dem Befinden der Kranken zu geben."
"Dann leg' Dich aber auch nachher selbst ein wenig nieder," sagte Mrs. Dayton, "Ruhe wird Dir gut tun, Du hast ja fast die ganze Nacht kein Auge geschlossen."
"Ich bin nicht ermüdet," entgegnete Adele wehmütig – "ach wie gern wollte ich Nacht für Nacht an der Unglücklichen Bett sitzen, wenn ich nur dadurch ihren Zustand um das Mindeste lindern könnte. Wo aber Mr. Hawes sein mag? Wie Mrs. Lively Cäsar draussen gesagt hat, ist er schon gestern Nachmittag hierherzu aufgebrochen. Es ist doch kaum wahrscheinlich, dass er gleich übergefahren wäre, ohne noch einmal hier erst vorzusprechen."
"Sollte er vielleicht von dem Zustand seiner Frau Kunde erlangt haben und, ihren Aufentalt nicht kennend, nach haus gesprengt sein? – Aber wahrhaftig – da kommt er die Strasse herab und zwar im vollen Carrière gerade auf unser Haus zu. – Der arme – arme Mann!"
"Das ist Mr. Hawes nicht!" rief Adele, die sich rasch nach ihm umwandte und den blick hinabwarf, "das ist der Mann, dessen Kleider er gestern trug – Mr. Cook – was mag d e r wollen?"
Der Reiter zügelte in diesem Moment, und zwar dicht vor ihrem eigenen haus, sein schnaubendes Pferd scharf ein, sprang aus dem Sattel und gab sich nicht einmal die Mühe, das schäumende Tier anzuhängen. Ruhig liess er ihm den Zügel auf dem Sattelknopf liegen und trat rasch in die Tür, während sein Pony erst den schlanken, schöngeformten Hals schüttelte und den Kopf auf- und niederhob, dass der weisse Schaum rings um es her flog, und dann mit dem rechten Vorderhuf den Grund vor sich zerscharrte und stampfte, als ob es nur ungeduldig hier des Herrn warte und die Hetze so schnell als möglich fortzusetzen wünsche.
Im nächsten Augenblick wurde Cook's rascher Schritt auf der Treppe gehört und seine stimme fragte nach Squire Dayton. Mrs. Dayton übernahm aber hierauf die Antwort; sie öffnete die Tür und bat den jungen Farmer einzutreten. Dieser leistete allerdings der Einladung augenblicklich Folge, entschuldigte sich aber auch zugleich mit der dringenden notwendigkeit der Sache, dass er so ungebeten und in so wildem Aufzug vor ihnen erschiene.
"Ich muss den Squire sprechen, Ladies, und möchte Sie bitten, mich sobald als möglich zu ihm zu führen. – Es betrifft Sachen von dringendster Wichtigkeit," sagte er heftig.
"Ich will ihn gleich rufen, Sir," erwiderte Mrs. Dayton, "er schläft noch, müde und matt von gestriger, vielleicht zu grosser Anstrengung –"
"Dann tut es mir leid, ihn gleich wieder so in Anspruch nehmen zu müssen," sagte Cook, "aber die Sache, wegen der ich hier bin, betrifft Leben und Eigentum von vielleicht Tausenden und wird, wie ich fast fürchte, unserer ganzen Energie, unseres stärksten Zusammenwirkens bedürfen, ihr mit Erfolg zu begegnen. Doch Mr. Hawes hat dem Squire wahrscheinlich gestern schon einen ungefähren Ueberblick über das, was wir entdeckten, gegeben."
"Mr. Hawes?" riefen beide Frauen erstaunt und zu gleicher Zeit aus, und Mrs. Dayton, die schon die Türklinke in der Hand hatte, blieb stehen.
"Mr. Hawes war nicht hier – wir haben ihn jede Stunde, ja jeden Augenblick erwartet," versicherte Adele – "der Neger brachte den Brief an ihn wieder zurück."
"Ja – allerdings, aber – wie ist mir denn?" sagte Cook verwundert, "er kann sich doch wahrlich auf der ebenen, breit ausgehauenen Strasse nicht verirrt haben, und sprengte doch gestern Nachmittag nicht allein nach Helena, um selber Squire Dayton aufzusuchen, sondern sogar mit in unserm Auftrag, um ihm vorläufig eine Meldung zu machen, damit er die nötigen Schritte tun könne."
"Er war nicht hier."
Cook blickte sinnend vor sich nieder und stampfte endlich, ziemlich in Gedanken, ungeduldig und fest den schweren Hacken so stark auf den Teppich, dass die Gläser auf dem Tische aneinander stiessen. Er schrak zusammen und errötete; andere Gedanken verdrängten aber bald diese Kleinigkeit. – Er strich sich, wie im Nachdenken über etwas, das er nicht recht begreifen könne, langsam mit der Linken über die Stirn und flüsterte dann noch einmal, aber mehr mit sich selber redend, wie als Frage:
"Also Mr. Hawes war n i c h t hier?"
"Nein, mit keinem Schritt!"
"Ach, bitte, Mrs. Dayton – rufen Sie den Squire," sagte der junge Farmer jetzt plötzlich – "ich muss ihn wahrhaftig sprechen, denn ich fürchte fast –"
"Was fürchten Sie?" rief die Frau besorgt – "ist denn etwas so Erschreckliches vorgefallen – betrifft es meinen Mann selber?"
"Nein, nein," beruhigte sie Cook, "ganz und gar nicht, ich verlange auch nicht M i s t e r D a y t o n , sondern den S q u i r e in ihm zu sehen. – Ich habe überhaupt noch gar nicht einmal das Vergnügen, ihn persönlich zu kennen."
"So will ich ihn rufen; bitte, bleiben Sie einen Augenblick hier bei Adelen, ich bin gleich wieder zurück."
Sie verliess rasch das Zimmer, und Cook, die junge Dame fast gar nicht beachtend, ging