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Kiste in den Raum geschlossenen Leute waren aber unter der Zeit auch nicht müssig gewesen, drückten, durch rasch hingerollte Fässer erhöht, die eigenen rücken unter die Last, und schoben diese mit gemeinsamer Kraft doch wenigstens so weit von ihrer Stelle, dass ein einzelner Mann sich hindurch zwängen konnte. Dies hatte Bill auch schon früher berechnet, und sein Plan war demnach ganz richtig gewesen. Konnte er nämlich an seinem Posten bleiben, so verteidigte er diesen Engpass, ohne die mindeste Gefahr für sich selbst, so vollkommen, dass Jeder rettungslos verloren sein musste, der den eigenen Schädel in den Bereich des feindlichen Armes brachte. Jetzt sah er sich dagegen gezwungen, diesen Platz zu verlassen; die List mit dem Unschädlichmachen des Gewehres war dabei ebenfalls nicht allein gescheitert, sondern ein wirklicher und gefährlicher Gegner erwuchs ihm sogar da, wo er vorher nur einen alten Mann geglaubt hatte, den die Kugel des Kameraden noch überdies schnell beseitigen würde.

Bob Roy presste sich zuerst aus dem engen Raum heraus und flog seinem "kapitän", wie der Alte gewöhnlich genannt wurde, zu hülfe. Der Kampf war auch bald entschieden; trotzdem aber, dass er dem übermannten Verräter das eben gezogene Bowiemesser entwand und ihn, der in wilder Verzweiflung gegen die Uebermacht ankämpfte, vollkommen unschädlich machte, konnte er den Greis nicht bewegen, seinen Hals los zu lassen. In blinder, nichts mehr achtender Wut hing der alte Mann mit der einen Hand fest eingeklammert in den Kleidern von seines Sohnes Mörder, während seine Augen, die fast aus ihren Höhlen drängten, stier auf dem bleichen Antlitz desselben hafteten, und die andere convulsivisch zitternde Hand vergebens nach dem ihm im Kampfe entfallenen Messer an seinem Körper umhersuchte.

Wolf, der seinen Herrn noch immer in persönlichem Kampfe sah, dachte eben so wenig daran los zu lassen, und hielt Halstuch und Rockkragen des gefangenen Verbrechers so fest, als ob er ihn im Leben nicht wieder freigeben wollte.

Die übrigen Ruderleute kletterten jetzt ebenfalls nach, banden mit einzelnen an Deck liegenden Seilen den unausgesetzt dagegen anwütenden Lootsen, und suchten nun den alten Mann zu bewegen, ihn ihrer Wachsamkeit zu übergeben. Da richtete sich Bob Roy plötzlich auf und rief, während er über Bord hinüber horchte:

"Stillich höre ein Ruderbootdort drüben ist's."

"Boot a h o i ! " schrie da plötzlich der gebundene Steuermann und versuchte mit letzter Anstrengung eine kleine, an einer Schnur ihm locker um den Hals hängende Pfeife zu erfassen – "a h o i – ih!" und der letzte Ruf drang gellend über die stille Wasserfläche, Bob Roy's Hand lag aber in der nächsten Secunde fest auf seinem mund, während er rasch und flüsternd sagte:

"Haltum Gottes willen stillmir fängt die Sache an klar zu werden. – Einen Knebel herrasch, und Ihr hier, Leute, bei Eurem Leben, keinen laut mehr!"

Ein scharfer Schrei, wie ihn der Nachtfalke manchmal ausstösst, wenn er in stürmischer Nacht die Luft mit den starken Fittigen schlägt, antwortete und schien des Bootsmanns Verdacht bestätigen zu wollen; dieser flüsterte aber jetzt leise:

"Ruhigrühre sich Keiner von Euchdieser Bube hier gehört mit zu jenem Bootsind wir aber still, so können wir ihnen vielleicht in dem Nebel und in so finsterer Nacht entgehenhaltet ihm die Füsse festder Bestie liegt jetzt nur daran, einen laut von sich zu geben. – Mr. Edgewort, nehmen Sie den Hund zu sich, ein einziges Bellen von ihm könnte unser Aller Tod seinbst –"

"Ahoiih!" rief in diesem Augenblick die stimme aus dem Boot herüber – "Billahoi ih!, hol' Dich der Böse! So antworte doch!"

Edgewort lauschte, seinem Halt an dem Gefangenen jetzt zum ersten Mal entsagend, aufmerksam nach jener Richtung hin, während die Männer den fast rasenden Steuermann nur mit grösster Anstrengung und allein durch ihr sämmtliches Gewicht so niederhalten konnten, dass er nicht mehr im stand war, auch nur ein Glied zu regen.

Da knarrte ihr Steuerruder ein wenig, und Bob Roy schritt rasch dortin zurück und wollte es, um auch den geringsten ihnen Gefahr drohenden laut zu vermeiden, aus dem wasser heben. Aber es war ungewöhnlich schwerirgend ein fremdes Gewicht musste daran hängen, und der Bootsmann suchte mit vorgebeugtem Körper zu erspähen, was die Ursache davon sei. – Die Nacht war jedoch so dunkel, und die lange Steuersinne reichte so weit ab vom Boot, dass ihm das unmöglich wurde. – Er erkannte wohl auf dem etwas heller schimmernden Brett einen dunkeln Gegenstand, was dieser aber sei, oder aus was er bestehe, konnte er nicht bestimmen, drückte also die Ruderfinne, soweit es die Last erlaubte, an Deck nieder und verhinderte dadurch, indem er sie in dieser Lage hielt, das ihnen sonst gefährlich gewordene Knarren derselben.

"A – hoi – i h !" riefen jetzt plötzlich die Männer in dem Ruderboote, und zwar gar nicht weit mehr entfernt, aber etwas mehr in den Strom hinaus als früher, "a – hoi – i h , – B i l l – wo zum Teufel steckst Du?"

Bill machte einen neuen verzweifelten Versuch, auch nur ein Zeichen seines Daseins von sich zu geben, vier kräftige Männer lagen aber über ihn hingebeugt und acht arme hielten jedes seiner Glieder wie mit