ehe sie der Bootsmann verstand.
"Die Leiche? Nein, Gott bewahre – es ist ja auch noch immer nur ein Verdacht, den er hat; Olyo kommt vielleicht heute oder morgen wieder zurück, und dann ist die ganze sorge um nichts gewesen."
"Peter –" sagte die Frau nach kurzem Sinnen, während sie die hände fast bewusstlos auf die Stuhllehne faltete, auf welche sie sich jetzt wirklich stützen musste – "willst Du mir in dieser Sache – G e w i ss h e i t verschaffen? Willst Du mir –"
"Die könnte am besten der Neger geben," entgegnete Peter mürrisch – "aufrichtig gesagt möchte' ich auch mit der ganzen geschichte nicht viel zu tun haben. – Der – der kapitän könnt' es nicht gern sehen."
"So? Vermutest Du das auch?" fragte Georgine rasch.
"Nun ja – er machte sich so nicht besonders viel aus dem Knaben, und wusste auch, dass er ihm aufpassen sollte –"
"Er wusste das? Und so glaubst Du vielleicht gar, dass es ihm lieb sein möchte, den Knaben auf solche Art losgeworden zu sein – dass es vielleicht gar auf seinen Befehl –"
"bitte' um Verzeihung," rief Peter rasch und erschrocken, "so lange in meinem Kopf nur ein Fingerhut voll Verstand bleibt, soll solche Behauptung wahrhaftig nicht über meine Lippen kommen. Das sind auch überdies Sachen, um die ich mich nie bekümmere. Ich tue meine Arbeit und lasse den Rest in Ruh', so lange sie mir ein Gleiches gönnen."
"Gut dann, Peter, das ist recht von Dir, aber – würdest Du Dich weigern, mir, wenn ich Dich recht dringend darum bäte, einen grossen Dienst zu leisten? – einen Dienst, den ich Dir f ü r s t l i c h lohnen wollte?"
"Einen Dienst zu leisten? – weigern? Ei, Gott bewahre! Es wäre ja nur eigentlich meine Pflicht und Schuldigkeit, besonders gegen eine Lady!"
"Gut – Du versprichst mir also, meine Bitte zu erfüllen?"
"Wenn ich es kann, von Herzen gern."
"Gieb mir Deine Hand darauf."
Peter zögerte; die Sache fing ihm an zu ernstaft zu werden, und es gereute ihn schon fast, sein Wort so ganz bestimmt gegeben zu haben. Georgine streckte ihm aber die weisse und jetzt marmorkalte Hand so bittend entgegen, dass er nicht n e i n sagen konnte und einschlug. Die Hornfinger ruhten für einen Augenblick in dem weichen Griff der zarten Rechte.
"Du hast Dein Wort gegeben," flüsterte jetzt die Frau, "Du wirst es als Mann nicht brechen wollen. – Nimm Haken und Seile mit – jene Bucht, von der Du sprichst, wird nicht so tief sein – und schaffe mir die Leiche – Du kannst einen von den Enterhaken mitnehmen – der, auf dem Boden hingezogen, m u ss sich in die Kleider –" sie hielt einen Augenblick inne und barg das Gesicht in den Händen, gleich darauf aber fuhr sie mit der vorigen Ruhe und Festigkeit fort – "in die Kleider des unglücklichen Knaben einhaken. Die Leiche schaffst Du mir, sobald Du sie hast, hier hierüber – Olyo soll wenigstens ein Grab in trockener Erde haben. Willst Du das tun?"
"Wenn aber Capitän Kelly indessen kommt und nach mir fragt?"
"Die Entschuldigung Deiner Abwesenheit lass meine sorge sein – willst Du mir die Leiche schaffen?"
"Meinetwegen denn, ja," – brummte Peter – "die Bucht ist höchstens zehn Fuss tief, vielleicht nicht einmal das, wo aber schaffe ich den – den Cadaver hin?"
"Hier in mein Haus – dort, in jenes Cabinet, das Weitere besorg' ich selber. Doch jetzt noch Eins – wo habt Ihr den Neger aufbewahrt?"
"Der liegt in dem einen Stalle drüben, den sie für ein zeitweiliges gefängnis hergerichtet haben," sagte Peter, "Corny ist heute richtig an den Bisswunden gestorben – es war doch wohl eine Ader gesprengt und nicht recht gebunden, und wir wollen jetzt nur des Capitains Ankunft abwarten, dass dieser beschliesst, was mit dem Schuft werden soll. Wenn's kein Neger wäre, so hätten wir uns allerdings nicht so viel Müh' um die Sache gegeben, denn Corny hatte ihn auch genug gereizt, und sie konnten's zusammen ausmachen. Dass sich aber ein Neger an einem Weissen ungestraft vergreifen sollte, dürfen wir doch nicht gestatten, sei's auch nur des bösen Beispiels wegen, und kapitän Kelly mag deshalb bestimmen, was mit ihm werden soll. Losgeben darf er ihn aber nicht; die Leute sind wütend auf das schwarze Fell."
"Bring' ihn hierher!" sagte Georgine jetzt, als sie wie aus tiefem Sinnen emporfuhr.
"Wen? Den Neger?"
"Bolivar – gebunden wie er ist – und – schick' mir zwei von den Männern mit – wähle ein paar von Corny's Freunden!"
"Hm," meinte der Alte, "da bedeutet das wohl nichts Gutes für den Schwarzen. – Wenn Ihr übrigens glaubt, dass Ihr d e n zu irgend einem geständnis zwingt, so seid Ihr verdammt irre – der ist stöckisch wie ein Maulesel. Doch meinetwegen; ich gehe indessen, mein Wort zu lösen; wenn Ihr mir und