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ihn jetzt noch für irgend einen Erschlagenen hielten, waren vielleicht im ersten Augenblick so überrascht, dass er, ehe sie sich ermannten, sein Boot wieder erreichen konnte. Der Eine schien überdies, so viel sich in der Dunkelheit erkennen liess, klein und schwächlich, und den Andern hätte im schlimmsten Falle, ehe er ihm selbst gefährlich wurde, ein Messerstich unschädlich gemacht. Vorsichtig griff er also, um sich durch keine Bewegung zu verraten, nach dem scharfen Stahl, zog ihn leise aus der Scheide und bog sich langsam auf die linke Seite hinüberer hatte sich die Richtung, von der er gekommen, ziemlich genau gemerkt, und an rasche Verfolgung war dortin überhaupt nicht zu denken. – Einmal dann im Nebel wieder auf dem Strom, hätte ihn auch nur der Zufall seinen Verfolgern verraten können. Der Eine der Männer stand nur jetzt gerade zwischen ihm und dem Stamm, über den er zuerst wegsetzen mussteden Raum wollte er erst noch frei haben, ehe er den Angriff wagte. Es war Ben, er hatte die Hacke bei Seite geworfen und den zweiten Spaten in die Hand genommen, der dort lag. Jetzt trat er wieder zurück auf seinen früheren Platz, und j e t z t war auch der einzige, vielleicht letzte Augenblick gekommen.

"Ben?" rief da plötzlich eine leise, unterdrückte stimme, die gerade von der Richtung her tönte, wo sein Fahrzeug lag, und in den dichten büsche und Dornen rauschte es und regte es sich.

"Ja," sagte dieser und hielt in seiner Arbeit ein, "was giebts? Wer ruft da?"

"Hier liegt bei Gott das fremde Boot," flüsterte die stimme wieder – "lasst Euer Graben jetzt lieber sein und kommt mit hierher, es gibt vielleicht nachher gleich Zwei hineinzuwerfen."

O'Toole's Herzblut stocktenicht allein der Rückweg war ihm abgeschnitten, sondern sein Boot sogar entdeckt. – Er konnte, falls er sich wirklich auf einer Insel befand den Platz gar nicht wieder verlassen. Seine einzige Hoffnung blieb jetzt nur noch die, dass die Todtengräber dem Rufe Folge leisten und ihn allein lassen würden.

"Wo liegt es denn?" fragte Ben und hielt inne mit Erdeauswerfen.

"Gleich hierdicht an der äussersten Landspitze, unter der alten Sykomore –"

"So tut, wie Euch Kelly befohlen, und haltet das Maul," brummte der Bootsmann – "wer weiss denn, ob er nicht gerade hier in der Gegend herumkriecht. Nehmt Eure Plätze ein und verhaltet Euch ruhigkommt er zurück, so fertigt ihn abdoch ohne Schuss."

"Wie wird's aber, wenn Teufelsbill mit dem Flatboot kommen und das Zeichen geben sollte?" fragte Jener, aber immer noch mit unterdrückter stimme, zurück.

"Das geht E u c h nichts anIhr bleibt auf Eurem Posten, und wir Anderen, wenn das Boot abgefertigt ist, treiben nachher die Insel von unten herauf vorfinden w i r ihn dann nicht, so läuft er Euch in die hände."

Wieder fing er an zu graben, und die Gruft musste bald tief genug sein, denn ein ziemlich bedeutender Erdhaufen lag schon an ihrer Seite. – Des Iren Herz schlug so laut, dass er schon durch dessen klopfen verraten zu werden fürchteteauch die letzte stimme hatte er erkannt: es war jener Bube, den er in Helena zu Boden geschlagen. Erbarmen hatte er hier nicht zu hoffen; wurde er entdeckt, so konnte kein Gott ihn retten. Ein Gedanke durchzuckte ihn jetzt, wenn er nun vielleicht, während Jene sich emsig mit ihrer Arbeit beschäftigten, leise in die Büsche kroch, dann, erst einmal im Dickicht, entweder im Sumpf einen Schlupfwinkel suchte, oder auch, sobald er den Fluss erreichte, hinausschwamm in den Nebel? – Es trieb jetzt so viel Holz im Strom, dass er nicht zu fürchten brauchte, zu ertrinkenund d a s wäre ja doch noch immer besser gewesen, als sich hier wie einen Hund todtschlagen zu lassen.

Langsam schob er den linken Arm zur Seite, um sich darauf zu stützen und den Körper nachzuziehen, doch das raschelnde Laub machte die grösste Vorsicht nötig. Zwar gruben die beiden Männer noch immer eifrig und das Geräusch der fallenden Erde übertäubte jede nicht zu auffällige Bewegung, auch hatte er sich schon auf diese Art wohl zwei Schritt zurück und dicht zum Rand eines wirren Dornbusches gezogen, hinter dem ihm ein weicher moosiger Fleck raschere Bewegung möglich machte. Gerade aber, als er sich ein wenig aufrichten wollte, über einen dort liegenden heruntergebrochenen Ast zu gleiten, presste er mit der Hand auf einen dürren und morschen Zweig desselben, der mit ziemlich lautem Krachen abbrach.

O'Toole schrack zusammen und blieb regungslos in der gerade eingenommenen Stellung liegen. Ben aber sprang rasch aus dem fast beendigten grab heraus, auf den Erdhügel hinauf und blickte überall forschend in die nebelige Nacht hinein.

"Hörtet Ihr nichts, Jones?" fragte er nach einem kleinen Zwischenraum, "mir war's, als ob irgend Jemand auf einen Ast trat –"

"Ich habe nichts gehört," brummte der Andere, während er mürrisch den Spaten aus der Grube warf und selbst nachkletterte – "sodas Loch ist jetzt tief genug, hol' der Teufel das Maulwurfsgeschäft! Wenn Ihr glaubt, dass ich hier auf die Insel gekommen bin, Todtengräber