die Worte kaum verstehen konnte:
"Also im wasser – im wasser hast Du ihn gefunden? Mensch, rede – Du bringst mich beim ew'gegen Gott noch zur Verzweiflung."
"Nein – auch nicht!" sagte der Alte und biss ein grosses Stück von seinem Tabak herunter.
"Also hast Du doch im wasser nach ihm g e s u c h t ? Du musst Verdacht geschöpft haben – Du g l a u b t e s t ihn dort zu finden. – Sprich und reisse mich aus einer Ungewissheit, die fürchterlicher ist, als selbst die grässlichste Wahrheit sein könnte."
"Im wasser gesucht? Ich? – Unsinn. Weshalb sollt' ich im wasser suchen? – Harris meinte nur –"
"Was meinte Harris, Peter?" fragte Georgine jetzt mit erkünstelter Fassung, da sie bemerkte, dass der Narbige endlich zu erzählen begann, und ihn irre zu machen fürchtete, wenn sie sich nicht soviel als möglich bezwang.
"Ei nun, dass der Mestize nicht an's Ufer gekommen wäre," – fuhr der Bootsmann fort und hustete dabei ein paar Mal, als ob die Worte nicht recht aus der Kehle wollten – "Harris sah das Boot an's Land kommen, und wollte gern nachher mit Olyo sprechen. Den einzigen möglichen Weg aber, der von dort aus, wo das Boot eingelaufen, in den lichteren Wald führte, hatte er n i c h t betreten, und kein Mensch antwortete ihm auch, als er später nach allen Richtungen hin den Namen rief –"
"Olyo wird sich versteckt haben," flüsterte Georgine mit kaum hörbarer stimme – "er – er traute sicherlich dem Rufe nicht und wünschte ungesehen zu bleiben."
"Ja, das meinte Harris auch," fuhr Peter fort, der jetzt durch die angenommene Fassung der Frau selbst beruhigt und sicher gemacht wurde, – "das meinte Harris auch, es – es kam ihm aber sonderbar vor, dass der Neger so schnell wieder zurückruderte, da er i h n doch eigentlich, wie es am wahrscheinlichsten gewesen wäre, wenigstens so weit hätte begleiten müssen, dass er sich nicht mehr verirren konnte. Bolivar trieb überdies noch ein ganzes Stück stromab, ehe er wieder zu rudern anfing, und war indessen emsig mit Etwas beschäftigt, das Jener aber, der weiten Entfernung wegen, nicht erkennen konnte. nachher wollte er gern sehen, wo das Boot in der kleinen Bucht, in der es eingelaufen, gelandet wäre – nirgends aber war eine Spur davon zu entdecken, und der weiche Erdboden hätte auf jeden Fall selbst den leisesten Eindruck bewahren müssen."
"Nun? – Und was weiter?" fragte Georgine, als Jener einen Augenblick schwieg und dann unschlüssig zu der Frau aufblickte. Aber er sah nicht das leise, kaum merkbare Zucken der Lippen, er sah nicht das innerliche Beben der ganzen Gestalt – er sah nicht, wie die eine kleine Hand krampfhaft die Stuhllehne umklammert hielt, auf die sie sich stützte, als ob sie in das reichgeschnitzte Mahagoniholz die zarten Finger fest und tief eingraben wollte. – Nur die todtenbleichen Wangen sah er und das kalt und ruhig auf ihn geheftete Auge, und fuhr nach kurzem Zögern wieder fort:
"Am Ufer war nichts zu erkennen – aber auf dem wasser –"
"Auf dem wasser?" – wiederholte Georgine leise und tonlos.
"Ei zum Teufel, er kann sich auch geirrt haben!" brach da der Bootsmann die Mitteilung plötzlich kurz ab – er wusste recht gut, w i e Georgine an dem Knaben hing, wenn er auch dafür keinen Grund angeben konnte. Es wurde ihm dabei selber peinlich, eine geschichte, die ihm selbst fatal schien, so aus sich herauspressen zu lassen, während er sich doch auch wieder scheute, gerade von der Leber weg zu reden.
Georgine war aber nicht gesonnen, ihn so wieder los zu geben, da sie jetzt wohl fühlte, er wisse mehr, als er gestehen wollte.
"Er hat etwas auf dem wasser schwimmen sehen, Peter," sagte sie, fast eben so leise als vorher – "was war es? Verheimliche mir nichts – selbst wenn es nur noch Vermutung sein sollte –"
"Hm, Unsinn," brummte Peter und sah sich sehnsüchtig nach der Tür um. Die jetzt auf ihm haftenden Augen des schönen Weibes liessen ihm aber nicht Ruhe noch Rast, wohin er den blick auch wenden mochte. Er wusste, der ihrige war auf ihn geheftet, und er knurrte endlich, während er halb trotzig den alten schwarzen Filz mit beiden hornigen Fäusten knetete:
"Zum Donnerwetter, wenn Ihr's denn einmal wissen m ü ss t , so kann mir's auch recht sein – B l u t , meinte er, wär's gewesen, fettige Blutflecke, mit ihren hässlich schillernden Farben, die sich in der kleinen Bucht herumtrieben und, gerade als er den Platz erreichte, dem Einfluss zuströmten – auch ein paar gelbe Schaumblasen waren dabei, – andere, als sie der Regen auf den Fluss ruft. Der ganze Platz sah unheimlich aus, und ihm, sagt' er, war' es ordentlich so vorgekommen, als ob sich das ganze Schilf des Ufers hinauf- und von dem einsamen platz fortdrängen wollte."
"– Hat er die Leiche gefunden?" flüsterte Georgine, aber so leise, dass sie die Frage wiederholen musste,