, konnte jedoch kein Wort davon verstehen, und beschloss nun auf jeden Fall herauszubekommen, was es sei, das sie so geheim zu halten wünschten. Durch fragen würde sie nie etwas erfahren haben, das wusste sie recht gut, List musste ihr also helfen, und ihr eifriges Nicken wie ihr ziemlich gut nachgeahmtes schweres Atmen täuschte auch die beiden Verbrecher bald so weit, dass Cotton, dem jetzt vor allen Dingen daran lag, etwas Näheres über die Gefahr, die ihnen drohe, zu hören, erst eine Weile nach der Schlummernden hinüberhorchte und sich dann mit leise geflüsterter Rede wieder an den Kameraden wandte.
Sander erzählte ihm jetzt, aber ebenfalls noch mit unterdrückter stimme, die begebenheiten auf Lively's Farm (wobei er jedoch natürlich verschwieg, was ihn selbst dortin geführt habe) und riet ihm dann, sich nur an Kelly zu wenden und Unterstützung von ihm zu verlangen. – Er würde sie ihm keinesfalls versagen.
"Aber treff' ich den kapitän auch?" fragte Cotton ängstlich – "bedenkt, Mann, hier kann das Leben an jeder Secunde hängen. Finden sie mich, so werden, davon mögt Ihr überzeugt sein, wahrhaftig keine Umstände gemacht – mich knüpfen sie an dem ersten besten Baum auf. Hätt' ich den Rückhalt der Insel nicht gehabt – nie würde' ich so keck den ganzen Staat fast herausgefordert haben. Jetzt ist mir der mit einem Schlage abgeschnitten, und ohne einen Cent in der tasche weiss ich bei Gott nicht, w i e ich entkommen soll. Wie wär's denn, wenn wir lieber gleich aufbrächen und nach dem 'grauen Bären' hinaufgingen? Die Strassen sind ruhig, und mir brauchen nicht zu fürchten, dass uns Jemand sieht."
"Noch nicht," sagte Sander – "erst muss ich mit der Frau da reden."
"Und glaubt Ihr, dass sie Euch g u t w i l l i g Geld auszahlen werde?" fragte Cotton lauernd.
"Ja," sagte der junge Verbrecher – "ich kenne einen Zauberspruch, der sie wahrscheinlich überreden wird."
"Hm – vielleicht derselbe, der mir hier Einlass verschafft hat – aber sie m u ss sich fügen. – Die Pest über sie! – sie hat das Geld, und wir –" sein blick flog, durch die linke Hand gegen den blendenden Schein des Lichts gedeckt, nach der Gestalt der Frau hinüber, aber mit einem lauten Ausruf der Ueberraschung sprang er empor und rief, als er die grossen grauen Augen der schlafend Geglaubten fest und entsetzt auf sich gerichtet sah – "verdammt, sie schläft nicht!"
"Nun, Sir?" fragte die Witwe, die trotz der fürchterlichen Angst, die ihr für den Augenblick den Atem zu benehmen drohte, dennoch ihre Geistesgegenwart behielt – "das ist dann wahrhaftig nicht E u r e Schuld. Wenn Ihr so verwünscht langweilige Geschichten erzählt, könnt Ihr kaum verlangen, dass man die Augen offen behält – Jesus, die Lampe geht ja beinahe aus – wie spät ist's denn?"
Die Blicke der beiden Männer begegneten sich, was sollten sie tun? – Wie sollten sie sich benehmen?
"Zehn Uhr muss es vorbei sein," sagte Sander endlich – "ich habe die Stöcke der Wachen schon unten an der Strassenecke gehört."
"Dann will ich noch ein wenig Oel für die Lampe holen," sagte Mrs. Breidelford, während sie aufstand und sich nach der Tür wandte – "nachher zeig' ich Euch Euer Bett – Ihr müsst Beide vor Tagesanbruch unterwegs sein und wollt doch vorher ein wenig schlafen."
Sie erfasste die Klinke und wollte eben die Tür öffnen, aber das Herz drohte ihr dabei vor Furcht und Entsetzen die Brust zu zersprengen. Der blick des Mörders, dem sie begegnet, hatte ihr das Schrecklichste verraten – ihr Leben stand auf dem Spiel. – Nur noch zwei Schritt, und sie konnte die Tür von aussen verriegeln und das Freie erreichen – nur noch eine Secunde, und sie war gerettet – ihr Fuss betrat die Schwelle, und Sander, der an einen Gewaltstreich kaum gedacht, sah ihr unschlüssig nach. Da sprang Cotton, der ihre Absicht ahnte, und jetzt wusste, es galt das Aeusserste, rasch auf sie zu und fasste, als sie gerade die Tür hinter sich zuziehen wollte, ihren Arm.
"Mörder!" schrie die Frau in Todesangst, und der Ruf hallte gellend und schauerlich in dem leeren haus wieder – "Mör –"
Es war ihr letztes Wort gewesen – Cotton's Faust, voll riesiger Kraft geführt, schmetterte sie mit einem einzigen Schlag bewusstlos zu Boden, und Sander sprang in wildem Entsetzen empor. Kein laut unterbrach Minuten lang die Stille, und der ausgestreckte Körper der unglücklichen Frau lag auf der Schwelle ihres eigenen Zimmers.
"Cotton," flüsterte Sander endlich und sah sich erschreckt um, "was habt Ihr getan – ist sie tot?"
"Ich weiss nicht," brummte der Mörder und wandte sich scheu von der zu Boden Geschlagenen ab – "macht jetzt schnell, dass wir finden, was wir brauchen – wo hat sie denn wohl ihr Geld aufbewahrt? Donnerwetter, Mann, steht nicht da, als ob Ihr mit Tran begossen wäret; jetzt ist keine Zeit mehr zum Gaffen; 's ist geschehen, und an uns liegt's nun, den Zufall so gut als möglich zu benutzen."