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"Hallo, Sir! – der Waschbär wird auf dem andern Baume sitzen. – Diesmal habt Ihr Eure Zauberformel wohl an den Unrechten verschwendet, das muss ein Irrtum sein."

"Seid Ihr nicht gestern den Fluss hinab und dann ganz plötzlich wieder mit einem Dampfschiff aufwärts gefahren?" fragte der Fremde.

"Allerdings bin ich das!" erwiderte Tom, "und was weiter?"

"Ich wusste esich wusste es!" rief Jener – "tut Eure Pflicht, Constabler, und lasst den Burschen nicht wieder entspringen."

"Das muss auf jeden Fall ein Irrtum sein, Sir," unterbrach ihn hier der Richter und legte seine Hand auf den Arm des Constablers, der Tom noch immer an der Schulter hielt. – "Dieser Gentleman ist ein gewisser Mr. Barnwell von Indiana, mit meinem haus befreundet, und gewiss nicht der –"

"Tut mir leid, Squirehier hört die Freundschaft auf. Ihr habt mir übrigens selber den Verhaftsbefehl ausgestellt –"

"Ja, auf Den, der bei diesem mann eingebrochen war und seinen Geldkasten gewaltsam aufgerissen hatte," sagte Dayton – "aber nicht auf –"

"Und das ist d e r hier!" rief der Kläger und deutete mit grimmigem blick auf Tom Barnwell – "das ist der niederträchtige Bursche, der sich heimlicher Weise vom Flussufer aus an einzeln gelegene Häuser anschleicht, und dort, wenn man draussen im wald an der Arbeit ist, raubt und plündert. – Das ist die Canaille, und ich bin fest überzeugt, er wird schon gestehen, wohin er meine silberne Uhr gebracht hat, wenn er sie nicht etwa gar bei sich trägt."

Der Abend hatte indessen mehr und mehr gedunkelt, dennoch versammelten sich, durch das laute Gespräch herbeigezogen, eine Menge neugieriger Menschen um Constabler und Richter, und umgaben so die kleine Gruppe. Sander, der es jetzt für das Beste hielt, sich leise zu entfernen, suchte unbemerkt hinter den Bootsmann zu treten, Tom aber liess ihn, trotz dieser plötzlich gegen ihn auftauchenden Klage, keine Secunde aus den Augen, und Jener sah wohl, dass er, wenn er nicht ebenfalls aufsehen erregen wollte, die Flucht auf gelegenere Zeit verschieben müsse. Tom Barnwell wandte sich jetzt im Bewusstsein seiner Unschuld ruhig an den Richter und sagte lächelnd:

"Dem mann hier ist wahrscheinlich Etwas aus seiner Hütte entwendet worden, und er hat nun, Gott weiss aus welchem Irrtum, auf mich einen falschen Verdacht geworfen; ich kann mich auch deshalb nicht durch seine Reden beleidigt fühlen. So unangenehm mir das übrigens in diesem Augenblicke sein mag, so soll es und darf es doch auf keinen Fall die Aufklärung eines grässlichen Geheimnisses hindern, die uns Mr. Hawes hier wahrscheinlich im stand ist zu geben. Fürchten die Herren hier, dass ich ihnen entspringe, so mögen sie mit uns gehenIhre Gegenwart, Squire, wird hinlängliche Bürgschaft dabei sein. M e i n e Anklage kann sich nachher bald beseitigen lassen."

"Was ist denn vorgefallen?" fragte der Constabler.

"Auf jeden Fall Etwas, das mich ganz und gar nichts angeht!" rief der Kläger unwillig – "ich bin keineswegs gesonnen, mit dem Burschen hier in der Stadt herum zu laufen, bis er irgend gelegenheit findet zu entspringenConstabler, tut Eure SchuldigkeitRichter Dayton, Ihr müsst mir in dieser Sache beistehenwenn der Mann entkommt, halt' ich mich wegen Allem, was mir abhanden gekommen, an Euch."

"Könnt Ihr denn aber beweisen, dass dieser Mann auch wirklich Der ist, für den Ihr ihn haltet?" fragte der Richter.

"kommt nur mit zum Fluss hinunter," erwiderte Jener – "zwei von meinen Leuten haben ihn gesehen und wollen auf ihn schwören!"

Tom Barnwell, dem das, was er erst für ein tolles Missverständniss gehalten, doch jetzt anfing zu ernst zu werden, noch dazu da es wirklich drohte ihn in seinen freien Bewegungen zu hindern, tat jetzt ernstaften Einspruch und rief den Richter zum Beistand an. Dieser aber zuckte mit den Schultern und erklärte, "nicht selber g e g e n das Gesetz handeln zu können," Mr. Nickleton wisse hier eben so gut wie er, was er zu tun habe, und eine Einrede von ihm würde nicht einmal von Nutzen sein. Tom sah bald, dass er sich den Umständen fügen müsse, denn ein dichter Menschenhaufe umstand schon die Redenden, aus dem ein Entrinnen zur Unmöglichkeit wurde. Nichtsdestoweniger liess er Sander nicht aus den Augen, und bat nur den Richter, da er selber nicht im stand sei, es zu tun, jenen Mr. Hawes mit sich nach haus zu nehmen und dort Aufklärung über das Geschehene zu verlangen. Mr. Dayton versprach ihm das auch und schritt gleich darauf durch die ihm Bahn machende Menge, mit Sander an seiner Seite, in der Richtung dem eigenen haus zu, während der Constabler, von einem grossen teil Müssiggänger gefolgt, den jungen Bootsmann in die County Jail brachte, und ihn dort seinen eigenen Betrachtungen überliess.

23.

Die Schildkröte nähert sich der gefährlichen

Insel. – Blackfoot's Plan.

"hebt die Finnen! – Munter, meine braven Burschen!" rief der alte Edgewort, während er inmitten auf dem gebogenen Deck seines breitspurigen Fahrzeugs stand und mit dem blick die Entfernung mass, die sie wohl noch zwischen sich und den