für den augenblicklichen Genuss und Nutzen eingerichtet ist und jeder wirklichen Behaglichkeit entbehrt, so ist es auch mit diesen, doch eigentlich für die Bequemlichkeit der Reisenden hingestellten Gastäusern.
Schon die ganze innere Einrichtung beweist das. – Nur vor dem Kamin stehen Stühle, und um denselben, selbst im Sommer, wenn kein Feuer darin brennt, sammeln sich aus alter Gewohnheit die Gäste und spritzen ihren Tabakssaft in die liegengebliebene Asche. Keiner setzt sich mit seinem Glas zum Tisch und verplaudert ein halbes Stündchen mit dem Freunde; – keiner liegt, im Stuhl behaglich zurückgelehnt und beobachtet die Kommenden und Gehenden. In Gruppen stehen sie beisammen – das kaum gefüllte Glas wird schnell geleert, höchstens einmal eine Zeitung durchflogen, und wieder fort stürmt der erst eingekehrte Gast seinen Geschäften oder seinem Vergnügen nach.
Das Union-Hotel machte keine Ausnahme von dieser ziemlich allgemeinen Regel. Der Tür gegenüber befand sich der Schenkstand, hinter dem ein junger Mann kaum hände genug zu haben schien, die verlangten Gläser zu füllen. – Links war der Kamin, rechts führten drei Fenster auf die Elmstreet hinaus, während neben der Tür zwei andere vornheraus eine Aussicht durch die Veranda nach der breiten Frontstreet und zugleich mit auf die Dampf- und FlatbootLandung und den Strom gewährten. In der Mitte des ziemlich grossen Raumes, stand ein breitfüssiger, viereckiger Tisch, auf dem ein paar Zeitungen, die State Gazette, der Cherokee advocate und das New-Orleans-Bulletin, lagen, und ein Dutzend Stühle, ein kleiner Nürnberger Spiegel und eine unvermeidliche Yankee Uhr über dem Kaminsims füllten den übrigen Platz an Möbeln aus.
Interessanter aber waren die Gruppen, die in den verschiedenen Teilen des Zimmers umherstanden. – Nur zwei Leute s a ss e n nämlich, und zwar diese wie zwei Kaminverzierungen an beiden Seiten desselben: die rücken der Gesellschaft zugedreht, und die Beine hoch oben auf dem Sims neben der Uhr.
Den Mittelpunkt der Gäste bildete ein junger advokat aus Helena, Namens Robins, ein Farmer aus der Nähe von Little Rock, ein junger grobknochiger Gesell, der trotz dem hellblauen Frack aus Wollenzeug und dem schwarzen abgeschabten Filz etwas unverkennbar Matrosenartiges an sich hatte, und der sogenannte M a i l r i d e r , der zu Pferde den ledernen Briefsack zwischen Helena und Strongs Postoffice, in der Nähe des St. Franzisflusses, hin- und herführte. Das Gespräch drehte sich jetzt um den vorhin stattgehabten und beschriebenen Kampf, die sie aus dem Fenster grösstenteils mit ansehen konnten, und der Mailrider, ein kleines dürres Männchen von etwa fünfundzwanzig Jahren, war ganz besonders erstaunt, dass sich eine solche Menge kräftiger, trotzig aussehender Burschen erst von einem einzelnen Mann einschüchtern und dann von einem andern in der Ausübung ihrer Rache hatten zurückhalten lassen.
"G e n t l e m e n !" sagte er in der mit Eifer geführten Anrede, wobei er diesen Titel ungewöhnlich häufig anwandte, als ob er seine Zuhörer dadurch ebenfalls mit überzeugen wollte, dass er selbst zu dieser besonderen Menschenklasse gehöre – "G e n t l e m e n , die Männer von Arkansas fangen an aus der Art zu schlagen – das demokratische Princip geht unter. Vom Osten her werden monarchische Grundsätze von Tag zu Tag gefährlicher. Gentlemen, ich fürchte, wir erleben noch die Zeit, wo sie in Washinton einen König krönen, u n d d e r – K ö n i g – h e i ss t – d a n n – H e n r y – C l a y –"
"Henry Unsinn!" sagte der Farmer verächtlich – "wenn das geschähe, so möchten sie ihren König auch im Osten behalten; über den Mississippi sollte er uns nicht kommen, dafür stehe ich. Wetter noch einmal, unsere Väter, die in ihren blutigen Gräbern schlafen und für ihre Kinder fielen, müssten sich ja in Schande und Schmach umdrehen, wenn die Enkel, die zu den Millionen angewachsen sind, das nicht einmal mehr behaupten könnten, was sie der Uebermacht mit wenigen Tausenden abzwangen. Das sind aber die verrückten Ideen, die nur Ausländer mitbringen. – In Schmach und Ketten aufgewachsen, können sie sich nicht denken, dass ein Volk im stand ist zu existiren, wenn es nicht von einem Fürsten am Gängelbande geführt wird. – Zum Teufel auch, ich hab da erst neulich in einem buch gelesen, wie die Hofschranze über dem grossem wasser drüben in den Städten herumkriechen und schwanzwedeln und die Feinen und Zierlichen spielen. – Die Pest über sie – solch Geschmeiss sollte einmal nach Arkansas kommen, hu – p i h – wie wir sie mit Hunden Hinaushetzen würden."
"Hahaha" – lachte der kleine advokat – "Howil gerät ordentlich in Jagdeifer – Mässigung, wackerer Staatsbürger, Mässigung. – Gegen solche Gefahr schützt uns unsere Constitution –"
"Ach – was da, Constitution," brummte Howil "wenn wir's nicht selber tun, wär's die Constitution und das Advocatenvolk auch nicht im stand. – Die eine würden umgeworfen und die anderen gingen zur neuen Fahne über, – das ist Alles schon dagewesen. Nein, der Farmer ist's, der den Kern der Staaten ausmacht, denn sein freies Land wäre gerade das, was unter die Botmässigkeit einer willkürlichen Regierung fiele. Er müsste das Land cultiviren und mit dazu beitragen, dass sich die Industrie mehr und mehr höbe und die Einkünfte von Jahr zu Jahr wüchsen, und dürfte dann am