nicht unumgänglich nötig ist. Habt nur keine Angst, Sir, m i r liegt, wie Ihr Euch denken könnt, die Wohlfahrt des Bootes jetzt ebenso am Herzen als Euch, und ich würde seine Sicherheit gewiss nicht unnütz oder leichtsinnig auf's Spiel setzen. – Ihr habt da eine stattliche Büchse – Kentucki-Fabrikat oder pennsylvanische?"
Edgewort hatte seine Büchse noch zwischen zwei dort stehenden Fässern lehnen und griff jetzt hinüber, sie an sich zu nehmen – jeder Jäger hört es gern, wenn seine Waffe gelobt wird.
"Ja," sagte er, während er das gute Gewehr vor sich auf den Schoss legte, die Mündung jedoch vorsichtig dabei dem wasser zu richtete – "es gibt wohl schwerlich ein besseres Stück Eisen in Onkel Sam's Staaten, als dieses alte, unansehnliche Ding hier. – Manchen Hirsch hab' ich damit umgelegt und manchen Bären dazu; auch gute Dienste gegen die Rotäute hat sie schon geleistet und manchen heissen blutigen Tag gesehen."
"Ihr möchtet sie wohl nicht gegen irgend ein anderes, wenigstens besser und zierlicher aussehendes Gewehr vertauschen?" warf hier der Fremde ein und hielt dem Alten seine eigene Büchse hin, die er noch nicht aus der Hand gelegt hatte. Es war ein herrliches, reich mit gravirtem Silber verziertes und beschlagenes Gewehr, mit damascirtem Lauf und wunderlichem Sicherheitsschloss versehen, wie es dem alten Jäger noch gar nicht vorgekommen.
"Hm," sagte er und nahm die fremde Waffe fast unwillkürlich in Anschlag, – "das ist ein prachtvolles Stück Arbeit – liegt vortrefflich – ganz ausgezeichnet – gerade wie ich's gern habe – mit hellem Korn und nicht zu grobem Visir; muss viel Geld gekostet haben in den Staaten – sehr viel Geld. Schiesst es gut?"
"Ich parire, auf sechzig Schritt aus freier Hand einen viertel Dollar achtmal, auch zehnmal zu treffen."
"Ei nun, das wäre aller Ehren wert, – warum wollt Ihr's aber vertauschen?"
"Aufrichtig gesagt," – meinte der Andere und blickte sinnend dabei vor sich nieder – "tut mir's weh, von der Büchse zu scheiden, dann aber auch wieder hab' ich mich fest entschlossen. – Sie kommt aus lieber Hand und erweckt dadurch nur zu oft recht bittere und schmerzliche Erinnerungen. – Ich gebe sie auf jeden Fall weg, und – wenn sie doch einmal in eines Fremden Hand kommen soll, so wäret Ihr gerade der Mann, dem ich sie wünschen könnte. kommt, Ihr findet mich gerade in der Stimmung und könnt einen guten Handel machen."
"Ich wäre der Letzte, Vorteil aus der Stimmung eines Andern zu ziehen," sagte der alte Jäger; "das aber bei Seite, so scheinen wir auch in einer andern Sache sehr verschiedener Ansicht zu sein. – Was Euch durch schmerzliche Erinnerung peinigt, macht es mir teuer, und ich möchte mich nicht um vieles Geld von dieser alten lieben Waffe trennen. Ich hatte einst einen Sohn, der sie zuerst führte – ich brachte sie ihm aus Kentucky mit – und der arme Junge – doch einerlei das. – Dies ist das einzige Andenken, was ich noch von ihm habe, und es soll bei mir ausharren in Freud' und Leid."
"Also Ihr habt keine Lust zum Tausch?"
"Nicht die mindeste, und wenn Euer Gewehr so von Gold strotzte, als es jetzt von Silber tut."
"Ach, Mr. Edgewort, das Silber ist das Wenigste an einem guten Gewehr," sagte der Händler, – "das wisst Ihr selber wohl besser, als ich es Euch sagen kann; der Wert liegt im inneren, und da habt Ihr denn wohl ganz Recht, wenn Euch das Eure, unscheinbare, genügt – das finde ich auch schon ohne irgend einen andern Grund, der es Euch noch werter machen könnte, natürlich. – Bitte, erlaubt mir einmal Euer Gewehr – – steht der Stempel des Fabrikanten nicht daran?"
"Ich weiss wirklich nicht," sagte Edgewort, – "ich habe nie danach gesehen. – Es bleibt sich auch ziemlich gleich, ob der Mann John oder Harry geheissen hat, wenn seine Arbeit nur gut war."
"Ja, allerdings – aber ich bin mit mehreren Büchsenschmieden in Kentucky befreundet, und es wäre mir interessant, einen bekannten Namen hier zu finden."
Er nahm bei diesen Worten die Büchse in die Hand und drehte sie langsam nach allen Seiten hin, betrachtete besonders aufmerksam den Lauf, an dem noch einige, wenngleich undeutliche Zeichen sichtbar waren, und öffnete endlich auch die Pfanne.
"Gebt Acht – Ihr werdet mir das Pulver herunter schütten," rief Edgewort.
"Es scheint ohnedies vom Nebel feucht geworden zu sein," erwiderte Blackfoot, "während er sein eigenes Pulverhorn hervorzog, – wir wollen anders darauf tun."
Mit der linken Hand hielt er die Büchse, und die rechte, mit der er zugleich das Pulverhorn öffnete, bewahrte einen der kleinen, von Bill empfangenen Stifte. – Edgewort wollte aber noch immer nicht den blick von ihm wenden.
"Was habt Ihr für Pulver?" fragte er den Fremden.
"Dumont'sches – natürlich," – erwiderte Blackfoot, – "haltet einmal Eure Hand her – nun seht das Korn. – Ist das nicht herrliche Waare?"
Edgewort prüfte das Pulver mit dem Finger, und in demselben Augenblick sass