starren, knorrigen Aesten der Sykomore ziemlich gewiss war. Bob Roy hatte das Ganze aber keineswegs unternommen, ohne sich ziemlich sicher in der Ausführung zu fühlen. Kaum erfasste er einen der gerade emporragenden Zweige, als er auch mit der Gewandteit in solchen Sachen geübter Matrosen das Tau um einen starken Ast schlug, und das ziemlich kurze Ende einmal durchzog und befestigte. Den zweiten, sichern Halt war er noch nicht im stand ihm zu geben, als sich plötzlich das starke Tau straffte, etwa zwei Fuss auf der schlüpfrig- nassen Rinde fortglitt, und dann, als es in anderen Aesten Widerstand fand, mit fürchterlichem Ruck vom Gewicht des ganzen Bootes gezogen, den zitternden Stamm aus seinen Fugen zu reissen drohte.
Der alte Baum sass aber gar ingrimmig fest in seinem schlammigen Bett und war nicht so leicht zu überreden, den lange behaupteten Platz zu verlassen; – er wich und wankte nicht, aber der blattlose Wipfel wurde durch den Anzug tief hinein in den Strom gerissen, und ein Schrei der Angst rang sich gewaltsam aus der Brust der sonst gerade nicht sehr empfindsamen Bootsleute, als plötzlich, im entscheidenden Moment, der ganze weitästige Baum mit dem fest daran geklammerten Kameraden in der gelben, sprudelnd aufgähnenden Flut verschwand.
Es war aber auch nur ein Augenblick, denn gleich darauf tauchten wieder einzelne Spitzen aus der kochenden Stromfläche empor, und während das tolle Anschäumen der wasser, gegen den breiten Bug des Flaatboots, und das rasche Herumschwenken seines Sterns verriet, wie es wirklich und glücklich von dem so keck befestigten Tau gehalten werde, kam auch das nasse, von langem braunen Haar umklebte Gesicht des Bootsmannes wieder zum Vorschein. Der aber öffnete die Augen nur eben weit genug, um den Ort zu erkennen, wo das Tau sass, ergriff dieses rasch, den angefangenen Knoten erst noch fester durch ein zweites Umschlagen zu schürzen, und arbeitete sich dann an dem straffgespannten Tau so schnell als möglich zum Boot zurück. Er fürchtete nämlich nicht mit Unrecht, durch den hier wirbelnden und reissenden Strom unter das Boot gezogen zu werden, wenn er es mit Schwimmen erreichen wollte, denn die Anziehungskraft solcher flachen "Bottoms" ist ungemein stark und äusserst gefährlich.
Aller arme streckten sich ihm hier entgegen, und während ihm noch ein teil vollends heraufhalf, bemühte sich der andere, das Tau auch an Bord ordentlich und sicher zu befestigen. Das Ganze aber hatte kaum so viele Secunden gedauert, als ich hier Minuten Zeit zum Erzählen brauchte, und noch standen die Männer, über die Tollkühnheit des Kameraden plaudernd, zusammen, als auch dieser schon wieder in trockenen Kleidern oben erschien und sich behaglich auf seine dort ausgebreitete Decke streckte. Das Abendessen, das vorher durch den schnellen Aufruf zum Rudern unterbrochen war, wurde jetzt beendet, wobei der Whiskybecher fleissig im Kreise herumging, und die Mannschaft schien sich überhaupt, mit der solchen Leuten eigenen Sorglosigkeit, ungestörtem Frohsinn hinzugeben. War ja doch für den Augenblick jede Gefahr und Ungewissheit beseitigt, und ihr Boot lag sicher und ruhig vor starkem Tau. Brach sich mit der Morgendämmerung dann der Nebel, so konnten sie ruhig und bequem stromab treiben und ihre Fahrt beenden.
Mürrisch ging Blackfoot indessen an Deck auf und ab, während sich Bill dagegen den Zechenden anschloss, und in bester Laune von der Welt mit dem jetzigen Beilegen des Bootes vollkommen einverstanden schien. Edgewort hielt sich von seinen Leuten etwas abgesondert, und sprach nur einmal, als er an ihm vorüberging, einige Worte mit Bob Roy, während sich Mrs. Everett in ihr Zelt zurückzog und dort Gott in heissbrünstigen Gebeten anflehte, sie Alle aus einer Gefahr zu retten, die um so peinlicher und fürchterlicher war, da sie ihren Umfang wie ihre Nähe nicht einmal kannten.
Nach und nach wurde es ruhiger an Deck – die Leute waren meistens in ihre Schlafkojen hinabgegangen. Nur Blackfoot und der Steuermann lagen, dieser am Steuer, der Andere dem Vorderteil des Bootes näher, wo das Springtau an Bord befestigt war, und zwar mit seinem Kopf auf dem Coil desselben. Edgewort hatte sich gleichfalls mehr nach vorn, aber dicht an dem dort aufgeschichteten Gepäck ein Lager gesucht, neben dem auch Wolf, dicht zusammengerollt, schlief und träumte.
Obgleich Edgewort aber still und regungslos dalag, so schlief er doch keineswegs, und horchte vielmehr mit durch innere Aufregung noch mehr geschärften Sinnen selbst dem leisesten Geräusch, das ihn umgab. Das heute Erlebte liess ihn nicht ruhen, und er konnte auch kaum noch einen Zweifel hegen, dass jene beiden Männer, sein Steuermann und der fremde Händler, ein Einverständniss, und zwar zu unrechtlichen, ja vielleicht gar gewalttätigen Zwecken mitsammen hatten. Den in sein Zündloch geschobenen Stift hatte er richtig gefunden, und einen Grund m u ss t e der Fremde gehabt haben, seine Waffe unbrauchbar zu machen. Was es aber auch sei, er fürchtete es nicht, und es lag ihm jetzt fast eben so viel daran, ihre Pläne zu ergründen und zu nichte zu machen, als die Schuldigen zu gleicher Zeit zu ergreifen und der strafenden Gerechtigkeit zu überliefern.
Mehrere Stunden waren so verflossen und dunkle, rabenschwarze Nacht lag auf dem Strom. – Lautloses Schweigen herrschte, und nur das wasser schäumte und rauschte um die emporragende Aeste der Sykomore und gegen den breiten Bug des Flatbootes an. Oben vom Himmel aber, doch nur gerade über ihren Häuptern, denn, der Nebel erlaubte ihnen nicht in schräger Richtung seine finsteren, undurchsichtigen massen zu durchdringen, blitzten einzelne Sterne wie aus