1847_Gerstcker_147_159.txt

ihn zehn Pfund Seife nicht wieder herausbringen!" erwiderte Mrs. Breidelford.

"Wir rauchen Jeder nur eine einzige," beteuerte Sander – "seien Sie nur nicht so harterzig. – Ach, Mrs. Breidelford, ich habe auch drüben einen Kasten mit Bändern und Pariser Blumen stehen."

"Wie die Herren artig und höflich sein können, wenn sie von einem armen Frauenzimmer etwas haben wollen," sagte Mrs. Breidelford, aber schon bedeutend milder gestimmt – "also Bänder und Blumen? Ach Du lieber Gott, was sollte eine alte Frau, wie ich bin, mit Bändern und Blumen? Uebrigens sehen möchte' ich sie doch einmales wäre doch möglich –"

"Alte Frau?" wiederholte staunend Sander – "alte Frau? Mrs. Breidelford, ei, ich möchte Ihnen nicht gern widersprechen, aber so viel weiss ich doch, dass Sie es in m a n c h e n Stücken mit den Jüngsten –"

"OhSchmeichler!" – sagte Madame und schlug naiv lächelnd nach ihm – "aber ich sehe schon, ich werde die Cigarren holen müssen. Nein, ich danke, ich brauche kein Lichtich bin gleich wieder oben;" und mit raschen Schritten verliess sie das Zimmer und eilte die Treppe hinab.

"Ihr könnt nicht auf die Insel!" flüsterte Sander schnell, als sich die Tür hinter der Frau schloss – "der Mulatte, der mit Euch floh, ist gefangen und hat Alles bekannt. – Wir sind verraten und müssen sobald als möglich fliehen."

"Was? Die Insel verraten?" rief Cotton wirklich erschreckt – "also auch der letzte Zufluchtsort abgeschnittenPest und Tod! Das fehlt nochund was habt I h r jetzt im Sinn?"

"Mrs. Breidelford muss mir Geld vorstrecken. Sie weiss noch nichts von der uns drohenden Gefahr, und braucht es auch jetzt noch nicht zu erfahren."

"Hat sie Geld?"

"Sie leugnet es zwar immer, ich bin aber fest überzeugt, dass sie Tausende liegen hatsie ist zu schlau, als dass sie umsonst Jahre lang die Hehlerin eines solchen Geschäfts gewesen sein sollte."

"Und Ihr glaubt, dass sie Euch gutwillig Geld gibt?" fragte Cotton rasch.

"Ruhignicht so lautich hoffe es wenigstens, das bleibt auch meine einzige Aussicht, denn wir Alle müssen jetzt flüchtig werden, und verbreitet sich erst einmal das Gerücht im land, dass ein solches Nest aufgehoben und die Mannschaft zerstreut sei, dann wäre Der, der o h n e Geld entkommen wollte, rein verloren. Jeder erbärmliche Farmer würde zum Polizeispion, und er würde den Gerichten überliefern, was ihm nur irgendwie verdächtig vorkäme."

"Und wann wollt Ihr fort?" fragte Cotton.

"Ich ginge gleich," erwiderte Sander mürrisch – "aber noch hoff' ich, dass wir bis morgen Abend ungestört bleiben; dann haben wir unten unsere Hauptversammlung und auch Teilung der Beute. – Jedenfalls muss ich mich aber auf das Aeusserste vorsehen, und dazu soll mir unserer freundlichen Wirtin Schatzkammer helfen."

"Wenn aber," sagte Cotton sinnend und sah starr vor sich nieder – "wenn aber nunwenn wir aber nunnoch diese Nacht ein sicheres Unterkommen brauchtenwäre das hier in Helena zu finden?"

Sander sah ihn fragend an und sagte dann endlich mit einem halb spöttischen Lächeln:

"Das s i c h e r s t e liegt uns hier schräg gegenüberein guter Bekannter von mir ist dort einquartiert."

"Unsinn," brummte Cotton – "wisst Ihr keinen Platzbstich glaube, die Frau kommt wiederwisst Ihr keinen Platz," fuhr er schnell, mit noch viel leiserer stimme fort, "wo man, so lange es morgen Tag ist, vor Nachforschungen sicher wäre?"

"Gerade über der Stadt obenfragt nur nach dem 'grauen Bären'," flüsterte Sander schnell zurück "haich glaube, unsere Mistress horcht!"

Die beiden Männer sassen einige Minuten schweigend neben einander, bis die Tür, ohne dass sie vorher einen Schritt gehört hätten, aufging und Mrs. Breidelford mit den erbetenen Cigarren eintrat. Sander war nun allerdings ganz Freundlichkeit. Er bat die Dame, an ihrem Tische mit Platz zu nehmen, um doch auch ein Glas von dem höchst delicaten Stew zu kosten, während Cotton, ganz in seine Gedanken vertieft, fast bewusstlos näher zum Lichte rückte, die Cigarre an der hellen Flamme zu entzünden. Mrs. Breidelford dankte aber und schöpfte sich nur ein kleines Töpfchen voll Stew aus der Bowle, trug dieses in die entfernteste, dunkelste Ecke des Zimmers, wohin sie sich auch einen anderen Lehnstuhl zog, und schien nunihrer sonstigen Gewohnheit sicherlich ganz entgegengesetztgar nicht den mindesten Anteil mehr an dem ferneren Gespräch der Männer zu nehmen. Ja, als diese noch ein halbes Stündchen etwa unter sich geplaudert, bewies der vorgebeugte Oberkörper und das unregelmässige, oft lebensgefährlich aussehende Nicken des grossbehaubten Kopfes, dass Madame dem Schlummergott in die arme gesunken und heute Abend auf jeden Fall für die Unterhaltung verloren sei.

Dem war keineswegs soMadame behielt ihre Sinne so gut beisammen wie irgend einer der beiden Männer, aber ihr Verdacht war erregt worden. An der Tür draussen hatte sie gehört, wie jene leise zusammen flüstertensie horchte eine ganze Weile