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denn eigentlich?"

"DaytonSquire Dayton nennen sie ihn gewöhnlich; – der Andere, der mit ihm geht, ist der Constabler."

"Wohnt er hier in der Stadt?"

"Wer? – Der Constabler?"

"Nein, der Richter."

"Das versteht sich doch wohl von selber, wo denn sonst? Aber ich muss fort. – Nun, was gibt's jetzt noch?"

"Kennt Ihr ihn sonst nichtist er vielleichtwisst Ihr nicht, ob –"

"Neinkenne ihn weiter gar nicht," rief der Virginier und machte sich von der Hand, die ihn hielt, frei, "habe auch jetzt keine Zeit, denn ich möchte nicht gern zu weit zurückbleiben. Wollt Ihr mehr über ihn wissen, so steht da oben am Fenster seine Frau, die wird Euch nähere Auskunft geben." – Und er eilte fort, blieb aber gleich darauf unwillkürlich wieder stehen und sah sich nach dem jungen Burschen um. Die Hand, die er eben in der seinigen gehalten, war so weich und warm gewesender Hutrand hatte ihn bis jetzt noch ganz daran verhindert gehabt, das Gesicht des Kleinen zu sehen. Dieser musste sich indessen rasch von ihm abgewandt haben, denn er drehte ihm jetzt den rücken zu und starrte nach dem geöffneten Fenster hinauf, aus welchem Mrs. Dayton ängstlich der davonstürmenden Volksmenge nachschaute.

"Hallo, Mills!" rief da Cook dem Virginier zu, "kommtwir dürfen nicht die Letzten drüben sein."

"Ay, ay," lautete dessen Antwort, indem er dem Rufe rasch Folge leistete "bin gleich dortmerkwürdig zartes Bürschchen das," murmelte er dann vor sich selber hin, während er durch schnelleren Lauf das Versäumte wieder nachzuholen suchte, "die Hand fühlte sich an wie fliegendes Eichhornfellmuss mir ihn doch nachher einmal genauer betrachten."

Der junge Bursche stand vor Squire Dayton's Tür allein, und sein blick hing stier an dem lieblichen Frauenbild, das sich bleich und tränenden Auges aus dem Fenster bog.

Wenige Secunden schien er mit sich zu kämpfen, tat ein paar schnelle Schritte nach dem haus zublieb nochmals stehen, wandte sich, als ob er den Platz fliehen wollte, und trat dennoch plötzlich, wie von einem raschen Entschluss bestimmt, hinein. Gleich darauf schloss sich hinter ihm die Tür.

* * *

Im haus der sonst so genauen und ordentlichen Mrs. Louise Breidelford sah es gar wild und schauerlich aus. – Die stets festverschlossen gehaltene Haustür stand heute weit geöffnet, und aus und ein strömten Schaaren von Neugierigen, treppauf treppab in dem kleinen Gebäude. Freilich konnten sie nur ein einziges Zimmer betreten, die übrigen hatte der Constabler schon durch gewaltige Vorhängeschlösser verwahrt, und nur hier und da suchten die in reichlicher Anzahl versammelten Knaben und jungen Burschen durch Schlüssellöcher und Türspalten, wenn auch meist erfolglos, einen blick in die geheimnissvollen Räume zu gewinnen.

Oben in dem Zimmer aber, wo man die Leiche gefunden, standen in ernstem und feierlichem Schweigen die Leichenbeschauergeschworene Bürger von Helenaund sahen auf das bleiche, krampfhaft verzerrte Antlitz der Erschlagenen nieder. Wunden hatten sich weiter nicht an ihr gefunden, als am Kopf. Dort war die Haut von dem gewaltigen Faustschlag versehrt, und einzelne Tropfen geronnenen Blutes zeigten die Stelle an, wo sie zum Tod getroffen worden. Der Richter, der zu den Geschworenen trat, hielt ein Paket Papiere in der Hand, das man, nebst einigen Schlüsseln und einem Geldtäschchen, bei ihr gefunden und ihm überliefert hatte.

Der Constabler gab jetzt Bericht, wie man heute Morgen dem Mord auf die Spur gekommen: Die Wachen wollten, ihrer Aussage nach, in der Nacht einen Schrei gehört haben, waren jedoch später durch den Anblick der jetzt Ermordeten selbst beruhigt worden, und achteten nicht weiter darauf, bis sie, und zwar erst mit grauendem Morgen, zwei Männer aus eben dieser Strasse kommen und die Uferbank am Flusse hinaufgehen sahen. Wohl fiel ihnen jetzt der gehörte Schrei wieder ein, und sie schritten rasch hinter den Beiden her, verloren sie aber in Dunkelheit und Nebel bald wieder aus den Augen. Indessen war, aber doch erst mit Sonnenaufgang, das Mädchen zurückgekehrt, das Mrs. Breidelford am vorigen Abend zu ihren vor der Stadt wohnenden Eltern geschickt hatte, und fand zu ihrem Erstaunen die Haustür nicht allein nur angelehnt, sondern auch noch unten im haus Manches in höchst auffallender Unordnung. Rasch lief sie die Treppe hinauf, und ihr Hülfeschrei, als sie zurückschreckend die Leiche erkannte, rief bald nachher die Nachbarn zusammen. Dort konnte natürlich über den gewaltsam verübten Mordden noch überdies die wild in den Zimmern umhergestreuten Sachen als R a u b m o r d bestätigtenkein weiterer Zweifel bleiben. Der Ausspruch der Geschworenen lautete:

"Durch heftigen Schlag an den Kopf gewaltsam getödtet!"

Die Aufmerksamkeit der Männer richtete sich jetzt auf das Zimmer selbst, um hier vielleicht etwas zu entdecken, was auf die Spur der Mörder führen konnte. Besonders wichtig schienen hierbei einige Gegenstände, die man, neben einer geleerten Stew-Bowle und der niedergebrannten Lampe, auf dem Tische fand. Es waren dies eine kleine lederne Brieftasche, ein gewöhnliches, aber noch neues und erst wenig gebrauchtes Jagdmesser mit ordinärem Holzgriff, und zwei halbgerauchte und verlöschte Cigarren. Mrs. Breidelford, obgleich das sonst im Westen von Amerika nichts Ungewöhnliches gewesen wäre