ihre künftige Glückseligkeit an dem schnellen Ueberladen der Fracht, und als handle es sich hier nicht darum, einem Kampf mit Verzweifelten, vielleicht dem Tod entgegen zu gehen, schlossen die beiden Männer in der Kajüte den Handel ab. Das der Dame gegebene Versprechen durfte den alten Mann jetzt auch nicht länger hindern, denn diese erklärte, nach den Vorfällen der letzten Nacht viel lieber wieder mit dem Black Hawk nach Helena zurückkehren und das nächste Dampfboot stromab benutzen zu wollen, als sich noch einmal solcher Gefahr auszusetzen. Ueberdies konnte man nicht wissen, ob die Verbrecher nicht vielleicht auf ihren Booten flüchtig geworden wären oder noch würden, und dann machten sie gewiss den Strom auf die nächste Zeit unsicher.
Die Zerteilung des Nebels war nun das einzige, was noch abgewartet werden musste, und ein frischer Morgenwind, der sich gegen Sonnenaufgang erhob, liess sie in dieser Hinsicht das Beste hoffen. Indessen verträumten sie ihre Zeit nicht unnütz; alle Vorbereitungen wurden getroffen, einem gefährlichen Feind zu begegnen, die Waffen in Ordnung gebracht und die Leute gemustert. Der kapitän wollte anfangs Freiwillige auswählen, die erste Landung mit diesen zu wagen, sah sich aber bald gezwungen, selbst eine Auswahl zu treffen, denn A l l e traten vor und verlangten, den ersten Fuss an Land setzen zu dürfen. Ausser ihren gewöhnlichen Waffen empfingen die Leute noch, um das von O'Toole beschriebene Dikkicht zu durchdringen, Beile, Aexte und schwere Messer, so viel sich auftreiben liessen, und ihr erster Angriff sollte sich auf den Platz richten, von dem die Männer auf der Insel gesprochen – die untere Spitze, wo aller Wahrscheinlichkeit nach ihre Boote versteckt lagen. Gelang es, sich dieser zu bemächtigen, so schnitten sie den Piraten die Flucht ab, und der Tapferkeit der Angreifenden blieb es in dem Fall allein überlassen, der gerechten Sache den Sieg zu gewinnen.
30.
Mrs. Breidelford und ihre Gäste.
Der Leser muss noch einmal mit mir zu jener Zeit zurückkehren, wo Tom Barnwell, so unerwarteter Weise angeklagt und verhaftet, von dem Constabler dem gefängnis oder der sogenannten County jail zugeführt wurde, während der Squire mit Sander den Weg nach dessen eigenem haus einschlug. Diese Jail befand sich aber in derselben Strasse mit Mrs. Breidelford's Haus, und zwar gerade schrägüber von ihm, auf der andern Seite des schon früher erwähnten freien Platzes, so dass also die beiden Männer, sobald sie in die links abführende Strasse traten, den dem Gefangenen nachdrängenden Menschenhaufen verliessen. Tom dagegen sah sich bald darauf in einer kleinen, nach dem Platz hinausführenden Zelle einquartirt und seinem eigenen, nichts weniger als angenehmen Nachdenken überlassen.
Unruhig schritt er in dem engen, dunkeln Raum auf und ab und suchte sich die wunderlichen Vorgänge dieses Abends nach Möglichkeit zusammen zu reimen; doch umsonst, des Richters Betragen selbst blieb ihm rätselhaft, und dass Hawes ein Schurke sei, bezweifelte er jetzt keinen Augenblick mehr. War er Bubenstücks verhindert zu werden? Er blieb – als ihm dieser Gedanke zum ersten Mal das Hirn durchzuckte, schnell und betroffen stehen und sah starr vor sich nieder. War das möglich? – Nein, nein, der wirkliche Constabler hatte ihn ja verhaftet – der Richter war dabei gewesen, das konnte nicht sein; ja der Mann selbst, der ihn beschuldigt, war ihm fremd, er hatte ihn in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen, das wusste er gewiss; es musste also ein Irrtum sein, der sich bald aufklären würde. Sollte er aber indessen hier sitzen? Edgewort hätte unmöglich so lange auf ihn warten können – und Marie? – Was wurde aus dem armen, unglücklichen Wesen?
Wiederum schritt er schnell und heftig auf und ab und suchte in der raschen Bewegung auch jene wilden, tobenden Gefühle zu beschwichtigen, die ihm Herz und Sinn durchglühten. Endlich, als sein Blut anfing, sich ein wenig abzukühlen, trat er an das kleine, durch schwere Eisenstäbe wohlverwahrte Fenster und blickte in die nebligte, nur hier und da von einem mattschimmernden Licht erhellte Strasse hinaus.
Der Platz vor der Jail war menschenleer; Die, die ihm dortin gefolgt, hatten gesehen, wie sich die schwere eichene Tür hinter ihm schloss – eben diese Tür dann noch eine Weile angestarrt und nun langsam wieder den Weg nach ihren verschiedenen Wohnungen eingeschlagen. Nur ein einzelner Mann kam durch die Strasse herunter und blieb – er hatte sich den Ort deutlich genug gemerkt – gerade vor demselben haus stehen, vor dessen Tür er jenen jungen Mann überrascht hatte. Sollte das Hawes wieder sein? War er zurückgekehrt von seinem kranken weib? Und suchte er jetzt noch einmal da, wo ihm der Einlass früher verweigert worden, Zutritt zu erhalten? Es dunkelte zu sehr – er konnte die Gestalt nicht mehr erkennen, deutlich aber vernahm er das mehrmalige, zuletzt ungeduldige klopfen, und endlich wurde es in dem haus lebendig. An den unteren Fenstern erschien ein Licht, bald darauf öffnete sich die Tür – ein heller Strahl fiel wenigstens auf den Weg hinaus – und gleich darauf verschwand die Gestalt. Nach und nach erstarb auch das letzte Geräusch; die letzten Lichter, die er teils oben, teils unten an der Strasse beobachtete, erloschen. Nur in jenem haus blieb es hell.
Stunde nach Stunde stand Tom so an dem kleinen Fenster und blickte hinaus in die feuchte, trostlose Nacht; Stunde nach Stunde lauschte er dem fernen monotonen Geräusch der Frösche und dem wunderlichen, dann und wann die Stille unterbrechenden Schrei