nicht vorstellen. Aber nun sagt mir auch – wie steht's mit der Insel – wie sind die Bedingungen, unter denen man aufgenommen werden kann, und w a s hat man dafür zu tun? Es ist nicht um der Gewissensbisse willen, aber man möchte doch gern, eh' man in eine solche Falle geht, ein klein wenig vorher wissen, was dort von Einem verlangt wird. Nun? Ihr schweigt? Ihr habt doch nicht etwa Angst, dass ich Euch verraten könnte?"
Sander schüttelte mit dem Kopf und sah eine Weile sinnend vor sich nieder. – Sollte er jetzt dem Mann von der Gefahr sagen, in der sie schwebten? – Dass Alles auf dem Spiele stand und ihre ganze Sicherheit an einem Haar hing? – Nein – Mrs. Breidelford war noch im Zimmer, oder ging doch wenigstens ab und zu, und erfuhr s i e das, so blieb ihm natürlich keine Hoffnung, auch nur einen Cent von ihr zu erhalten. –
"Das hat keine Gefahr, Cotton," sagte er endlich, "also Ihr wollt mit hinüber? – Kennt Ihr denn schon die Wirksamkeit der Insel?"
"Ih nun, Rowson hat mir einmal einen kurzen Ueberblick gegeben. – Es existirt auch ein gewisses Zeichen, nach dem sie Einen aufnehmen."
"Allerdings – kennt Ihr aber auch den Schwur, den Ihr leisten müsst?"
"Ich kann ihn mir wenigstens sehr lebhaft denken," brummte Cotton – "doch – heraus mit der Sprache – seid nicht so verdammt geheimnissvoll. Donnerwetter, Mann, bei m i r habt Ihr doch weiss Gott nichts zu fürchten, denn wenn irgend Einer in der weiten Welt Ursache hat, Schutz zu suchen, so bin ich es."
Mrs. Breidelford hatte in diesem Augenblick das Geschirr hinausgetragen, und Sander bog sich rasch zu Cotton hinüber und flüsterte:
"Lasst die Alte nur erst zu Bette sein. Ich habe
Euch wichtige Nachrichten mitzuteilen, von denen s i e aber gerade nichts zu wissen braucht."
"So? über die Insel?"
"Ruhig – sie kommt wieder – reden wir jetzt lieber
von etwas Anderem."
In diesem Augenblick trat die würdige Dame wie
der ein, und Sander erzählte jetzt lachend dem Kameraden, wie sie vorhin, unten vor ihrer Tür, einen ganz unschuldigen Mann verhaftet hätten, von dem sie fürchteten, dass er ihnen gefährlich werden könnte.
"Nun, wie ist's?" sagte da Mrs. Breidelford und
trat mit zum Tisch – "wie steht's? Schon verabredet? Geht Cotton mit hinunter? 's ist das Beste, Mann, was Ihr tun könnt, und ich würde noch diese Nacht dazu benutzen". Louise, sagte mein Seliger immer, "schneller Entschluss, guter Entschluss – nur nicht zaghaft, wenn Du auch eine Frau bist." – "Ein merkwürdiger Mann war Mr. Breidelford – Gentlemen, und –"
– "Musste ein so unglückliches Ende nehmen," fiel
Sander hier mit einem Seitenblick auf Cotton ein.
"Unglückliches Ende, Sir?" rief Madame schnell,
und ihre Blicke flogen von einem der Männer zum andern. – "Unglückliches Ende? Oh, ich weiss recht gut, was Sie damit meinen, Sir. – Pfui, schämen Sie sich, Mr. Sander, solche niederträchtigen Gerüchte auch noch in den Mund zu nehmen, seine Zunge solchen nichtswürdigen Verläumdungen zu leihen. – Aber ich sehe wohl, wie es ist; mein Seliger, das liebe, gute Herz, hatte ganz Recht – Louise, sagte er immer –"
"Lassen Sie's gut sein, meine liebe Mrs. Breidelford," sagte Sander rasch und suchte ihre Hand zu ergreifen, die sie ihm jedoch unwillig entriss – "'s war wahrhaftig nicht so bös gemeint, Sie müssen auch nicht immer gleich das Schlimmste darunter verstehen. Haben Sie mir nicht selbst einmal versichert, dass Ihr Seliger gesagt hätte – Louise, sagte der gute Mann, der nun im grab liegt – denke nicht gleich von Jedem das Schlimmste – die Welt ist besser, als man sie macht?"
"Ja, Mr. Sander, das hat er gesagt, mehr wie tausendmal hat er das gesagt," fiel hier die Frau, an ihrer schwachen Seite angegriffen, schnell beruhigt wieder ein, "und darin hab' ich ihm auch gefolgt. – Breidelford, sagte ich oft – ich weiss, Du hast Recht, und wir sind Alle sündige Menschen, aber ich kenne meine Schwäche, und wenn ich auch in manchen Stücken selbst schwach und fehlerhaft sein mag, meine Nebenmenschen acht' ich und verehr' ich, und bisse mir eher die Zunge ab, eh' ich mir ein böses Wort gegen sie über die Lippen kommen liesse."
"Nun sehen Sie wohl, beste Madam," fiel hier Cotton, mit einem spöttischen Zucken um die Mundwinkel, beruhigend ein – "es ist manches nicht so schlimm, wie es aussieht. Aber – um was ich Sie noch bitten wollte – Sie redeten mir da erst von Cigarren. – Denken Sie, ich habe seit drei Wochen keine vernünftige Cigarre geraucht und vergehe fast vor sehnsucht danach. – Nicht wahr, Sie tun mir den Gefallen?"
"Und habe nachher mein bestes Zimmer so verräuchert, dass ich mich zu tod pusten kann? Der Geruch zieht Einem in die Betten, dass