Gegenstand, den er sah, befand sich ja auf der Starbordseite, und ihr Boot, das mit dem Bug stromauf gehalten wurde, hatte jetzt doch das Land auf Larbord –
"Träum' ich denn?" flüsterte er halblaut vor sich hin – "ist denn das da nicht der schwimmende Wipfel eines Baumes? – bei Gott – die S c h i l d k r ö t e treibt!"
Rasch ergriff er die Büchse, sprang empor und sah, wie die beiden, ihm jetzt schon mehr als verdächtigen Männer eifrig bemüht waren, die eine der Kisten dem rand des Bootes zuzuwälzen.
"Hallo da!" rief er fast unwillkürlich aus, und sein Fuss stampfte das Deck – sein Zeichen für Bob Roy, rasch herauf zu kommen – "beim ewigen Gott, wir sind los –"
"Da hast Du's," brummte Bill – "nun geht der Tanz los – jetzt mach' schnell und fertige ihn ab."
"Nun? – werdet Ihr Rede stehen? – Was ist das? Mein Boot schwimmt – was soll's mit der Kiste dort?"
"werde' es Dir gleich auseinandersetzen," knurrte Blackfoot vor sich hin und sprang nach seiner Büchse, die er neben sich hingelegt hatte, um bequemer an der Kiste arbeiten zu können. Edgewort stand halbverdeckt von einem grossen Koffer, der ebenfalls auf anderem Gepäck lag; der Pirat aber nahm die Büchse in Anschlag und tat rasch noch ein paar Schritte nach vorn, um die Brust seines Feindes frei zu bekommen und ein sicheres Ziel zu haben.
"Höll' und Teufel!" schrie in dem Augenblick Bob Roy von unten – "wer hat den Eingang hier versperrt? Bahn frei, Ihr Schufte, – oder Euch soll der –" seine Rede wurde in gewaltsamen, wenn auch noch erfolglosen Versuchen erstickt, die mächtige Last zu lüften, denn die eine Leitersprosse, auf der er stand, konnte das so übermässig vermehrte Gewicht nicht tragen und brach unter ihm. Der augenblickliche Versuch war aber dennoch hinreichend gewesen, Bill davon zu überzeugen, wie die Last einem erneuten, und von Mehreren ausgeführten Angriff vielleicht doch nicht widerstehen konnte. Einen flüchtigen blick nach dem alten Edgewort hinüberwerfend, rief er dem gefährten also schnell zu:
"Schiess in's drei Teufels Namen und gieb damit das Zeichen – wir können's brauchen!" Er hatte auch die letzten Silben noch nicht ausgesprochen, als schon der scharfe Krach einer Büchse durch die stille Nacht dröhnte.
Rasch wandte er den Kopf, den Erfolg zu beobachten, fuhr aber mit wildem Fluch empor, als er sah, wie sein Kamerad, die Büchse hoch in der Hand, taumelte, ein paar Schritte nach vorn tat und dann schwerfällig an Deck niederstürzte. Der alte Jäger, mit der eigenen Waffe schussfertig, hatte kaum gesehen, wie sein Feind die Maske abwarf und die Büchse zum tödtlichen Angriff erhob, als er auch rasch sein treues Rohr in die Höhe riss und die Kugel mit fast nie fehlender Sicherheit durch den Kopf des Verräters sandte.
Hiermit aber nicht zufrieden – denn er musste jetzt
natürlich in seinem eigenen Steuermann einen eben so feindlichen Gegner vermuten – sprang er rasch vor, um sich der noch geladenen Waffe zu bemächtigen; Bill jedoch wusste seinerseits eben so gut wie er, dass er, wenn Jener seine Absicht wirklich ausführte, ganz in dessen hände gegeben sein würde. In gleicher Schnelle flog er also dem Kampfplatze zu, erfasste zugleich mit dem alten Mann das Rohr und schrie dabei mit vor Wut erstickter stimme:
"Warte, Canaille – warte – hab' Deinem Sohn in
die Ewigkeit geholfen, will ihm jetzt den Alten nachschicken – wehr' Dich, mein Bursche!" – und mit riesiger Kraft, der die altersschwachen Sehnen des Greises nicht widerstehen konnten, entriss er diesem die Waffe. Diese entlud sich allerdings in demselben Augenblick und sandte die Kugel harmlos in die Luft, wer weiss aber, wie der Kampf für den alten Mann geendet haben würde, denn die beschriebenen Vorgänge folgten blitzesschnell aufeinander, und der schwere Kolben einer amerikanischen Büchse blieb ein fast noch tödtlicheres Werkzeug in der Hand eines solchen Giganten, als das blosse Kugelrohr. Die Worte aber, die dieser sprach, wirkten mit wahrhaft elektrischer Kraft auf die fast schon ermatteten arme des Alten.
"Ha – Mörder – Mörder!" schrie er und fuhr in wildem, sein eigenes Leben missachtendem Sprung nach der Kehle des Buben, dass dieser dem raschen und schon nicht mehr vermuteten Angriff kaum begegnen konnte. Er fasste nur gerade noch die ihm Verderben drohende Hand und presste sie zwischen seine Eisenfinger, hob aber auch zu gleicher Zeit mit dem rechten Arm die gewonnene Büchse und wollte sie eben auf das Silberhaar des Greises niederschmettern, als ein anderer Feind auf dem Kampfplatz erschien.
Wolf, der bis dahin den Lärm nur insoweit beachtet hatte, dass er nach dem ersten Schusse aufgefahren und rasch von einer Seite des Boots zur andern gelaufen war, das erlegte wild zu erspähen – denn sein Herr hatte schon früher manchmal Wildenten und andere Wasservögel von Bord aus geschossen –, sah jetzt kaum den Kampf und hörte die in Wut fast erstickte stimme seines Herrn, als er wild nach dem Nacken des ihm ohnedies verhassten Steuermanns fuhr, und diesen dadurch zwang, die Büchse fallen zu lassen. Edgewort hatte ihn indessen um den Leib gefasst, und alle drei stürzten ringend an Deck.
Die durch die schwere