, eine Leiche, nach vorn auf sein Gesicht nieder. Die Anderen sprangen wild empor, Kelly aber, unbewaffnet die Gefahr verachtend, warf sich ihnen entgegen und rief zürnend:
"Rasende – wollt Ihr Euch selbst verderben? Verrat umgiebt Euch von allen Seiten – unsere Insel ist entdeckt – Spione von Helena durchziehen nach allen Richtungen hin den Strom – unser Leben und das, was wir mit saurem Schweiss erbeutet, steht auf dem Spiele, und Ihr hier, in wahnsinnigem Uebermut, fröhnt dem eifersüchtigen Trotz eines Weibes und schlagt gegen d i e Hand an, die allein im stand ist, Euch zu retten. Toren und Schufte, die Ihr seid, an Eure Posten! Ein fremdes Boot ist hier gelandet, und sein Besitzer liegt vielleicht nur wenige Schritte von uns versteckt, unser Treiben zu belauschen. Er darf die Insel nicht wieder verlassen, Fort – in Bachelors Hall erwartet meine Befehle – ich bin im Augenblick bei Euch – bindet den Neger los, sag' ich, und Ihr Beiden – schafft den Leichnam hinaus aus der Fenz und begrabt ihn. – Der Bursche kann froh sein, noch so aus dieser Welt hinausgeschickt zu sein – er hatte Schlimmeres verdient. – Er war in Helena schon einen Contract eingegangen, uns zu verraten – nur die Gier, noch höheren Lohn zu erhalten, hatte ihn bis jetzt daran verhindert – fort mit ihm, und Du, Bolivar, erwartest mich hier, bis ich zurückkehre."
Die Männer gehorchten schweigend den Befehlen, Kelly aber folgte Georginen in ihre wohnung, wo ihn diese mit kaltem mürrischen Trotz empfing.
"Wo ist die Kranke?" sagte er, als er, in der Tür stehen bleibend, mit seinen Blicken den kleinen geschmückten Raum überflog – "wo ist das Mädchen, das Du hier bei Dir behalten und bewahren wolltest?"
"Wo ist der Knabe?" rief Georgine jetzt, vielleicht noch durch das Bewusstsein eigener Schuld gereizt, wild und heftig dagegen auffahrend, "wo ist der Knabe, den jener teuflische Afrikaner auf Deinen Befehl erschlug? Wo ist das Kind, das ich mir aufgezogen hatte – das einzige Wesen, das mit wahrer aufopfernder Liebe an mir hing, und dessen alleinige Schuld nur – die Treue gegen mich gewesen sein konnte. Kelly – Du hast ein entsetzliches Spiel mit mir gespielt, und ich fürchte fast, ich bin das Opfer einer grässlichen Bosheit geworden."
"Du phantasirst," sagte Kelly ruhig, während er den breiträndigen Hut abnahm und auf den Tisch warf – "was weiss ich, wo der Knabe ist – weshalb hast Du ihn von Dir gesandt? – Ich riet Dir stets ab. – Ueberhaupt kann er ja auch heute oder morgen zurückkehren, wer weiss, ob er nicht, froh der neugewonnenen Freiheit, in tollem Uebermut in Helena herumtummelt, wo unser Aller Leben an seiner kindischen Zunge hängt. Wo ist das Mädchen? – ruf es her!"
"Zurückkehren?" rief Georgine in bitterem Schmerz – "ja, seine Leiche – Peter holt sie aus der Bucht drüben, wo sie der Neger versenkte – sein "toller Uebermut" wurde in gieriger Flut gekühlt, und seine kindische Zunge droht keinem Leben mehr Gefahr."
Der lange zurückgehaltene Schmerz des stolzen Weibes brach sich jetzt endlich in wilden, undämmbaren Tränen Bahn; Georgine barg das Antlitz in ihren Händen und schluchzte laut.
Kelly stand ihr erstaunt gegenüber und hielt das dunkle Auge fest und verwundert auf ihre zitternde Gestalt geheftet.
"Was w a r Dir jener Knabe?" sagte er endlich mit leiser, schneidender stimme – "welchen Anteil nimmst Du an einem Burschen, der, aus gemischtem Stamm entsprossen, Dir nur als D i e n e r lieb sein durfte? – Georgine – ich habe Dich nie nach jenes Knaben Herkunft gefragt, jetzt aber will ich wissen, woher er stammt."
"Aus dem edelsten Blut der Seminolischen Häuptlinge!" rief das schöne Weib und richtete sich, ihren Schmerz gewaltsam bezwingend, stolz empor – "seines Vaters Name war der Schlachtschrei einer ganzen Nation; er ist unsterblich in der geschichte jenes volkes."
"Und seine M u t t e r ?"
Georgine fuhr wie von einem jähen Schlage getroffen zusammen; – ihre ganze Gestalt zitterte, und fast unwillkürlich griff sie, eine Stütze suchend, nach dem Stuhl, neben welchem sie stand. Kelly's Lippen umzuckte ein spöttisches Lächeln, aber er wandte sich, als ob er ihre Bewegung nicht bemerke, oder doch nicht bemerken wolle, rasch dem kleinen Cabinet zu, wo Marie ihren Schlafplatz angewiesen bekommen.
"Wo ist die Kranke?" fragte er, den Ton zu dem gleichgültigen Gesprächs verändernd – "ist sie in ihrer kammer?"
"Sie schläft!" sagte Georgine, wohl überrascht über das kurze Abbrechen seiner Frage, doch schnell gesammelt – "störe sie nicht – sie bedarf der Ruhe!"
"Ich will sie sehen!" erwiderte der kapitän und näherte sich dem Vorhang, der das kleine Gemach von dem Wohnzimmer trennte.
"Du wirst sie wecken," bat Georgine – "tu mir die Liebe und lass sie ungestört."
Kelly wandte sich gegen sein Weib und schaute ihr mit so scharfem forschenden blick in's Auge, als ob er ihre innersten Gedanken ergründen wollte. – Ihr Antlitz blieb aber unverändert und sie ertrug ohne Zucken den blick. Schweigend drehte er sich von ihr ab und