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wirkung in einem Atem, Sir –" erwiderte Sander mit einiger Ungeduld und jetzt wieder vollkommen gefasst. – "Ich kann Ihnen aber unmöglich hier auf der Strasse erzählen, wie ich zu diesen Kleidern gekommen bin, oder was mich gezwungen hat sie anzulegen. – Sollte Sie das interessiren, so können Sie es morgen von Mr. Lively erfahrenjetzt aber bin ich eben, um diese Lumpen los zu werden, im Begriff, mir andere zu kaufen, damit ich mich vor den Ladies in Mr. Dayton's haus anständiger Weise sehen lassen kann. Uebrigens fühle ich mich Ihnen für den Anteil, den Sie an Mrs. Hawes nehmen, sehr verpflichtet, möchte Ihnen aber zugleich bemerken, dass ich jetzt, da ich zurückgekehrt und selber im stand bin, für meine Frau zu sorSander hatte sich nach und nach ganz wieder in seiAuch in Mrs. Breidelford's haus liess sich oben "Sie haben Recht, Sir," sagte Tom – "die Strasse F r a u solche nicht verweigern. Folgen Sie mir –"

"Ich sehe nicht ein, Sir, welches Recht Sie haben, mich hier auf öffentlicher Strasse anzugreifen," sagte jetzt Sander mit ärgerlicher, doch unterdrückter stimme – "Ihre Gesellschaft ist mir überdies nicht angenehm genug, sie bis dortin zu beanspruchen. Wie ich Ihnen schon einmal gesagt habe, bin ich eben im Begriff, Toilette zu machen, und ehe das geschehen ist, bringen Sie mich nicht einmal in die Nähe jener Damen, viel weniger in ihre eigene wohnung. Ich denke, Sie haben mich jetzt verstanden!"

"Vollkommen!" sagte Tom; seine Züge nahmen aber einen ernsten, finstern Ausdruck an, und er flüsterte, während er sich zu dem halb von ihm abgewandten Mann niederbog – "Sie wollen nicht mit mir gehen, i c h aber schwöre es hier bei meiner rechten Handund den Schwur brech' ich nicht, Sirdass ich Sie z w i n g e n will, mir zu folgenein geheimnis liegt hier zu grund, und ich w i l l es entüllen."

"Mein Herr!"

"Hadort kommt der Squireso Sir; Widerstand wäre jetzt nutzlos. – Ihres eigenen Selbst wegen vermeiden Sie jedes aufsehen und folgen Sie uns gutwillig."

Sander war in peinlicher Verlegenheit. – Wie sollte er die Umstände jener Nacht erklären, die Marie doch jedenfalls schon entdeckt hatte? Sollte er suchen in den Wald zu entkommen? Kaum hundert Schritt von dort, wo sie standen, begannen die Büsche. Er war dabei schnellfüssig wie der Wind und fürchtete kaum, von seinem Feind eingeholt zu werden. Wenn es aber doch geschahdann hatte er Alles auf eine Karte gesetztund verloren. Nein, noch blieb ihm ein anderer Ausweg, Flucht sollte das Letzte sein, denn er wusste recht gut, dass ihm der Kerker von Helena nicht hätte daran verhindern können, die Insel wieder zu erreichen.

"So kommen Sie, Sir," erwiderte er nach kaum secundenlangem Nachdenken, "kommen Sie, ich will jetzt Ihrem sonderbaren Willen Folge leisten, später aber werden auch S i e sich nicht weigern, mir für ein Betragen Rede zu stehen, das ich in diesem Augenblick nur in Ihrer ungeheuren Frechheit begründet sehen kann."

"Genug der Worte," sagte Tom mürrisch, und wandte sich, an des jungen Verbrechers Seite, rasch zum Gehen – "es sind deren schon zu viel gewechselt. – Squire Daytonich habe das Vergnügen, Ihnen hier Mr. Hawes vorzustellen –"

"Oh, wahrhaftig, Sirdas ist ein glücklicher Zufall, dass Sie jetzt schon eintreffender Brief hat Sie wahrscheinlich unterwegs erreicht. – Aber, Mr. Barnwell, ich suchte Sie unten vergebens an Ihrem Boote, und wurde erst von ein paar Dampfbootleuten heraufgewiesen."

"Ein glücklicher Zufall liess mich Mr. Hawes treffen," sagte Tom hier, mit einem ernsten blick auf diesen.

"Das G l ü c k l i c h e ist dann ganz auf Ihrer Seite gewesen, Sir," entgegnete mürrisch der so wider seinen Willen an's Licht Gezogene, "ich habe Ihre Gesellschaft wahrhaftig nicht gesucht –"

"Aber Gentlemen," sagte Dayton erstaunt – "ich begreife nicht –"

"Das ist er, Mr. Nickleton," rief da plötzlich eine fremde stimme von der Mitte der Strasse aus, und zwei Männer, die eben an ihnen hatten vorbeigehen wollen, wandten sich jetzt, des Richters Rede unterbrechend, scharf gegen diesen und seine beiden Begleiter um.

"Welcher? Der mit dem Wachstuchhut?" fragte der mit Nickleton Bezeichnete, der Constabler von Helena.

"Ja! bei Gottdas trifft sich prächtig!" – jubelte der Andere, "packen Sie ihn, mein wackerer Haltefestbringen Sie ihn auf Numero Sicher!"

"SirIhr seid mein Gefangener," sagte der Constabler und legte seine Hand auf Tom's Schulter – "im Namen des Gesetzes!"

Tom blickte ihn erstaunt an, und wirklich kam das Ganze so schnell und unerwartet, und er selbst war mit dem aufgefundenen Gatten Mariens so ganz und gar beschäftigt gewesen, dass er die Gegenwart der Uebrigen erst bemerkte, als sie ihn anredeten. Jetzt aber, mit dem gefürchteten Bannspruch im Ohr, richtete er sich rasch auf und sagte lachend: