tod erschreckte auch nur einen Hülfeschrei ausstossen konnte, diesen mit der Linken und schlug ihn im nächsten Augenblick mit der geballten Rechten so urkräftig und boxerrecht zwischen die Augen, dass dem so gewaltig Getroffenen mit Blitzesschnelle die ganze Himmelskarte vor seinem inneren Gesicht vorüberflog und er bewusstlos neben dem grab zusammenknickte.
O'Toole war denn auch nicht lässig, die ihm jetzt gebotene Freiheit zu benutzen, rasch übersprang er das ihm nächste Gewirr von Aesten und Strauchwerk, und floh dem Strome zu, als Ben eben wieder zu dem grab zurückkehrte.
"Jones!" rief er hinter dem Davonspringenden her – "Jones – wo zum Teufel wollt Ihr denn hin? Ei, so hol' doch die Pest den Halunken!" brummte er dann halblaut in den Bart; "wenn der glaubt, dass ich ihm in solchem Dickicht nachrenne, ist er verdammt irre, und fort kann er auch nicht, so viel ich weiss, denn vom Schwimmen versteht er nichts und die Boote sind besetzt – wird schon wiederkommen. Aber zum Donnerwetter," wandte er sich dann, als er mit dem Fuss an den regungslosen Körper stiess, gegen diesen, "wirklich tot, und nur noch einmal zuguterletzt gestöhnt? Nun dann komm, Tusk, dann wollen wir auch keine längeren Umstände mit Dir machen. – Dank's überhaupt dem kapitän, der Dir den Strick erspart hat." – Er stiess bei diesen Worten den Körper in die Grube zurück, tappte dann nach dem Spaten umher, und der nächste Augenblick fand ihn eifrig beschäftigt, den nur betäubten Genossen – lebendig zu begraben.
29.
Der blinde Passagier. – Der Black Hawk.
Lautlos trieb die Schildkröte mit dem Strom hinab – Bob Roy hielt, fest im eisernem Griff, das schwankende Steuer, und die Männer, noch immer um den Lootsen gedrängt, machten es ihm unmöglich, auch nur das geringste Zeichen den nahen Freunden zu geben. Wohl eine Stunde konnte so in peinlicher Erwartung verflossen sein; lange schon waren die Ruderschläge des fernen Bootes verhallt, und weiter, immer weiter liessen sie den Platz zurück, der ihnen bald so verderblich geworden wäre. Aber noch immer wussten sie nicht, wo sie sich eigentlich befänden und ob mit der Vermeidung des einen Feindes die Gefahr auch wirklich vorüber sei.
Edgewort lud indessen, so rasch und geräuschlos als möglich, die beiden Büchsen, aber kein Auge verwandte er dabei von dem Mörder seines einzigen Sohnes, der jetzt in grimmem Trotz, doch ohne weiteren, überdies nutzlosen Widerstand zu leisten, von Seilen umwunden an Deck lag. Bob Roy dagegen beobachtete seinerseits kaum weniger aufmerksam und immer noch misstrauisch das Steuer, an dem unstreitig irgend ein fremdartiger Körper hing. Was es aber sei, konnte mehr ferne Tageslicht. Bis dahin sollte er jedoch nicht über den Gegenstand seiner Neugierde und Besorgniss in Ungewissheit gelassen werden; noch stand er und suchte durch irgend eine vielleicht zufällige Bewegung des Anhängsels dessen natur zu erkennen, als plötzlich sein scharfes Gehör ein leises Stöhnen vernahm. Es blieb ihm jetzt kein Zweifel mehr, dass irgend ein Mensch – ob Freund, ob Feind, musste noch dahin gestellt bleiben – an dem weit in den Strom hinausragenden Holze hing.
Wäre das übrigens wirklich ein Feind gewesen, so hätte er sicherlich schon früher das getan, was der gefesselte Bill in verzweiflungsvoller Anstrengung umsonst versucht – ein Zeichen den nahen Kameraden zu geben. Wenn aber das Gegenteil, weshalb hing er sich da so heimlicher Weise an ihr Boot und verriet durch keinen willkürlichen laut seine Gegenwart? Bob, um die Ungewissheit, die ihm peinlich wurde, los zu werden, winkte dem kapitän. Dieser aber, hätte er seine Bewegungen auch wirklich in der dunkeln Nacht erkennen können, achtete nicht auf ihn, und die übrigen Leute waren ebenfalls so mit sich selbst beschäftigt, dass er endlich beschloss, die Sache auf eigene Hand abzumachen.
"Hallo te boat!" sagte er in dem gewöhnlichen Anruf mit halb unterdrückter stimme und bog sich, so weit er konnte, über Bord hinaus, dem fremden gegenstand zu. – Keine Antwort erfolgte, und es war augenscheinlich, der "Passagier hintenauf" wünschte incognito weiter zu reisen.
"Hallo te boat!" wiederholte Bob Roy und schüttelte das eine Ende der langen Steuerfinne, das er in der Hand hielt, ein wenig, um wahrscheinlich dem am andern Ende Befindlichen dadurch anzudeuten, dass e r gemeint sei. Die Worte – es waren die ersten, die nach jenem Kampf an Bord der Schildkröte gesprochen worden, erregten die Aufmerksamkeit der Uebrigen, und sie wandten Alle die Köpfe zurück, während Edgewort leise, die Büchse im Anschlag, dem Steuer zuschritt. "Hm," meinte der lange Hosier, als seine freundliche Anrede noch immer erfolglos blieb – "verstockter Geselle das, wie es scheint – verdammt schweigsam – liebt trockene Unterhaltung, müssen ihn einmal ein wenig anfeuchten;" und indem er dem Wort die Tat folgen liess, hob er das bis dahin niedergedrückte Steuer, welches er in den Händen hielt, empor und tauchte dadurch, da es ziemlich auf der Mitte balancirte, das andere Ende, an welchem er den geheimnissvollen Besuch vermutete, natürlich unter wasser. Das geschehen, zog er die Spitze wieder, so weit wie früher, herunter, lehnte sich mit der Brust darauf und rief nun noch einmal, als ob in der Zwischenzeit gar nichts Besonderes vorgefallen wäre:
"Hallo te boat!"
Lauteres Schnaufen und Atemholen war