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Bolivar," flüsterte der kapitän und blickte finster in das Antlitz des Negers – "sie haben Dich misshandelt und mit Füssen getreten, weil Du m i r ergeben bliebst?"

Der Neger knirschte mit den Zähnen und warf den funkelnden blick nach dem hell erleuchteten Fenster der Herrin hinüber.

"Ich weiss Alles," sagte Kelly und hob beruhigend die Hand gegen ihn auf – "abervielleicht ist es gut, dass es so gekommen, auf keinen Fall soll es D e i n Schade sein. Doch hier darfst Du nicht bleiben," fuhr er nach kurzer Pause fort – "Georgine weiss, was Du getan, und kennt in d i e s e m Punkte keine Grenze ihrer Rachewir haben uns Beide dagegen zu wahren. Packe das, was Du mitzunehmen gedenkst, zusammen und komm mit mir."

Bolivar blickte staunend zu dem kapitän empor. Es lag ein finsterer Ausdruck in diesen Wortenwollte er die Inselwollte er Georgine ihrem Schicksal überlassen?

"Kehren wir nicht zurück?" fragte er, als er den blick des Herrn von sich abgewendet sah.

"Du nicht, wenigstens nicht in nächster Zeitich vielleicht schon morgen," sagte Kelly – "doch eile Dich, eile Dichunsere Minuten sind gemessen, wir haben manche lange Stunde gegen die Strömung des Mississippi anzurudern."

"Ich kann nicht rudern!" murrte der Neger – "meinte arme sind gelähmtdie Peitsche hat mich meiner Kraft beraubt."

"Du wirst steuern," sagte der kapitän – "hast mich manchmal hinübergerudert und magst heute Deine arme ruhen lassen. Doch, Bolivar, willst Du fortan auch mir nur folgen, Dein Leben m e i n e m Dienst weihen und in unveränderter Treue an mir hängen? Willst Du gehorchen, was auch immer der Befehl sein möge?"

"Ihr habt mich heute g e r ä c h t , Massa," flüsterte der Neger, und seine dunkelglühenden Augen hafteten an der Gruppe, die eben den Leichnam des Erstochenen durch die Einfriedigung schleppte. "Das Blut jenes Schurcken, von Eurer Hand vergossen, ist über mich weggespritzt, und jeder einzelne Tropfen war wie Balsam auf meine brennenden Wunden; glaubt Ihr, dass ich das je vergessen könnte?"

Kelly's prüfender blick haftete wenige Secunden auf ihm, dann sagte er leise:

"Genugich glaube Dirgeh jetzt und rüste Dich; mein Boot liegt auf seinem gewöhnlichen Platz." Und rasch wandte er sich von ihm ab, ihn zu verlassen. Da hemmte des Negers Ruf noch einmal seine Schritte. "Massa!" sagte Bolivar und griff in die tasche seiner Jacke – "hier sind zwei Briefe, dieder Rotäutige bei sich gehabt hatsie scheinen aber nicht für Euch bestimmt." "Schon gut," flüsterte Kelly und nahm sie an sich – "ich danke Dir" – und schnell verliess er durch das kleine nordwestliche Tor die innere Einfriedigung, die ein schmaler Pfad mit dem obern teil der Zwischenbank verband. Bolivar aber schlich in seine eigene Hütte, raffte dort das Beste seines Eigentums zusammen und verliess, ohne Gruss oder Wort weiter an irgend ein lebendes Wesen der Insel zu richten, durch den feuchtdunstigen Nebel hin und dem wohlbekannten Pfade folgend, die Colonie, um seinen kapitän an dem bestimmten Platz zu treffen.

28.

Patrick O'Toole's Abenteuer.

Patrick O'Toole schritt, als er die Männer am Ufer verliess, rasch zu des Richters wohnung hinaus. Diesen wollte er jedoch nicht sowohl von seiner Absicht in Kenntniss setzen, denn er verlangte die hülfe des Gesetzes noch nicht, sondern ihn vielmehr um den Compass bitten, da der Nebel immer dichter und hartnäckiger zu werden schien. Er fand aber, wie wir schon früher gesehen haben, den Richter nicht zu haus, und da ihm die Leute dort auch nicht einmal bestimmt angeben konnten, wann er wieder zurückkehren würde, so beschloss er kurz und gut auch ohne Compass aufzubrechen und sein gutes Glück zu versuchen. Ohne weiteres Zögern schritt er also zu seinem kleinen Boot zurück, machte es flott, und ruderte nun langsam am westlichen Ufer hin, Bredschaw's wohnung zu, die er m i t der Strömung in etwa einer Stunde erreichen konnte. So lange er sich so nahe zum land hielt, dass er das Ufer oder wenigstens die dunkeln Schatten der Bäume noch erkennen konnte, ging das auch recht gut. Von Snags und Sawyern hatte er nichts zu fürchten; sein Fahrzeug war zu leicht, um von diesen ernstlich bedroht zu werden, und warf ihn Höchstens konnte ihn vielleicht, wie das in der Tat manchmal geschieht, ein plötzlich emporschnellender Sawyer so auf die Seite werfen, dass er etwas wasser einnahm. Das kam aber sehr selten vor, und rüstig, nur manchmal den Kopf wendend, ob er nicht ein erhebliches Hinderniss vor sich sehe, legte er sich scharf in die Ruder. Der leichte Kahn schoss fast pfeilschnell auf der schäumenden Strömung und an Wald und steiler Uferbank vorübergerissen hin, bis sich rechts die Bucht ihm öffnete, die Bredschaw bewohnte. In diese lief er ein und hörte nun von dem jungen Mann dieselbe Kunde, nur noch ausführlicher und bestimmter, wie jener sie dem Indiana-Bootsmann mitgeteilt. Er fühlte sich jetzt auch ziemlich fest überzeugt, dass sein Verdacht nicht allein begründet gewesen, sondern dass er sogar die ziemlich sichere