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Sturm und Regen draussen gelegen. Aber komm, Bob Roy," – wandte er sich dann an den Hosier – "ruf einmal die Anderen auch heraufich denke, wir legen lieber beiich mag nicht länger in dem Nebel herumfahren!"

"Beilegen jetzt?" sagte Blackfoot rasch – "das ist noch zu frühBill meint, es hätte jetzt noch gar keine Gefahr."

"Ich will aber auch nicht warten, bis Bill meint, dass es wirklich Gefahr hätte," erwiderte Edgewort. "Ob wir nun noch ein paar Meilen weiter fahren, oder jetzt anhalten, das wird sich in der Zeit ziemlich gleich bleiben. – Da drüben hör' ich die Schläge einer Axt, und zwar gar nicht weit entfernt, dort muss also auch Land sein, und da wollen wir denn nicht warten, bis uns die Strömung wieder mitten in den Fluss hineinnimmt. Von dort an fahr' ich auch nicht eher wieder ab, bis es nicht heller lichter Tag geworden und der Nebel gewichen ist."

Die Bootsleute kamen jetzt rasch an Deck, machten die Finnen frei und stellten sich bereit, sobald das Steuerruder gerichtet wäre, einzufallen. Bill aber, der von seinem Platz aus die ganze Bewegung mit keineswegs freudigem Staunen beobachtet hatte, rief jetzt ärgerlich aus:

"Ei! Zum Donnerwetter, – wer hat Euch denn gesagt, dass Ihr rudern sollt? Ihr wollt wohl auf irgend einen Snag mit aller nur möglichen Gewalt auflaufen?"

"Nein, Bill," sagte Edgewort, stellte seine Büchse an das Zelt, neben dem Wolf noch immer lagerte, und ging auf ihn zu – "wir wollen dort drüben, wo Ihr noch jetzt die Axt hören könnt, anlegen, bis sich der Nebel verzogen hat. Haltet ein bischen hinüber –"

"Unsinn," brummte der Steuermann – "das Ufer dort drüben starrt vor lauter Snags und Sawyerswenn wir nicht ganz genau den Landungsplatz treffen, so laufen wir so sicher auf, wie wir jetzt gutes Fahrwasser unter dem Rumpfe haben. Legt die Finnen wieder hoch und wartet noch ein paar Stundenam Fuss von Zweiundsechzig ist ein trefflicher Landungsplatz, und ich glaube auch, wir können am östlichen Ufer von Einundsechzig ohne Gefahr eine Stelle erreichen, wo wir im stand sind, die Taue zu befestigen."

"Schadet nichts, Bill," sagte der alte Mann ruhig, "haltet nur nach Arkansas hinüber, ich will lieber ein bischen zu vorsichtig sein, als nachher Boot und Ladung einbüssen."

"Aber ich sage Euch, Sir!" fiel Blackfoot hier etwas ärgerlich ein – "wir dürfen die schöne Zeit nicht noch länger nutzlos versäumen. – Ich m u ss die Ladung morgen früh mit Tagesanbruch in Victoria haben, wenn ich sie überhaupt gebrauchen kann."

"Ei, Sir, von m u ss darf hier gar keine Rede sein," erwiderte Edgewort ernst. "Wenn es übrigens bloss die Ladung wäre, so möchte es noch angehen, ich würde sagen, lasst's uns riskiren, geschähe ein Unglück, so wäre weiter nichts als G e l d verloren, aber hier stehen auch Leben auf dem Spiel. Wir haben nicht einmal die Jolle am Boot, um uns bei irgend einem Zufall hinein zu flüchtendie Dame hier hat mir ebenfalls Alles anvertraut, was sie noch auf dieser Welt besitzt, und wir müssen deshalb vorsichtig, ja vielleicht vorsichtiger sein, als es sonst nötig wäre."

"Aber mir nützt die Ladung nicht einen Cent, wenn ich sie nicht –"

"Ei, so lasst sie in Gottes Namen mir," erwiderte Edgewort kaltblütig. – "Liefere ich Euch die Güter nicht zur bestimmten Zeit nach Victoria, so seid Ihr an nichts gebunden; die Waaren sind doch deshalb nicht schlechter geworden, dass schon Jemand darauf geboten. Haltet hinüber, Bill, oder wir treiben wieder vorbei."

Blackfoot stampfte ärgerlich mit dem fuss, Bill aber, der wenige Secunden unschlüssig dagestanden, schien sich jetzt eines Besseren besonnen zu haben, hob rasch das Ruder, drückte es nach Larbord hinüber und liess den Bug langsam gegen die Richtung zu anluven, von wo aus die regelmässigen Schläge der Axt noch immer herübertönten. Die Ruderleute legten sich dabei scharf hinter die Finnen, denn sie wussten doch nun einmal wieder, nach welcher Richtung zu es eigentlich ging, und langsam strebte der breite Bug, ein klein wenig nach oben gehalten, quer durch die Strömung, dass sich die wasser leicht an seiner Starbordseite kräuselten. Einzelne niedertreibende Stämme und Holzstücke legten sich dabei nicht selten gegen die mächtige Flanke des Bootes, so dass sie dieses, wenn der Andrang und das Gewicht solcher Holzmassen zu schwer wurde, völlig stromauf halten mussten, um jene Anhängsel abwerfen zu können.

"Aber sag' einmal, Bill, bist Du denn ganz des Teufels, dass Du diesem alten Seehund gehorchst?" zürnte Blackfoot, als er, während die Leute eifrig mit ihrer Arbeit beschäftigt waren, zu dem Kameraden an's Steuer getreten war. "Wenn wir jetzt anlegen und bis Tagesanbruch hier liegen bleiben, so ist Zehn gegen Eins zu wetten, dass unser schöner Plan zu wasser wird. – Der Nebel geht dann allerdings fort, aber wir haben helles Tageslicht und müssen gewärtig sein, dass uns vorbeitreibende Flatboote oder Dampfboote die Ausführung unserer Absicht total vereiteln."

"Bist Du nun fertig?" grollte der Steuermann