bitte ich also um Beseitigung der ersten vier, nachher wollen wir über die anderen reden. Mrs. Breidelford, mein Name ist S a n d e r , und ich habe schon früher das Vergnügen gehabt –"
"Ei so soll Einem doch der liebe Gott in Gnaden beistehen!" rief die Frau im höchsten Erstaunen aus – "geht dem nicht das gesegnete Mundwerk wie die Yankee-Dampfmühle am Whiteriver. Was wollt Ihr von mir, Sir? Was kommt Ihr in später Nacht in einzelner und allein stehender Frauen Häuser, und macht zuerst einen Lärm vor der Tür, dass die ganze Nachbarschaft aufmerksam werden m u ss ? Bin ich hier in Helena, um Logis für vagabondirende Landstreicher zu halten, soll ich jeden hergelaufenen Bootsmann bei mir aufnehmen, jeden nichtsnutzigen Galgenstrick der gerechten Strafe entziehen? Aber das geschieht mir schon recht, mein Seliger – wenn er jetzt von oben auf mich herabsieht, weiss er, dass ich die Wahrheit rede – mein Seliger hat mir das schon immer tausendmal gesagt – und tausendmal reichen nicht – Louise, sagte er – halt, was soll's da? Die Tür ist verschlossen – was wollt Ihr an der Tür?"
"Nur Einlass, holde Louise," sagte lächelnd Sander, "wenn nicht hier, doch oben – ich höre solche moralische Bemerkungen des alten seligen Breidelford ungemein gern, aber ich muss ein Glas heissen Grog oder Stew vor mir und einen weichen, behaglichen Sitz unter mir haben – also, wenn's gefällig wäre –"
"Die Tür da ist verschlossen, sag' ich," rief Mrs. Breidelford jetzt wirklich ärgerlich, "hol' Euch doch der Henker, Mann, was wollt Ihr? Weshalb kommt Ihr her?"
"Nachtquartier will ich, teuerste Louise," erwiderte Sander mit unzerstörbarem Gleichmut – "Nachtquartier, ehrbare Wittib, und einen guten warmen Imbiss, um dabei mit Dir von einigen Geschäftssachen reden zu können."
"Das geht nicht – ich beherberge Niemanden," rief Mrs. Breidelford schnell – "kommt morgen am Tage wieder, wenn Ihr Geschäfte mit mir abzumachen habt."
"Mrs. Breidelford!"
"Geht zum Teufel mit Eurem Unsinn, ich will nichts mehr hören – macht, dass Ihr fortkommt, oder ich rufe, so wahr ich selig zu werden hoffe, den Constabler."
"Mrs. Breidelford," sagte Sander mit sanfter, schmelzender stimme – "teure Mrs. Breidelford – wollen Sie einen Unglücklichen von Ihrer Schwelle, wollen Sie mich jetzt in den feuchten Nebel, fast in der Gewissheit eines lebensgefährlichen Schnupfens und Katarrhs, harterzig hinausstossen?"
"Geht gutwillig, Sir, oder ich rufe wahrhaftig den Constabler," rief die Frau und schob die beiden Riegel wieder zurück. Sander aber, der jetzt einsah, dass er den Scherz weit genug getrieben, flüsterte ernst und drohend:
"Halt, Madame, nicht weiter! – Gutwillig w o l l e n Sie mich nicht hören, meine Bitten konnten Sie nicht bewegen, so mag die F u r c h t Sie dazu zwingen!"
"Furcht, Sir?" rief Madame heftig auffahrend.
"Soll ich Ihnen vielleicht einen Namen nennen, der, wenn nur laut geflüstert, Ihren Hals schon dem Henker überliefern würde?" sagte Sander jetzt mit immer gesteigerter stimme, – "soll ich Ihnen einen N a g e l nennen, der der Nagel Ihres Sarges werden könnte? – Soll ich Ihnen – doch nein," brach er plötzlich ruhiger ab, "ich will das nicht tun, ich bitte Sie nur um ein Nachtlager und Speis' und Trank, das Uebrige bereden wir drin – ich bin ein F r e u n d – Sie verstehen, was ich damit meine. Kann ich hier bleiben?"
Mrs. Breidelford sah ihn verstört an – ein leichtes Lächeln spielte um seine Lippen, und seine Augen schienen ihr in nur zu deutlicher Sprache zu sagen: ich weiss mehr, als ich Dir jetzt mitteilen will – hüte Dich. – Ihr Gewissen schlug sie – ihr Herz klopfte ängstlich – und sie sagte mit zitternder stimme, die sie nur noch durch angenommene Verdriesslichkeit zu verdecken suchte:
"Ei, zum Henker! Sir, Ihr gebraucht sonderbare Worte, Jemanden um eine gefälligkeit zu bitten, aber – geht nur hinauf – 's ist ein hässlicher Abend heute, und – es ist auch noch Jemand oben, den Ihr vielleicht kennt. eigentlich ist mir's sogar lieb, dass ich mit dem – mit dem Herrn nicht ganz allein bleibe. – Nein, hier ist die Treppe – ach Du lieber Gott, ob denn mein Seliger nicht Recht hatte, wenn er sagte – Louise – es sind seine eigenen Worte –"
"Bitte, Madame, wen soll ich oben finden, wenn ich fragen darf?" unterbrach sie Sander hier, "Sie werden begreifen, dass ich nicht j e d e Gesellschaft –"
Louise Breidelford sah sich einen Augenblick um, als ob sie selbst hier fürchte, gehört zu werden, und flüsterte dann, während sie mit dem Lichte rasch an ihm vorbei- und die Stiegen hinaufschritt:
"Henry Cotton – I h r werdet begreifen, dass ich Ursache hatte, vorsichtig zu sein, ehe ich Gäste einnahm".
"Hm," sagte Sander und blieb, sinnend das rohe Treppengeländer mit der einen Hand erfassend, noch einen Augenblick unten