1847_Gerstcker_147_145.txt

Spur habe, dem nichtsnutzigen Gesindel, gegen das er einen unbesiegbaren Groll hegte, auf die Spur zu kommen.

Allerdings riet ihm Bredschaw ebenfalls ab, solchen Weg so unvorbereitet und allein, wie auch bei solchem Nebel zu unternehmen, wo er ja gar nicht im stand sein würde, die Insel zu finden; O'Toole aber, störrisch das einmal angenommene Ziel verfolgend, erklärte, unter jeder Bedingung wenigstens den Versuch machen zu wollen, und meinte dabei ziemlich richtig, eigentlich sei solches Wetter gerade das geeignetste, da jener Platz, wenn er wirklich der Aufentaltsort von Verbrechern wäre, heute gewiss nicht so sorgsam bewacht würde als sonst. Er hielt sich denn auch, um die schöne Zeit nicht unnötig zu versäumen, nur kurze Zeit bei Bredschaw auf und nahm, von diesem fast gezwungen, noch eine wollene Decke mit, im Fall er genötigt sein sollte, länger auszubleiben, als er jetzt beabsichtigte. Dann band er mit frohem Mute sein Fahrzeug los, dem jungen Mann noch dabei zurufend, er solle bald wieder von ihm hören, den Bootsschuften wolle er's aber eintränken, ihn auf solche Art behandelt zu haben.

Bredschaw blieb am Ufer stehen und sah ihm nach, bis das Boot seinen Blicken entschwand; nur noch eine Zeit lang hörte er die regelmässig langsamen Ruderschläge des wackern Irländers, und dann verschollen auch diese endlich in weiter, weiter Ferne.

O'Toole ging keck und unverzagt, ein ächter Sohn der "grünen Insel", seinem Abenteuer entgegen, und mehr noch war es fast ein glücklicher Leichtsinn, ein sorgloses Ueberlassen der Zukunft, als reiner tierischer Mut, der ihn zu allerdings ungeahnten Gefahren trieb. Niemand in Arkansas hatte es aber auch für möglich gehalten, dass sich inmitten civilisirter Staaten, auf dem breiten, jedem Boot offenen Wege des ganzen westlichen Handels, eine so wohlorganisirte und so fürchterliche Bande festsetzen und behaupten konnte, als es hier wirklich der Fall gewesen. Nicht einmal Waffen hatte er mitgenommen, ein einfaches kurzes Jagdmesser ausgenommen, das er unter der Weste, mit einem Bindfaden befestigt, am Knopf seines Hosenträgers, und eigentlich mehr zum wirklichen Haus- und Feldgebrauch, denn als Verteidungswaffe bei sich führte.

Der Abend konnte nicht mehr fern sein. So angenehm unserem Kundschafter aber auch sonst wohl dieser Umstand gewesen, da er ihn immer noch mehr vor Entdeckung schützte, so zweifelhaft wurde es ihm nun selber, ob er in solch' undurchdringlichem Nebel jene Insel auch wirklich finden würde. Weit entfernt war er auf keinen Fall mehr davon. Die Distance von der Weideninsel bis Einundsechzig wurde auf dem wasser nur für acht Meilen gehalten, und die Strömung allein musste ihn bei dem gegenwärtigen Wasserstand fünf Meilen die Stunde führen; ruderte er also nur ein wenig zu, so konnte er recht gut die ganze Strecke in eben der Zeit zurücklegen. So lange er dicht am Ufer blieb, ging das auch an, er sah das Flussufer neben sich und behielt dadurch die genaue Richtung bei, jetzt aber, und nicht weit unter der Weideninsel, machte der Mississippi nach Arkansas hinein einen starken Bogen und zwang ihn dadurch, wenn er sich nicht ganz aus dem Wege fahren wollte, das Ufer zu verlassen.

Nun war O'Toole allerdings noch nie in einem recht ordentlichen Mississippinebel auf diesem Strome gewesen, sonst hätte er das auch wohl schwerlich ohne Compass gewagt. Er arbeitete im Gegenteil noch immer mit dem Glauben, die Strömung müsse ihm ja auf jeden Fall die Bahn zeigen, wohin der Fluss gehe, wobei das zahlreich treibende Holz einen vorzüglichen Wegweiser abgeben werde. Ausserdem war die Insel Einundsechzig ziemlich lang und breit, und er durfte, wenn er sich nur in der Mitte des Stromes halten konnte, allerdings hoffen, sie zu erreichen. Eins jedoch hatte er in dieser sonst vielleicht sehr vorzüglichen Berechnung vergessen, dass nämlich die Bestimmung einer Strömung ganz unmöglich wird, wo jeder feststehende Haltpunkt für das Auge fehlt. Ebenso wie man auf der See auch nur dadurch die Richtung der Meeresströmungen bestimmt, dass man das Fahrzeug auf kurze Zeit entweder durch einen wirklichen oder blossen Notanker soviel als möglich auf einer Stelle festält und die Bewegung irgend eines in die Flut geworfenen schwimmenden Gegenstandes beobachtet, ebenso ist es auf einem so ungeheuren Strom wie der Mississippi unmöglich, irgend eine Richtung anzugeben, wenn man sich in starkem Nebel auf seiner ruhigen Fläche befindet.

O'Toole ruderte nun zwar, als er das Ufer nicht mehr erkennen konnte, noch eine ganze Weile ruhig und zwar nach der Gegend fort, die er für die rechte hielt, gar bald aber machten ihn einzelne Stücke schwimmenden Holzes irre, und er hielt einen Augenblick, um zu sehen, welchen Weg diese trieben. Jadie lagen, als er selbst mit Rudern aufhörte und also ebenfalls seinen Kahn der Flut überliess, gerade so ruhig da, wie er selbst, und das Ganze sah aus wie ein von dichtem Dampf umschlossener See, der weder Ab- noch Zufluss habe und vollkommen still stehe. Er beobachtete nun eine Zeit lang einzelne treibende Stämme, um zu sehen, auf welche Seite die Flut gegen sie drücke, das war aber nicht möglichsie schwammen eben ungedrängt im wasser und zeigten, da sie der Flut auch nicht den geringsten Widerstand leisteten, sondern sich ruhig mit fortnehmen liessen, auch nicht den mindesten Einfluss derselben. Er fing jetzt wieder an zu rudern, aber auch das blieb sich gleiches war eben, als ob er auf einem Teiche oder