1847_Gerstcker_147_169.txt

Sie werden ja käseweisssind Sie krank?"

"Krank? – Ich? Neinwahrhaftig nicht," sagte Squire Dayton schnell – "aber die Nachricht überraschte mich. – Ich weiss kaum, ob ich recht gehört habees wäre fürchterlich!"

"Was ich aus dem Gebrüll heraushören kann," sagte Cook und griff rasch nach seinem hut, "ist, dass sie einen gewissen Breidelford ermordet habenkenne den Menschen nicht." Und mit flüchtigen Sätzen sprang er die Treppe hinab, riss beinahe den Constabler um, dem Cäsar eben die Tür geöffnet hatte, und sprang mitten zwischen das Volk hinein.

"Hallo, Boys!" rief er, als er hier mehrere Bekannte aus der Nachbarschaft erblickte, "seid Ihr gekommen, die Gerichte zu holen, oder was gibt's sonst? Keine Spur von den Mördern gefunden?"

"Noch keine, Cook," sagte ein langer Virginier, der sich vorarbeitetete und dem Freunde die Hand bot; "ich denke aber, wir finden sie, haben auch noch gar nicht gesucht, denn die Burschen da wollten sich absolut erst den Richter holen, damit der Magistrat vor allen Dingen die Nase in die geschichte stecke. Nun, mir kann's recht sein, Zeit wär's aber, dass auch in Helena ein bischen nachgespürt würde."

"Schändlich ist's!" rief ein Anderer aus der Schaar – "eine arme alleinstehende Frau zu überfallen. – Das Haus muss versiegelt werden, bis ihre Verwandten kommenso eine gute, brave Seele, wie sie war."

"Nun, ihre G ü t e liess sich allenfalls noch tragen," murrte Einer von der entgegengesetzten Seite, "sie hat in letzter Zeit besonders viel mit verdächtigem Gesindel verkehrt. – Aber, Donnerwetter, wenn das hier dem Einen mitten in der Stadt passiren kann, so ist auch der Andere nicht besonders sicher, und da müssen wir doch sehen, ob wir den Mörder nicht herausbekommen können."

"Heda, Richter!" schrie jetzt ein Vierter aus der Menge, "macht, dass Ihr herunterkommtdie Zeit vergeht und die Schufte gewinnen mit jeder Minute nur noch grösseren Vorsprung."

"Gentlemen," sagte Squire Dayton, der neben dem Constabler in der Tür erschien, und die Versammelten aufmerksam und forschend zu prüfen schien, mit tiefer, fast tonloser stimme, "es ist, wie ich eben höre, ein entsetzlicher Mord geschehen. Ohne Zögern sollen augenblicklich die nötigen Vorkehrungen –"

"Ist schon sämmtlich in bester Ordnung besorgt," fiel ihm hier der Virginier ohne grosse Umstände in die Rede, "der Constabler hat gleich Alles getan, was sich für den Augenblick nur tun liess. Vor allen Dingen haben wir den Fluss besetzt, dass uns kein Kahn entrinnen kann. Es fehlt jetzt nur noch eine Untersuchung des Hauses selbst, ob wir dort vielleicht irgend eine Spur von den Mördern finden, und wir wollten Euch dazu abholen, Sir, damit die Sache doch auch ein bischen gesetzlich aussehe und wir später keine weiteren Umstände haben."

Der Richter schaute wie in tiefen Gedanken die Strasse hinunter und hinaufsein Antlitz hatte eine unheimliche Blässe angenommen, und seine Augen blickten stier und glanzlos. Die Wege, die er übersehen konnte, waren menschenleer, Alles schien sich dem Schauplatze des Mordes zugedrängt zu haben. Da tönte das Geräusch knarrender Ruder an sein Ohr. – Sein blick flog über den Strom hin und erkannte dort eins jener mächtigen Kielboote, die im Westen Amerikas gewöhnlich noch solche Flüsse befahren, auf denen Dampfer nicht gut angewandt werden konnten, wie sie auch manchmal auf dem Mississippi zu allerlei Zwecken benutzt und, mit Waaren beladen, stromab geführt werden. Es trieb augenscheinlich auf die Stadt zu, und vier Bootsleute arbeiteten langsam mit den schweren Finnen das breitbauchige Fahrzeug dem Land entgegen. Dayton's Lippen umzuckte aber ein triumphirendes Lächeln, denn auf der langen knarrenden Steuerfinne der sogenannten A r c h e 2) flatterte ein rot und grünes Fähnchen.

"Habt Ihr die Geschworenen schon zusammengerufen, Constabler?" fragte er und wandte sich gegen diesen.

"Ja, Sir," sagte der Mann, "sie werden wohl schon oben sein."

"So komm, Gentlemen," entgegnete der Squire und schritt, von den Wenigen gefolgt, die bis dahin noch zurückgeblieben waren, rasch dem haus der witwe zu.

Cook war schon ein kleines Stück voraus, und der Virginier wollte ebenfalls gerade folgen, als er sich von der Hand eines jungen Burschen gehalten fühlte, der ihn wie schüchtern mit einem kaum hörbaren "Sir" anredete.

Er ging in die gewöhnliche Tracht der Hinterwäldler gekleidet aber Alles, was er trug, schien nicht für ihn gemacht, und viel zu weit und gross. Der blaue grobe Rock hing ihm förmlich auf den Schultern, und die Aermel bedeckten fast seine hände. Besonders war ihm der alte schwarze Filz bis tief in die Augen hineingerutscht. Der Virginier lachte, als er ihn ansah.

"Sir," sagte der Kleine und wandte sich, um den Davoneilenden nachzusehen, halb von dem Mann, mit dem er sprach, ab – "war der Eineich meine den mit dem weissen Filzhutwirklich der Richter hier aus Helena?"

"Ja wohl, mein Bursche," sagte der Lange – "weshalb?"

"Und er heisstwie heisst er