wenigstens so lange als möglich," warnte Porrel, "denn wenn der misslingt, sind wir natürlich verloren, weil es eben der letzte war."
"Seid ausser sorge," entgegnete finster der Richter,