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der Stift im Zündloch seiner eigenen WaffeBlackfoot schüttelte gleich darauf frisches Pulver auf und schloss die Pfanne wieder.

"Ja, das Pulver ist gut," sagte der Alte, während er er es noch mit der Zunge kostete, "reinlich und von gutem Geschmackman bekommt's selten von der Art in Indiana. – Ich will mir auch ein Fässchen davon mit hinaufnehmenes steht schon auf meinem Zettel," – und damit nahm er sein Gewehr wieder aus Blackfoot's Hand und stellte es neben sich. Mrs. Everett hatte dabei gesessen und nur manchmal und flüchtig den blick zu den Männern erhoben.

"Hallo, Sir!" rief da plötzlich der Händler und zeigte auf die junge Frau, – "was ist denn mit der Ladydie wird ja plötzlich leichenblass."

"Um Gott, Mrs. Everett," sagte Edgewort aufspringend, – "fehlt Ihnen etwas? Sie sehen wahrlich ganz aschfarben aus."

"Es wird schon vorübergehen," flüsterte die junge Frau leise und hielt sich einen Augenblick ihr Tuch fest gegen die Augen gedrückt – "es war nur so ein Anfalldie Aufregung in Helenader schnelle Wechselvielleicht auch die feuchte Flussluft –"

"Ja, ja," sagte Edgewort, – "die ist hauptsächlich daran schuld, ich hätte das schon früher bedenken sollen. Aber warten Sie nur, ich hole Ihnen gleich die Decken herauf, und dann wollen wir schon ein ordentliches Lager für Sie herrichten; es gibt nichts Besseres, feuchte Luft abzuhalten, als wollene Decken."

Und der alte Mann ergriff sein Gewehr und schritt, ohne weiter auf die Einwendungen der Frau zu achten, vorn zum Bug und dort eine kleine Treppe hinunter in den untern Raum. Von dort kehrte er auch bald mit drei grossen Makinawdecken zurück, und ging nun mit Blackfoot's hülfe emsig daran, eine Art Zelt herzustellen, unter dem sich Mrs. Everett ungesehen und ungestört der Ruhe überlassen konnte. Es ist dies eine Art Galanterie und Aufmerksamkeit für das weibliche Geschlecht, wie sie selbst der roheste Hinterwäldler fast instinktartig beweist, und jede Frau kann deshalb auch, ohne fürchten zu müssen, der geringsten Unannehmlichkeit ausgesetzt zu sein, die ganzen Vereinigten Staaten allein durchreisen. Sie wird in jedem Fremden, der durch Zufall ihr Begleiter geworden, einen bereitwilligen, aber fast selten oder nie benötigten Schutz finden.

Mrs. Everett schien übrigens, so herzlich sie auch dem alten Mann für seine Güte dankte, dennoch keinen Gebrauch von derselben machen zu wollen, denn sie blieb unruhig an Deck und schien von jetzt an besonders aufmerksam die noch immer sorglos gelagerten Gestalten der Flussleute zu betrachten. Sie befanden sich auch alle oben; nur Einer von ihnen war unten im raum beschäftigt, auf dem dort befindlichen Roste oder Kochofen das einfache Abendmahl der Mannschaft zu bereiten, und tauchte von dort manchmal mit glühend rotem Gesicht auf, um sich entweder abzukühlen, oder Holz von oben mit hinunter zu nehmen.

"Hallowas für Land ist das da drüben?" sagte da plötzlich Edgewort, als er auf einen im Nebel kaum erkennbaren, etwas dunkleren Streifen deutete, den sie zu ihrer Linken liegen liess, "kann das wohl das Mississippi-Ufer sein?"

"Oh bewahre!" erwiderte ihm Blackfoot – "das muss ja der Steuermann wissen. – Was für Land ist das, Sir?"

"Runde Weideninsel!" erwiderte Bill lakonisch und drückte den Bug etwas davon ab, denn er fürchtete selbst eine von dieser Insel auslaufende Sandbank, auf welcher ja auch das Dampfschiff Van Buren festgesessen hatte.

"Wie wär's denn, wenn wir hier eine Weile vor Anker gingen?" meinte Edgewort, – "wenigstens so lange, bis sich der Nebel etwas verzogen hätte."

"Geht nicht!" rief Bill ruhig dagegen. – "Wir können nicht bis an hundert Schritt von der Insel selbst kommen. – Der Sand läuft hier ein tüchtiges Stück in den Strom hineinnehmt einmal das Senkblei!"

Edgewort nahm die Leine, an welcher das Blei befestigt war, und warf dieses über BordBill hatte Recht, der Strom war hier höchstens acht Fuss tief, und sie durften allerdings nicht wagen, näher hinan zu halten. Die Strömung lag aberdem Navigator nachvon hier an rechts an der Insel vorüber dem Arkansasstaat zu, und drängte erst von dort aus, etwa vier bis fünf Meilen unterhalb, der Mitte des Stromes wieder zu. Nr. Einundsechzig lag, wie schon früher erwähnt, dreizehn englische Meilen unter der Weideninsel.

Durch den Nebel noch beschleunigt, fing es jetzt recht ernstlich an dunkel zu werden, und der alte Farmer schüttelte gar bedenklich den Kopf, als selbst die letzten bis dahin fast noch immer sichtbar gebliebenen Wipfel der nächsten Uferbäume verschwanden. Sie trieben ja auch nun, fast auf gut Glück und ohne den leisesten Halt von irgend einer Seite aus, stromab und, wie er recht gut wusste, zwischen unzähligen Gefahren hin. Er stand vorn auf dem Bug und lauschte auch dem unbedeutendsten Geräusch, ob er nicht das Brechen der wasser an irgend einer Drift, oder das Wehen der vielleicht nahen Uferbäume hören könne. Aber Alles lag ruhig und still, kein laut liess sich vernehmen, die ganze natur schien wie ausgestorben, und selbst der Wind, der noch früher den Nebel einigermassen zerteilt hatte, musste gänzlich eingeschlafen sein, denn die