heraus, und peitscht ihn mir so lange, bis er bekennt, und wenn Ihr ihm das schwarze tückische Fell in Streifen vom rücken ziehen solltet. Tod und Verdammniss dieser mörderischen Canaille; er soll mir, wenn er nicht gestehen will, unter der Knute verbluten."
"Das war mein Rat von vornherein," rief der angeredete Bootsmann; er hatte seinen Namen von einem eberähnlich vorstehenden Zahn erhalten, der seinem Gesicht etwas Fürchterliches gab. – "Hier hab' ich die Knute gleich mitgebracht, und nun wollen wir doch einmal sehen, ob das Blut eben so schwarz ist wie die Schwarte, unter der es steckt. – herunter mit dem Kittel, mein Mohrenprinz, und tu mir den Gefallen und schrei nicht gleich 'genug', dass der Spass nicht so bald aus ist."
Bolivar warf ihm einen wilden, trotzigen blick zu, aber kein laut kam über seine Lippen, und schweigend ertrug er es, als der herkulische Bursche die schwere Sclavenpeitsche nach besten Kräften über seinen nur mit einem dünnen Kattunhemd bekleideten rücken zog, so dass dieses bald in Streifen herunterhing und das helle Blut den fürchterlichen Streichen folgte. – Schweigend knirschte er nur mit den Zähnen, als sie ihn seiner Abkunft und Race wegen verhöhnten, seine Eltern verfluchten und ihm in übermütigem Grimm in's Gesicht spieen. Schweigend hörte er die Drohungen noch fürchterlicherer Strafe Georginens an, die mit zornfunkelnden Augen vor ihm stand und in der Empfindung befriedigter Rache Gefühl und Weiblichkeit vergessen zu haben schien. Bolivar blieb aber standhaft; seine zerrissenen Schultern zerfleischte die unbarmherzige Knute mehr und mehr; seine Glieder zuckten im grässlichen Schmerz und die Kniee zitterten unter ihm, er konnte kaum noch aufrecht stehen; aber abgebissen hätte er eher die Zunge, ehe sie seinen Henkern das verriet, was sie begehrten. – fest auf einander knirschte er die Zähne und fest auf das stolze Weib heftete er den wilden, drohenden blick. Vor seinen Augen fing es jetzt an sich in tollen schwarzen und schillernden Nebeln zu regen – Sterne blitzten auf und nieder, und eine unbezwingbare Schwäche überkam ihn. – Er wollte sich mit letzter Anstrengung aufrecht halten – er lehnte seine Schulter an den Baum, der seine Fesseln hielt – aber es war vergebens – die Gestalten fingen an sich vor seinen Augen zu drehen – purpurschimmernde Nacht folgte, und er sank halb ohnmächtig in die Kniee.
"Will die Bestie beten?" rief der Eine mit dem Eberzahn – "auf, Canaille, wenn wir mehr Zeit haben – rufe Deine schwarzen Götzen an, eh' Du gehangen wirst, – jetzt ist's noch zu früh –"
"Halt!" rief da dicht neben ihnen eine stimme, und zwar so kalt und gebieterisch, so ruhig und doch so fürchterlich ernst, dass die Henker überrascht in ihrer blutigen Arbeit inne hielten und auch Georgine sich erschreckt dem wohlbekannten Tone zuwandte. Es war Kelly, der, den bunten mexikanischen Mantel über die Schultern hängend, den schwarzen breiträndigen Filz tief in die Stirn gedrückt, dicht neben ihnen stand und die Hand gegen die mit Peitschen Bewaffneten ausstreckte. – "Wer hat hier ein Urteil zu vollziehen, das i c h nicht gefällt?"
"I c h sprach das Urteil!" sagte Georgine mit fest auf ihn gehefteten Augen, indem sie die noch immer gegen die Männer ausgestreckte Hand ergriff, "ich verurteilte ihn, weil er – den Knaben ermordet hat Das Kind, das ich aufgezogen und gepflegt, hat er mit seinen teuflischen Händen erwürgt, und Du d a r f s t mich nicht hindern, ihn zu strafen – Du d a r f s t es nicht –" und sie zischte die letzten Worte mit leiser, vor innerer Aufregung fast erstickter stimme – "wenn Du nicht – selbst als ein Teilnehmer jenes Mordes erscheinen willst."
"Bindet den Neger los," lautete des Capitains ruhiger, den Einwand gar nicht beachtender Befehl – "bindet ihn los, sag' ich – die Tat soll untersucht werden."
"Sie i s t untersucht, Mann!" rief Georgine, sich heftig und wild emporrichtend – "i c h , i c h trete gegen ihn auf und rufe den allmächtigen Gott zum Zeugen an, dass er den Mord verübt. Willst Du ihn j e t z t noch schützen und befreien?"
"Bindet ihn los! sag' ich," wiederholte Kelly mit finsterer, drohender stimme – "zurück da, Georgine – Dein Platz ist nicht hier – willst Du a l l e meine Befehle übertreten?"
Georgine wandte sich erbleichend ab, der Eberzahn aber rief, sich trotzig gegen den Gebieter kehrend:
"Ei, zum Henker, Sir, der Bursche hier hat Hand und Zähne an einen weissen Mann gelegt, und verdammt will ich sein, wenn er nicht dafür hängen soll. Subordination ist ganz gut, muss aber auch nicht zu weit getrieben werden. Wir sind freie Amerikaner, und die Majorität entscheidet sich hier für S t r a f e . Nichts für ungut, aber den Neger binde ich nicht los."
Schneller zuckt kaum der zündende Blitz aus wetterschwangerer Wolke in den stillen Wald, als Kelly's schweres Messer in seiner Hand blitzte, zurückfuhr und dem trotzigen Gesellen im nächsten Augenblick mit fürchterlicher Sicherheit das Herz durchbohrte. Er blieb noch mehrere Secunden mit stieren, entsetzt vor sich hin starrenden Augen stehen, schlug dann die arme empor und stürzte