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, so ist gar kein Gedanke daran, vor morgen früh davon abzukommen, und Edgewort ist auch klug genug, den Versuch nicht einmal zu machen."

"Getraust Du Dich denn die Insel wirklich zu finden, wenn es sich ganz umziehen sollte?" fragte Blackfoot jetzt besorgt und schaute ringsum auf die dünnen, milchigen Streifen, die mehr und mehr die Gestalt von kleinen rollenden Wolken annahmen. – "Hol' mich der Teufel, ich glaube wahrhaftig, es wäre besser, wir legten an, ehe wir am Ende vorbeitrieben."

"Hab' keine sorge," lachte Bill, – "als ich das letzte Mal herunterkam, – Ihr waret gerade in Vicksburg, – da konnte man den Nebel mit einem Messer schneiden, und ich fand den Platz, als ob es im hellsten Sonnenschein gewesen wäre. – Treff' ich die Sandbank wirklich nicht o b e n an der Insel, nun so nimmt mich die Strömung gerade auf die Zwischenhaut, und das wäre auch weiter kein Unglück, als dass wir nachher ein bischen Arbeit hätten, das Boot wieder flott und stromab zu bekommen. – Die Fracht können wir so nicht ganz gebrauchen."

"Von wo fahren wir denn da ab?" fragte Blackfoot, – "denn einen Anhaltepunkt müssen wir doch auf jeden Fall haben."

"Ei ja wohlgerade etwa zwei Meilen unter der Weideninsel liegt das Treibholz, das Du kennen wirst. Wenn wir nicht im stand sind, das zu sehen, hören wir sein Rauschen eine halbe Stunde weit, und von dort an kann man nur durch unausgesetztes Rudern Einundsechzig, oder vielmehr unsern künstlich aufgeworfenen Damm vermeiden. – Im neuen Navigator steht er sogar schon angegeben als eine erst kürzlich durch sich selbst entstandene Sandbank."

"Gutsonach kommen wir also etwa gleich nach Dunkelwerden an die Insel; desto besser, dann ist die geschichte bald abgemacht, und wir können ordentlich ausschlafen. Aber höre, Bill, wird uns der Lasse, der vorausgerudert ist, nicht etwa Verdriesslichkeiten machen? Wenn der das Boot nicht findet, schlägt er auf jeden Fall Lärm."

"dafür ist gesorgt," lachte Bill, "ich habe schon meine Massregeln danach getroffen. – Aber jetzt Ruheder Alte scheint aufmerksam auf uns zu werden. – Geh ein wenig nach vorn, und höre, was er so viel mit dem weib zu schwatzen hatspäter wollen wir unsern Plan noch besser bereden. – Der A u g e n b l i c k muss freilich zuletzt immer noch den Ausschlag geben."

Und damit wandte er sich von ihm ab und arbeitete mit dem Steuer, den Bug ein klein wenig mehr gegen den Strom anzubringen.

Inmitten des Bootes, mehr jedoch nach vorn zu, standen die Effecten der jungen Frau, und diese sass, der letzten Scene noch immer mit unheimlicher Angst gedenkend, auf dem einen Koffer, während ihre Sachen, unordentlich, wie sie die Ruderleute an Bord geworfen, um sie her lagen. Seit dem letzten Streite der rohen Bootsmänner, der das Interesse Aller erregt zu haben schien, kümmerte sich auch Niemand weiter um sie. Nur Wolf, des alten Edgewort treuer Schweisshund, hatte sich, mitten in das Gepäck hinein, neben Mrs. Everett, und zwar seinen Kopf so auf ihren Fuss gelegt, als ob sie ganz alte liebe Bekannte wären; diese liess das auch gern geschehen, hatte doch selbst eines Hundes Annäherung unter all' den fremden wilden Männern etwas Wohltuendes und Beruhigendes für sie.

Edgewort schritt endlich auf sie zu, setzte sich auf die neben ihr stehende grosse Kiste und sagte freundlich:

"Aengstigen Sie sich nicht, MadameBootsleute sind fast stets roh und derb, und einige der unseren vorzüglich, Ihre Fahrt wird aber bald beendet sein. – Wenn dieser Nebel nicht gar so bösartig werden sollte, hoff' ich, Victoria bald nach Abend zu erreichen. Wird es dunkel, so lass ich Ihnen hier oben von meinen Decken ein kleines Zelt aufschlagen, und da können Sie dann ganz ungestört schlafen, bis wir an Ort und Stelle die Taue auswerfen."

"Sind Sie in Victoria bekannt, Sir?" fragte Mrs. Everett jetzt, und heftete ihre grossen tränenfeuchten Augen auf den alten Mann.

"Nein, Madame," sagte der Greis und streichelte den Kopf seines wackeren Hundes, der sich jetzt an ihm aufrichtete, – "ich war nie in Victoria, habe aber den Platz oft erwähnen hören."

"So sind Sie ganz fremd in dieser Gegend?" fragte die Frau besorgt, – "mit dem wasser und seinen tükkischen Gefahren unbekannt, und fürchten nicht, in diesem Nebel an Sandbank oder Drift aufzulaufen?"

"Die Gefahr ist wohl nicht so gross, als Sie glauben," erwiderte Edgewort. – "Wir haben einen sehr guten Steuermann, der den Fluss genau kennt, und nicht mehr weit zu fahren; der Mann, der meine Ladung gekauft hat, befindet sich ebenfalls an Bord und ist mit dem Strom vertraut, da glaube' ich wirklich nicht, dass viel zu fürchten ist."

"Ach Gott, es verunglücken so viele Menschen auf diesem bösen wasser!" seufzte die arme Frau.

"Ja wohl, Madame, ja wohl," stimmte ihr mit wehmütigem Kopfnicken der Alte bei, – "an diesem und den anderen westlichen Strömen Tausendeaber es gibt auch böse Menschen. Nicht der