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Dünste lagen wie ein graues Leichentuch fest und unbeweglich auf dem Strome, und müde und träumend schwamm das schläfrige Boot auf seiner mattblinkenden Fläche.

Eine halbe Stunde mochte auf diese Weise verflossen sein, und Edgewort war oft ungeduldig zum Steuermann gegangen, um mit diesem eine mögliche Gefahr zu bereden, dann wieder mit raschen Schritten auf dem runden Verdeck hin und her gelaufenunschlüssig, was er tun, ob er seinem Lootsen folgen, oder selber handeln solle, wie er es für gut finde, das heisst augenblicklich zum nächsten rechten Ufer rudern und dort anlegen, bis sich der Nebel verziehen möchte. Blackfoot hatte sich indessen fast immer an seiner Seite gehalten, um jeden möglicher Weise in ihm aufsteigenden Verdacht abzulenken. Jetzt aber, da sie sich mehr und mehr dem verhängnissvollen Punkt näherten, war noch so Manches, was er mit dem Verbündeten zu besprechen wünschte, und er zog sich nach und nach dem Steuer wieder zu, wobei er zuerst eine Zeit lang in Bill's Nähe auf- und abging, ohne ein Wort an diesen zu richten. Endlich tat er einige laute fragen über den Fluss in dieser Gegend und knüpfte zuletzt ein leiseres, dem Ohr des entfernter Stehenden unverständliches Gespräch mit dem Steuermann an.

Mrs. Everett hatte sich erst in ganz letzter Zeit in ihr hergerichtetes Zelt zurückgezogen, oft aber den Vorhang gelüftet, der es verschloss, und jenen teil des Verdecks mit ihren Augen überflogen, auf dem sich Mr. Edgewort befand. Jetzt, da sie ihn zum ersten Mal auf kurze Minuten allein und ungestört sah, verliess sie ihr Lager wieder und schrittmit flüchtigem blick sich überzeugend, dass Keiner der übrigen Männer in der Nähe sei, auf ihn zu.

"Ach, Madame," sagte der alte Mann, als er ihren Tritt hörte und sich nach ihr umwandte, "Sie sind auch noch munter? Ja, ja, man hat keine Ruh', wenn man nicht weiss, wo man ist, und Gefahren jeden Augenblick erwarten kann, ohne im stand zu sein, sie zu sehen. – Geht mir's doch selbst nicht besser."

"Ich fürchte nicht die Gefahren, die uns der Fluss selber entgegenstellt," flüsterte jetzt Mrs. Everett rasch und sah sich scheu nach den Männern am Steuer um – "Ihnenvielleicht uns Allen droht etwas Schlimmeres, und gebe nur Gott, dass es noch Zeit ist, es zu vermeiden."

"Was haben Sie, Mrs. Everett!" sagte Edgewort erstaunt – "Sie scheinen ja ganz aufgeregtwas f ü r c h t e n Sie?"

"Alles," sagte die Frau, aber immer noch mit unterdrückter stimme – "Alles, sobald Sie nicht der Treue Ihrer Leute gewiss sind."

"Aber ich begreife nicht –"

"Wo haben Sie Ihre Büchse?"

"Unten an meinem Bett."

"Gehen Sie hinab und untersuchen Sie das Schloss!"

"Das Schloss?"

"Zögern Sie keinen Augenblick, der nächste kann unser Aller Verderben besiegeln."

"Aber was fürchten Sie denn? Was ist mit dem Schloss meiner Büchse?"

"Sie gaben es vorhin in die Hand jenes Mannesich selber aber, im wald auferzogen und oft gezwungen, die Schusswaffe zu führen, wenn Everett Tage und Wochen lang auf der Jagd blieb, warf fast zufällig den blick auf jenen Menschen, als er aus seinem eigenen Horn Pulver auf die Pfanne schüttete. Wäre mir der Gebrauch jener Waffe fremd, so hätte ich nichts Auffallendes in seinem Benehmen finden könnener trug etwas Spitzes in der Hand und öffnete scheinbar damit das Zündloch, aber der lauernde blick, den er dabei auf Sie warf, machte mich zuerst stutzigich lehnte den Kopf in die Hand und behielt, ohne dass er mein Gesicht sehen konnte, seine Hand im Auge. Wohl drehte er sich, während Sie sein Pulver prüften, so weit von Ihnen ab, dass sein eigener Arm das Schloss verdeckte, deutlich aber erkannte ich, wie er irgend etwas, ob Holz oder Nagel weiss ich nicht, in das Zündloch drückte, und seine Hand zitterte, als er gleich darauf wieder Pulver auf die Pfanne schütteteich sah, wie das Pulver reichlich an Deck hinabfiel. So übermannte mich bei dieser Wahrnehmung Angst und Schreck, dass mir das Blut stockte und ich beinahe ohnmächtig an Deck niedergesunken wäre. Seit der Zeit war es mir aber nicht möglich, Ihnen auch nur eine Minute lang unbemerkt meinen Verdacht mitzuteilen, und ich fürchte nur, es ist fast zu spät, dem zu begegnen, was Jene Schreckliches beabsichtigen mögen."

Edgewort stand mehrere Minuten lang in tiefem Nachdenken versunken und starrte schweigend in den sein Boot jetzt dicht und undurchdringlich umgebenden Nebel hinausendlich sagte er, während er sich langsam gegen die Frau umwandte:

"Gehen Sie ruhig wieder in Ihr Zelt, meine gute Mrs. Everettich danke Ihnen für Ihre Mitteilungen, wir dürfen aber für den Augenblick noch Jene nicht merken lassen, dass wir irgend Verdacht geschöpft haben. Ich durchschaue jetzt Alles, oh, dass Tom doch hier wäre! Doches wird auch ohne ihn gehen, ich will nur gleich unten nach meiner Büchse sehen und sie wieder in Stand setzen. – Fürchten Sie aber nichtsmeine Indiana-Männer sind treu wie Gold."

Er schritt langsam dem vordern teil des Fahrzeugs zu, wohin die Bootsleute einige der